Ehemaliges Schieder-Möbel-Wahrzeichen ist bald Geschichte

Der Abrissbagger leistet ganze Arbeit

Marianne Schwarzer

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Stück für Stück verschwindet der Büroturm des ehemaligen Schieder-Möbel-Werkes von der Bildfläche. Die Fläche will die Firma Phoenix Contact für ihr Ausbildungs- und Weiterbildungszentrum nutzen. - © Vera Gerstendorf-Welle
Stück für Stück verschwindet der Büroturm des ehemaligen Schieder-Möbel-Werkes von der Bildfläche. Die Fläche will die Firma Phoenix Contact für ihr Ausbildungs- und Weiterbildungszentrum nutzen. (© Vera Gerstendorf-Welle)

Schieder-Schwalenberg/Blomberg. Vorsichtig greift der Baggerarm in die Gebäudehülle und reißt ein Stück Beton heraus. Schon bald wird vom ehemals markanten Büroturm auf dem Schieder-Möbel-Gelände nichts mehr übrig sein als die Erinnerung.

Das mehrstöckige Gebäude mit der weißen Verblendung hat glanzvolle, aber auch dramatische Tage erlebt. Als Europas größter Möbelhersteller noch mit 11.000 Mitarbeitern weltweit glänzen konnte, hatten auch die heimischen Firmen allerlei zu bestellen in dem Turm, in dem seinerzeit im obersten Stock Firmengründer Rolf Demuth residierte.

„Wir hatten fast täglich Blumenlieferungen dorthin“, erinnert sich eine heimische Floristin, und setzt schmunzelnd hinzu: „Und nicht immer funktionierte der Fahrstuhl“. Doch der Glanz verblasste, und nachdem das Unternehmen Mitte April 2007 in die Schieflage geraten war, übernahmen hier andere das Sagen. Die Schieder-Gruppe bestand zu dem Zeitpunkt aus weltweit mehr als 110 Einzel-Gesellschaften. Für eine Restrukturierung sollten 65 Millionen Euro aufgebracht werden, und in der Chef-Etage, eben jenem Büroturm, liefen die Telefondrähte heiß.

Zunächst einmal machte sich daraufhin hier dann Dr. Ulrich Wlecke von der Unternehmensberatung Alix Partners breit, kassierte ein fürstliches Tageshonorar und schaffte es am Ende dennoch nicht, das Kartenhaus vor dem Einsturz zu bewahren.  Die Insolvenzanträge wurden gestellt, und Dr. Wlecke machte Mitte Juni Sven-Holger Undritz von der Hamburger Kanzlei White & Case und dessen Team von Wirtschaftsjuristen im obersten  Stockwerk Platz. Knapp zwei Wochen zuvor war Rolf Demuth wegen Kreditbetruges in Untersuchungshaft genommen worden.

Stand der Geschäftsführung das Wasser bereits bis zum Hals, setzte Mutter Natur noch ein Ausrufezeichen dahinter: Am 21. August 2007 liefen in Lippe nicht nur die Keller voll. Auch der Büroturm auf dem Schieder-Gelände wurde überflutet. Das Wasser stand zwei Meter hoch. Die Feuerwehr Schieder-Schwalenberg musste sogar ein Schlauchboot auf dem Parkplatz einsetzen. Gerade eben konnte das Rechenzentrum noch vor den Fluten gerettet werden, aber die untere Etage des Büroturms musste gründlich renoviert werden. Die Folgen waren verheerend – allerdings nicht für das Unternehmen selbst, sondern für die Eigentümer der Gebäude und deren Versicherung.

Nun hat der Büroturm seit Jahren leer gestanden. Als schließlich aus den Schieder-Möbelwerken die Firma Cotta-Möbel wurde und im Oktober 2010 Steffen Urbschat deren Geschäftsführung und endgültige Abwicklung übernahm, spielte sich dort schon lange nichts mehr ab. Im November 2010 kaufte die Blomberger Firma Phoenix Contact das 100.000 Quadratmeter große Areal – und damit das Bürogebäude. Nun vollzieht der Elektronikhersteller den endgültig letzten Schritt.

An die Stelle, an der das Bürogebäude abgerissen wird, kommt zum einen die Außenanlage des Aus- und Weiterbildungszentrums von Phoenix Contact, an dem gerade mit Hochdruck gearbeitet wird. Zum anderen wird so Platz geschaffen für den Bau von Lkw-Laderampen an den Produktionshallen der E-Mobility GmbH.

Nach Angaben von Eva von der Weppen von der Pressestelle von Phoenix Contact sieht der Zeitplan vor, dass der Ausbildungsbereich des Elektronikherstellers nach den Prüfungen der Auszubildenden Ende Januar/Anfang Februar 2016 mit dem Umzug von Blomberg nach Schieder startet. Die offizielle Einweihungsfeier ist dann für Mitte Juni des kommenden Jahres geplant.

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