Leopoldshöhe/Oerlinghausen. 28 Tonnen Plastikdeckel – so viel Engagement steckt in acht Jahren Sammelaktion für Polio-Impfungen. Doch zuletzt sind die Sammelergebnisse leicht zurückgegangen. Jetzt will der Rotary-Club Oerlinghausen-Detmold mit einer neuen Aktion wieder mehr Menschen zum Mitmachen bewegen. Ins Leben gerufen worden war die Deckel-Sammlung vom damaligen Bürgermeister Gerhard Schemmel, der als Rotary-Mitglied die Idee aus Hamburg nach Leopoldshöhe brachte. Dort hatte eine Initiative unter dem Titel „Deckel drauf“ bundesweit erfolgreich Kunststoffdeckel gesammelt, um Geld für Polio-Impfungen zu gewinnen. Schemmel stellte den Bauhof Leopoldshöhe als zentralen Sammelort zur Verfügung – und so wird hier nun seit acht Jahren fleißig gesammelt. Anlässlich des Weltpoliotags am 24. Oktober hatten der Rotary-Club Oerlinghausen-Detmold und die Gemeinde Leopoldshöhe jetzt eingeladen, um aktuelle Zahlen zu präsentieren. Nach Angaben des Clubs kamen seit Sommer 2018 27.282 Kilogramm Plastikdeckel zusammen – allein in den vergangenen zwölf Monaten waren es 1640 Kilo. Mit dem Erlös aus dem Recycling werden weiterhin Impfungen gegen Kinderlähmung (Polio) finanziert. Und die Unterstützung reicht weit über die Region hinaus: „Kürzlich erreichte uns sogar ein Paket aus Dortmund“, berichtete Bauhofleiter Michael Brinkmann. Deckel werden recycelt Die gesammelten Kunststoffdeckel werden recycelt und anschließend zu neuen Produkten verarbeitet – etwa zu stabilen Getränkekisten. So entstehe aus dem Wertstoff nicht nur finanzielle Hilfe, sondern auch ein sinnvoller Beitrag zur Kreislaufwirtschaft. Seit Beginn der Impfkampagne sind die Polio-Infektionen nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit um 99,9 Prozent zurückgegangen. Laut aktuellen WHO-Daten vom 13. Oktober wurden Wildpolio-Fälle zuletzt nur noch aus zwei Ländern gemeldet – 7 Fälle in Afghanistan und 29 Fälle in Pakistan. „Jeder gesammelte Deckel trägt dazu bei, Polio endgültig auszurotten“, sagt Winfried Brunner und dankt der Stadt Oerlinghausen sowie der Gemeinde Leopoldshöhe für ihre langjährige Unterstützung. Brunner, Orthopäde und Projektleiter des Rotary-Clubs, behandelt in seiner Praxis noch heute zwei Patienten, die an den Folgen einer Kinderlähmung leiden. „Ein Bein ist verkürzt – selbst wenn man es verlängern würde, bliebe die Muskulatur geschwächt“, erklärt er. Erst kürzlich sei er selbst nach Hannover gefahren, um dort ein Paket mit gesammelten Deckeln entgegenzunehmen. Neue Vorgaben machen das Sammeln jedoch schwieriger: Eine EU-Richtlinie verlangt, dass Deckel künftig fest mit den Flaschen verbunden sind. „Das ist richtig“, sagt Brunner. „Niemand möchte, dass Plastikdeckel in der Umwelt landen.“ Dennoch appelliert er an die Menschen, die Deckel weiterhin abzuschrauben und zu sammeln. „Deckel-Helden 2025“ Um die Aufmerksamkeit für die weltweite Polio-Ausrottung zu erhöhen und neue Sammelgruppen zu motivieren, beginnt der Rotary-Club am Weltpoliotag, Freitag, 24. Oktober, mit der Aktion „Deckel-Helden 2025“. Alle Kitas, Schulen, Vereine, Firmen und privaten Gruppen sind aufgerufen, sich zu beteiligen, erklärt Präsident Marcel Klöpping. Die Organisation oder Gruppe, die bis zum Montag, 1. Dezember, das höchste Gewicht an Plastikdeckeln sammelt, gewinnt den Titel „Deckel-Helden 2025“ und einen Hauptpreis von 250 Euro. Bei Gruppen mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern über 18 Jahren muss das Geld für einen gemeinnützigen Zweck vergeben werden. Das gesammelte Gewicht ist bis zum 1. Dezember an mail@rotary-detmold-oerlinghausen.de zu melden. Die Siegerehrung findet am Freitag, 5. Dezember, um 16 Uhr am Stand des Clubs auf dem Bergstadt-Advent in Oerlinghausen statt. Weitere Infos zum Projekt „Deckel drauf“ sowie die vollständigen Teilnahmebedingungen auf der Club-Webseite unter www.detmold-oerlinghausen.rotary.de