Vater vor Gericht: Prozess um totes Baby beginnt

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Einem 26-jährigen Mann aus Oerlinghausen wird vorgeworfen, für den Tod seines Kindes verantwortlich zu sein. - © Symbolbild: Pixabay
Einem 26-jährigen Mann aus Oerlinghausen wird vorgeworfen, für den Tod seines Kindes verantwortlich zu sein. (© Symbolbild: Pixabay)

Oerlinghausen. Ein drei Monate alter Säugling soll von seinem Vater so misshandelt worden sein, dass er im März 2020 an den Folgen eines Schütteltraumas starb. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage wegen Kindesmisshandlung mit Todesfolge erhoben. Der 26-Jährige sitzt in Untersuchungshaft und bestreitet die Tat. Seit Montagmorgen muss er sich vor der Strafkammer des Landgerichts Detmold verantworten.

Der 26-jährige Arbeitslose aus Oerlinghausen sei Mitte März mit seiner Lebensgefährtin – der Mutter des Kindes – und dem schwer verletzten Baby im Bielefelder Krankenhaus Gilead erschienen, berichtete Oberstaatsanwalt Christopher Imig im Frühsommer nach der Festnahme. Alle ärztliche Hilfe kam zu spät, der Junge starb einen Tag später. Der Vater habe in Gilead von einem Unfall berichtet. „Diese Aussagen waren jedoch nicht plausibel." Vielmehr habe seiner Überzeugung nach der Vater seinem Sohn zwei Rippen gebrochen, eine Fraktur des linken Oberarms zugefügt sowie durch heftiges Schütteln ein schweres Trauma verursacht. Daran sei das Baby gestorben.

Das Klinikum hatte eine Verdachtsanzeige gestellt, worauf die Kripo ermittelte. Die Staatsanwaltschaft Detmold stellte bei Durchsicht der Krankenakte fest, dass der Junge zuvor schon zweimal wegen Verletzungen im Krankenhaus gewesen war. „Das Baby ist in den drei Monaten seines Lebens drei Mal massiv misshandelt worden", sagt Imig. Dies habe die Analyse der Akten und die Obduktion des Leichnams durch die Gerichtsmedizin in Münster ergeben. Imig nannte „Überforderung" als mögliches Motiv. Die Mutter des Kindes stehe nicht unter Verdacht. Sie sei einer Arbeit nachgegangen, der Vater habe das Kind betreut.

Der Angeschuldigte befindet sich in Untersuchungshaft. Er wird von Rechtsanwalt Jerrit Schöll aus Bielefeld verteidigt. „Meine Mandant bestreitet stumpfe Gewalt vehement. Er ist mit dem Kind auf dem Arm unglücklich gefallen", hieß es im Juni vom Verteidiger. Die erste Große Strafkammer des Landgerichts Detmold prüft die Eröffnung des Hauptverfahrens.

Für das Verfahren sind weitere Termine am 21. und 30. September angesetzt, die Verhandlungen beginnen jeweils um 9 Uhr.

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