Ermittler finden Verbindung zwischen Missbrauchsfällen von Lügde und Bergisch Gladbach

Erol Kamisli

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Die Ermittler im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach sind auf eine Querverbindung zum Fall Lügde gestoßen. - © Guido Kirchner/dpa
Die Ermittler im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach sind auf eine Querverbindung zum Fall Lügde gestoßen. (© Guido Kirchner/dpa)

Köln/Detmold. Zwischen den Missbrauchsfällen von Lügde und Bergisch Gladbach gibt es offenbar mehrere Verbindungen. Das berichten Medien übereinstimmend und berufen sich auf Aussagen von Ermittlern im Missbrauchsfall von Bergisch Gladbach.

So soll der Großvater des Hauptverdächtigen aus Bergisch Gladbach, Jörg L., von Mitte der 1980er Jahre bis in die 90er-Jahre einen Stellplatz auf dem Campingplatz "Eichwald" in Lügde gepachtet haben und früher selbst wegen Kindesmissbrauchs verurteilt worden sein. Er bestreite, die Täter von Lügde persönlich kennengelernt zu haben, berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger.

Wie die dpa erfuhr, kennt die in Gladbach ermittelnde EK "Berg" den Zusammenhang schon seit geraumer Zeit - ein abschließendes Ergebnis gebe es aber noch nicht. Einiges spreche für Zufall. Noch sei aber nicht komplett ausgeschlossen, dass die Fälle verbunden sind.

Campingwagen an Andreas V. verkauft

Zudem soll ein Cousin von Jörg L. von 2005 bis 2009 den  Campingplatz genutzt haben. Während dieser Zeit soll er einen Campingwagen an Andreas V. verkauft haben, der auch weiterhin auf dem Campingplatz in Lügde gestanden haben soll.

Den Bericht des WDR, dass bei den sichergestellten Dateien im Fall von Bergisch Gladbach auch kinderpornografisches Material entdeckt worden sei, das eine Geosignatur aus Lügde aufweise, bestätigen die Ermittler hingegen nicht.

Die Staatsanwaltschaft in Detmold hat von den neuen Entwicklungen gehört. „Dies sind reine Spekulationen. Wir haben bei unseren Ermittlungen keinerlei Zusammenhänge zwischen diesen beiden Missbrauchsfällen gefunden", sagt der Detmolder Oberstaatsanwalt Ralf Vetter, der die Ermittlungen im Missbrauchsfall Lügde leitet.

Auch die Polizeibeamten der „EK Eichwald" hätten keinerlei Hinweise gefunden, dass es einen Austausch von kinderpornografischen Aufnahmen sowie andere Verbindungen oder eine Kooperation zwischen den Tätern von Lügde und Bergisch Gladbach gegeben habe.

Opa bestreitet Bekanntschaft

Der 84-jährige Großvater bestreitet, dass er die Täter von Lügde auf dem Campingplatz persönlich kennengelernt habe. Vetter: „Es kann auch Zufall sein, denn laut unserer Zeitschiene können sie sich dort nicht getroffen haben." Laut Vetter laufen auf dem Campingplatz aktuell keine Ermittlungen.

Das NRW-Innenministerium wollte einen Zusammenhang zum jetzigen Zeitpunkt nicht bestätigen, aber auch nicht dementieren.

Beschuldigter aus Österreich

Im Missbrauchsfall Bergisch-Gladbach hat die Polizei nun auch einen in Österreich lebenden Beschuldigten ermittelt. Das teilte am Dienstag die Staatsanwaltschaft Köln gegenüber der Deutschen Presseagentur mit. In dem Fall geht es um massenhaften Missbrauch von Kindern. In einem aufgedeckten Netzwerk sollen Täter Fotos und Videos vom Missbrauch in Chat-Gruppen mit bis zu 1800 Mitgliedern verbreitet haben. Die Ermittler arbeiten sich dem Bericht zufolge durch riesige Mengen von Daten mit belastendem Material.

Nach Angaben der Polizei Köln gibt es in der Sache in NRW derzeit 21 Beschuldigte, von denen acht in Haft sind. Mutmaßliche Tatorte sind Bergisch Gladbach, Viersen, Krefeld, Dortmund, Aachen, Alsdorf, Kamp-Lintfort und Duisburg. Zudem hat die Polizei Köln 21 Hinweise auf Straftaten in zehn andere Bundesländer weitergeleitet. Dabei handelt es sich um Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg und das Saarland.

Mit Material von dpa

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