Fall Lügde: Anwalt geht von Einstellung der Ermittlungen gegen Polizisten aus

Janet König

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Aktenstapel vom Missbrauchsfall Lügde. - © Bernhard Preuss
Aktenstapel vom Missbrauchsfall Lügde. (© Bernhard Preuss)

Detmold. Eigentlich hatte die Ermittlungskommission (EK) „Eichwald" ihre Arbeit Anfang Oktober beenden wollen, so hatte es EK-Leiter Thorsten Stiffel zunächst angekündigt. Doch die Ermittlungen zu weiteren Beschuldigten im Missbrauchsfall Lügde sind noch nicht abgeschlossen. Daher bleibt die EK laut Angaben der Bielefelder Polizei für nicht absehbare Zeit bestehen.

Selbst wenn sich die Ermittlungskommission als solche auflösen würde, hätten die zuständigen Beamten für die nächsten Monate noch weiter mit dem Fall Lügde zu tun. Davon geht die Detmolder Staatsanwaltschaft aus. „Wir arbeiten alles nach und nach ab", sagt Oberstaatsanwalt Ralf Vetter. Ob es zu weiteren Strafverfahren im Lügde-Komplex kommt, stehe erst nach Abschluss der Ermittlungen fest.

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Das betreffe auch die weiteren Untersuchungen gegen Behörden – darunter zwei lippische Polizeibeamte, die Hinweise gegen Andreas V. nicht ordnungsgemäß behandelt haben sollen. Der Bielefelder Rechtsanwalt Detlev Binder, der einen pensionierten Polizisten aus Blomberg vertritt, geht davon aus, dass die Ermittlungen gegen seinen Mandanten wegen Strafvereitelung im Amt eingestellt werden. „Man kann ihm diesen Vorwurf nicht machen, da es kein Vorsatz war", sagt Binder.

Dem Ex-Polizisten wird vorgeworfen, einen Hinweis aus dem Jahr 2016 nicht weitergeleitet zu haben. Weil das polizeiinterne Computerprogramm nicht funktioniert haben soll, habe er die Anzeige gegen Andreas V. manuell eingeben und ausdrucken müssen. Der Zettel sei in der Ablage gelandet und „auf unerklärliche Weise" verschwunden. Daher sei keine Anzeige im Computer vermerkt. Ein entsprechendes Schriftstück sei erst während der Ermittlungen in der Akte des Jugendamts Lippe aufgetaucht. „Das zeigt, dass die Anzeige angekommen sein muss", sagt Binder. In Bezug auf Lügde seien schwerwiegende Fehler gemacht worden, doch sein Mandant sei in dieser Kette das schwächste Glied.

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