Kreis Lippe. Wer von Detmold nach Paderborn juckelt, kommt durch Horn-Bad Meinberg und Schlangen, dann noch ’n Tucken und das Ziel ist erreicht. Ist noch ein Beifahrer dabei, mit dem man auf der Fahrt etwas bekakeln kann, umso besser. 35 Kilometer liegen zwischen den beiden Städten. Sprachlich jedoch Welten. Flötepiepen? Die wundersame Dialektwelt Lippes ist nicht jedem geläufig. Das zeigt sich schon in der LZ-Redaktion. Eine lippische Kollegin fragt typisch lippische Wörter ab, die Kollegin aus Paderborn muss die Begriffe erraten. Viel Vergnügen. Und nein: Ein Bockermann wird nicht auf Stufe 10 geschnitten. Flötepiepen Paderborner Kollegin (PK): Ich kenne das Wort „Flitzpiepe“ also denke ich, dass ein Flötepiepen eine alberne Person ist. Lippische Kollegin (LK): Das ist gar nicht schlecht, aber leider daneben. Sogar sehr weit daneben. Fällt dir noch etwas ein? PK: Naja, wenn ich so auf das Wort schaue, ist da Flöte drin. Dann ist es ein Musikinstrument. Ich spiele die Flötepiepe. LK: Das will ich sehen. Ich erlöse dich: Flötepiepen bedeutet „Von wegen!“. Pölter PK: Ich weiß, dass mal jemand in Pölter vorm Gericht in Lemgo erschienen ist. Da bin ich davon ausgegangen, dass das eine traditionelle lippische Kleidung ist. LK: Ja, so könnte man es auch sagen. Diese traditionelle Kleidung ist allerdings nicht typisch lippisch und wird auch nur zu einer bestimmten Tageszeit getragen. PK: Ah, dann sind es Schlafsachen oder Joggingsachen? LK: Bingo, der Schlafanzug! Bockermann PK: Das muss etwas vom Bäcker sein. Ein deftiges Körnerbrot oder Körnerbrötchen. LK: Also würdest du dir morgens einen belegten Bockermann mit Käse oder einen geschnittenen Bockermann auf Stufe 10 bestellen? PK: Ja, klingt gut, nehm’ ich. LK: Na, dann guten Appetit. Der Bockermann ist der große Zeh! noch ’n Tucken PK: Das ist ein Altbier, das ich mir an der Theke bestelle. „Ich hätte gern noch ’n Tucken, bitte!“. LK: Das ist so weit entfernt wie das Paderborner von gutem Bier. PK: Na, hör mal! LK: Okay, okay, ich lös’ besser schnell auf. „Noch ein bisschen“ ist die richtige Antwort. Latüchte PK: Das sagt man, wenn man etwas ganz entspannt macht. Gestern war es stressig, heute mache ich auf der Arbeit mal ganz latüchte. LK: Herrlich, wir sollten doch alle mal mehr latüchte machen. Ist aber falsch. PK: Dann muss es ein strauchartiges Gewächs sein. Sieh nur, wie schön die Latüchte im Frühling blüht. LK: Wird ja immer besser. Ich sag’s dir: Laterne. inne Dutten PK: Das klingt für mich wie „bis in die Puppen schlafen“. Kann das sein? LK: Könnte man meinen, ist aber falsch. Noch eine Idee? PK: Dann kommt es aus dem Frisör-Handwerk. Man geht „inne Dutten“, wenn eine Hochsteckfrisur frisiert wird. LK: Stark daneben. Inne Dutten sagt man, wenn etwas im Eimer ist, also kaputtgeht. Pimpernellen PK: Den Begriff kenne ich aus meiner Kindheit. Ich glaube, man sagt „ich bekomme die Pimpernellen“. Stimmt das? LK: Das stimmt. Und was denkst du, bedeutet es? PK: Pickel vom Stress bekommen? LK: Nah dran: Ich krieg die Krise, ich verliere die Geduld, dafür nutzen wir hier in Lippe die Pimpernellen. ramentern PK: Als Lipper sage ich nicht, ich habe viel zu tun, sondern ich ramentere rum. Passt das? LK: Schön, dass du die Lipper als so tüchtig einschätzt. Stimmt aber nicht ganz: Ramentern bedeutet lärmen oder rumoren. Pömpel PK: Das ist doch das, was man für die Toilette benutzt. LK: In Lippe nicht. Ich gebe dir einen Tipp: Du findest Pömpel im Straßenverkehr. PK: Ah, dann sind es die orangenen Warnhütchen, die Warnpömpel. Oder die Poller, die aus dem Boden fahren oder hochgeklappt werden, damit keiner in die Straße einfahren kann. LK: Richtiiiiig! schlickern PK: Ich bin geschlickert, als ich aus der Haustür rausgegangen bin, weil es glatt war. Schlickern bedeutet nichts anderes als schlittern. LK: Weit verfehlt. Soll ich auflösen? PK: Nein, warte. Schlickern könnte natürlich auch lästern bedeuten. Tante Ursula schlickert immer gern mit ihren Freundinnen über die nervige Nachbarin. LK: Okay, es wird nicht besser, ich sag’s dir: schlickern bedeutet naschen. Bolchen schlickern, Weingummi schlickern PK: Bol was? LK: Bonbons sind das. Sagen wir hier im Lippischen auch ganz gern. Knust PK: Ist das etwa die Kruste vom Brot, also das Ende? Für mich ist’s die Kruste. LK: Endlich mal eine Punktlandung! Goldrichtig. Und bist du eher so der Typ, der den Knust gern isst oder ihn liegen lässt? PK: Den kann gern jemand anders essen. bekakeln PK: Ganz klar, man bekakelt sich über etwas. Man hat also einen Lachflash. Sich beömmeln quasi. LK: Na, immerhin weißt du, was beömmeln heißt. PK: Dann vielleicht kritzeln? Ich bekakel meinen Block? LK: Nein, viel einfacher: besprechen. Wenn man etwas bekakelt, bespricht oder berät man etwas. Schnotten PK: Das sind dreckige Klamotten. Der Günther, der räumt schon wieder seine Schnotten nicht weg. LK: Schnotten „wegräumen“ ist immer eine gute Idee. Aber falsch. PK: Schnotten ist es Schnodder? LK: Bingo! auf der Schlür sein PK: Wenn ich auf Schlür bin, bin ich auf der Hut. LK: Falsch. PK: Dann schleiche ich auf Zehenspitzen. LK: Es hat eher was mit Freizeitprogramm zu tun. PK: Irgendwie steil gehen am Wochenende? LK: Auch das kann’s sein. Wenn du vergnügungssuchend umherstreunst, dann bist du auf der Schlür. Mauken PK: Ich kenne Käsemauken, also sind das sicher Füße. LK: Richtiiiig! PK: Na, siehste, ganz ahnungslos bin ich auch nicht. LK: Du hast dich wirklich ganz passabel geschlagen. Ich würde sagen, leg dich wieder hin! PK: Wie jetzt, hinlegen? Lustige Galerie: 25 „Wenn du Lipper bist“-Momente zum Durchklicken