Missbrauchsfall Lügde: Landgericht gibt erste Details zu Anklagen bekannt

Janet König und Erol Kamisli

  • 0
Ein Bagger steht vor der bereits zum Teil abgerissenen Parzelle des mutmaßlichen Täters auf dem Campingplatz Eichwald. - © Guido Kirchner
Ein Bagger steht vor der bereits zum Teil abgerissenen Parzelle des mutmaßlichen Täters auf dem Campingplatz Eichwald. (© Guido Kirchner)

Lügde. Der Prozess um den Missbrauchsfall Lügde rückt ein Stückchen näher. Das Detmolder Landgericht hat am Freitag Angaben zum Inhalt der 64 Seiten umfassenden Anklageschrift der Detmolder Staatsanwaltschaft gegen den 56-jährigen Dauercamper Andreas V. und den 49-jährigen Heiko V. aus Stade gemacht. Zuvor war die Anklage den Verteidigern zugestellt worden.

Zur Anklage von Andreas V.

Die Staatsanwaltschaft Detmold wirft dem 56 Jahre alten Angeschuldigten Andreas V. aus Lügde in insgesamt 293 Fällen sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlen, schweren sexuellen Missbrauch von Kindern sowie den Besitz von 879 kinderpornografischen Bild- und Videodateien vor. Die Taten sollen im Sommer 1998 und seit Anfang des Jahres 2008 bis Dezember 2018 auf dem Campingplatz „Eichwald" in Elbrinxen begangen worden sein.

Die Anklageschrift führt 22 Geschädigte auf, die zur Tatzeit minderjährig waren, zehn Kinder soll Andreas V. vergewaltigt haben oder ähnliche sexuelle Handlungen an diesen vorgenommen haben. Alle Handlungen seien mit einem Eindringen in den Körper verbunden gewesen. In einem Fall soll der Dauercamper zwei Kinder gezwungen haben, sexuelle Handlungen aneinander vorzunehmen.

Zur Anklage von Heiko. V.

Sein 49-jähriger Komplize Heiko V. aus Stade soll von Herbst 2010 bis zum Frühjahr 2011 an vier Webcam-Übertragungen von Andreas V. teilgenommen haben. Geld habe der Stader nicht bezahlt, sagt die Staatsanwaltschaft. Zweimal soll Heiko V. den Dauercamper zur Übertragung des Kindesmissbrauchs aufgefordert haben. Er soll das Geschehen übers Internet beobachtet und kommentiert haben. Während eines Livechats habe Heiko V. vor den Augen der anwesenden Kinder onaniert. Außerdem wird ihm der Besitz von fast 43.00 Bildern und Videos mit kinder- und jugendpornografischem Inhalts vorgeworfen.

Trotz dieser Vorwürfe wird das Detmolder Landgericht in der nächsten Woche darüber entscheiden, ob Heiko V. weiter in Haft bleibt, bestätigt Sprecher Wolfram Wormuth. Rechtsanwalt Jann Henrik Popkes, Verteidiger des 49-Jährigen, hatte nach zwei gescheiterten Prüfungsterminen Haftbeschwerde am Oberlandesgericht Hamm eingelegt.Da inzwischen Anklage erhoben wurde, muss nun jedoch wieder das Landgericht entscheiden. Dass der Stader noch vor Prozessbeginn aus der U-Haft kommt, hält Oberstaatsanwaltschaft Ralf Vetter für unwahrscheinlich: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Landgericht nun eine andere Entscheidung fällen wird."

Die zuständige 3. Strafkammer – Jugendschutzkammer – des Landgerichts Detmold prüfe gegenwärtig die Zulassung der Anklagen zur Hauptverhandlung.

In Kürze soll auch Anklage gegen den dritten in U-Haft sitzenden Beschuldigten, den 34-jährigen Mario S. aus Steinheim, erhoben werden. Auch die Ermittlungen gegen fünf weitere Beschuldigte laufen unter anderem wegen Beihilfe und Strafverweiter.

Alle Artikel zum Missbrauchsfall Lügde lesen Sie hier.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2019
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!