Lügde-Elbrinxen. Wenn der Spielmannszug Elbrinxen aufspielt, dann sind nicht nur die aktiven Musikanten mit ganzem Herzen dabei: Da mogelt sich auch schon mal ein Drei-Käse-Hoch neben Tambourmajor Kevin Dettmar. Zwar ist Luke Poschwatta gerade mal vier Jahre alt, aber schon ein Riesen-Fan: „Er ist auf jedem Fest mit seinem selbst gebastelten Tambourstab dabei“, berichtet die zweite Schriftführerin Kathrin Maximov. Das lässt zum 75-jährigen Bestehen des Vereins hoffen: Der Nachwuchs wächst heran. So werden auch die Jüngsten dabei sein, wenn der Spielmannszug am Samstag, 11. Oktober, ab 17 Uhr ins Festzelt am Elbrinxer Schützenplatz lädt. „Seit einem Dreivierteljahrhundert prägt unser Spielmannszug das kulturelle Leben und das Schützenfest vieler Vereine mit Musik und einem unerschütterlichen Gemeinschaftsgeist“, schreibt der Verein zum eigenen Jubiläum. Denn es sei nicht nur die Musik, die ihn auszeichne: „Es ist die Kameradschaft, die Liebe zur Tradition und der Einsatz eines jeden Einzelnen, der unseren Spielmannszug zu dem macht, was er ist: Ein Symbol für Zusammenhalt und Beständigkeit.“ Die Vereinsgeschichte hat Ehrenmitglied Gaby Dachrodt verfasst. Angefangen hat demnach alles auf einem Sängerfest im Storchendorf. Bereits 1947 hatten ein paar Musiker Auftritte absolviert. Doch Walter Kaufel und Hugo Heinrich machten 1950 Nägel mit Köpfen und gründeten den Spielmannszug Elbrinxen offiziell. Die Eintragung in das Vereinsregister erfolgte 45 Jahre später, erst ab 1995 heißt der Verein „Spielmannszug Elbrinxen von 1950 e.V.“. Walter Kaufel war nicht nur Mitbegründer, sondern übernahm in den frühen Jahren auch die Übungsleitung. Als Alfred Sennholz und Paul Zenker 1970 den Mädchenspielmannszug Elbrinxen ins Leben riefen, war Walter Kaufel auch mit ihnen gemeinsam Übungsleiter. Jähe Unterbrechung durch die Pandemie Zum silbernen Jubiläum des Spielmannszuges 1975 feierten gleichzeitig die Nachwuchsmusikantinnen ihr fünfjähriges Bestehen, und insgesamt wurde daraus ein viertägiges Fest, das der Verein auf die Beine stellte. Der Spielmannszug richtete dabei auch einen Wettstreit aus, bei dem er in der Gesamtwertung auf dem zweiten Platz landete. In den Jahren waren solche Wettbewerbe von Klangkörpern groß in Mode, die Elbrinxer stellten sich gern der Konkurrenz, nahmen dafür auch weite Fahrten auf sich. Bei der Platzierung seien sie oft auf den vorderen Plätzen gelandet, heißt es in der Chronik. 1989 wechselte der Tambourstab den Besitzer: Heiner Janetzko übernahm ihn von Hugo Heinrich, der nach 40 Jahren aus gesundheitlichen Gründen den Stab weitergab. Heute ist Kevin Dettmar Tambourmajor, der den Stab wiederum von Lars Horstmann bekommen hat. Über die Jahre behielt der Verein seine Anziehungskraft, so fanden beispielsweise 1991 zehn Frauen zurück, die früher im Mädchenspielmannszug gespielt hatten und beim Jubiläumsschützenfest 1992 ihren ersten Auftritt absolvierten. Ein knappes Jahr später bekam der Spielmannszug auch eine von Wilhelmina Lödige handgenähte Fahne. Alt und jung musizieren in Elbrinxen seit Jahrzehnten miteinander, treten bei zahlreichen Festen und Veranstaltungen in und um Lügde auf - eine Blütezeit, die durch den Beginn der Corona-Pandemie im Jahr 2020 unterbrochen wurde. Der Verein überstand die Krise, gewann neue Mitglieder und zählt heute 72 Köpfe, von denen gut 40 aktiv musizieren. Geprobt wird immer dienstags von 19 bis 21 Uhr. Zusammenhalt steht im Vordergrund „Viele Erwachsene, Kinder und Jugendliche haben dort ein Hobby und eine Gemeinschaft gefunden“, schreibt der Verein. Sämtliche Kosten für Instrumente sowie die komplette Uniformausstattung jedes Mitgliedes werden vom Verein übernommen. „Bei allen Beteiligten stehen die Freude an der Musik und der freundschaftliche und kameradschaftliche Zusammenhalt im Spielmannszug im Vordergrund.“ Und genau das werden die Mitglieder nun feiern. Alle Dorfbewohner sind herzlich eingeladen, dazu viele Auswärtige und befreundete Vereine. „Die Resonanz ist so groß, dass wir noch die Festlocation wechseln mussten“, berichtet Kathrin Maximov. „Eigentlich wollten wir in der Marktscheune feiern, jetzt bauen wir stattdessen ein großes Festzelt auf dem Festplatz auf.“ Um 17 Uhr gehts los, befreundete Vereine spielen auf, bevor um 20 Uhr die Party mit DJ steigt. Preiswürdiges Liederbuch Anlässlich des Jubiläums hat der Verein mit der Hilfe des diesjährigen Schützenkönigs Sebastian Loke und engagierten Dortmitbewohnerinnen ein Liederbuch herausgebracht mit aktuellen und alten Liedertexten, die gerne in der Gemeinschaft gesungen werden. Dass ihnen dies auch noch den dritten Platz beim Heimatpreis der Stadt Lügde eingebracht hat, krönt die Freude über das Jubiläum noch: „Darauf sind wir sehr stolz.“