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Berlin

Kult-Puzzle "Rubik’s Cube" erlebt Renaissance

Die Rückkehr des Zauberwürfels

Rubik's Cube - immer noch beliebt - © FOTO: NW
Rubik's Cube - immer noch beliebt (© FOTO: NW)

Berlin. Für manch einen ist er ein Relikt aus den 80ern, das einen selbst rückblickend noch zur Verzweiflung treibt: der Zauberwürfel, nach seinem Erfinder auch Rubik’s Cube genannt. Tatsächlich aber sind die genialen Puzzles, die das logische Denken und die Feinmotorik der Hände fördern, nie wirklich von der Bildfläche verschwunden.

In den Medien ist Rubik’s Cube allgegenwärtig. Er gehört nicht nur zur ständigen Deko der Hitserie "The Big Bang Theory". Man entdeckt Zauberwürfel in der Ausstattung vieler großer Hollywoodfilme von "Super 8" über "R.E.D. 2" bis "The Amazing Spider Man". Großartig ist die Würfelszene im Vampirdrama "So finster die Nacht" und dem Remake "Let Me In". Sogar bei Til Schweigers "Keinohrhasen" gehört er zum Inventar.

Manchmal soll der Würfel illustrieren, dass man sich in den 80ern befindet. Viel häufiger aber bringt er zum Ausdruck, dass man es hier mit wirklich klugen Zeitgenossen zu tun hat. 30 Jahre nachdem ihn der ungarische Architekturprofessor Ernö Rubik erfand, um das räumliche Denken seiner Studenten zu fördern, ist die Faszination des magischen Würfels ungebrochen.

Viele neue Varianten
Das geniale Puzzle, das 1980 Deutschlands "Spiel des Jahres" wurde, erlebt eine erstaunliche Renaissance als Denksportgerät. Der Variantenreichtum der verschiedenen Würfel und anderer interessanter Gebilde ist beeindruckend. Der klassische Würfel mit 3 x 3 Feldern pro Seite hat im Laufe der Jahre viele Geschwister bekommen. 2 x 2- bis 7 x 7-Würfel zum Beispiel. Der "Square-1" löst die herkömmliche Würfelstruktur auf, die Megaminx (ein Dodekaeder) und die Pyraminx (eine Pyramide) stellen ebenso besondere Herausforderungen wie die "Rubiks Clock" mit ihren 2 x 9 Zifferblättern, die synchronisiert werden wollen.

Klassische Würfel bis 5 x 5 werden auf Turnieren auch blind enträtselt, der 3 x 3-Klassiker alternativ einhändig oder mit den Füßen. Das Lösen mit so wenigen Zügen wie möglich ist gleichermaßen eine Disziplin wie "Multiple Blindfolded", das Einprägen und anschließende Blindlösen so vieler Cubes wie möglich in Stundenfrist.

Das Lösen des Zauberwürfels hat sich längst zum internationalen Wettkampfsport entwickelt. Die offiziellen Wettbewerbe unter der strengen Aufsicht der 2004 gegründeten World Cube Association (WCA) erlauben es den Würfelgenies, sich mit Athleten aus der ganzen Welt zu messen.

Bei den Turnieren bleibt nichts dem Zufall überlassen

"Speedcuber" nennen sich die Athleten und ihre Zahl wächst weltweit zusehends.  Heute hält der Australier Feliks Zemdegs den Weltrekord – mit durchschnittlichen 6,54 Sekunden. Bei den Turnieren bleibt nichts dem Zufall überlassen. Damit jeder Teilnehmer mit denselben Voraussetzungen ins Rennen geht, werden alle Würfel eines Durchgangs auf identische, von einem Computeralgorithmus vorbestimmte Weise in Unordnung gebracht (gescrambelt).

Ein Kampfrichter bringt den Würfel abgedeckt an den Platz des Kandidaten. Nachdem der Deckel gelüftet ist, hat dieser 15 Sekunden Zeit, das Dilemma zu begutachten, den Würfel vor sich abzulegen und mit dem Auslösen der Stoppuhr den Lösungsvorgang zu beginnen. Jedes einzelne Ergebnis wird dokumentiert und abgezeichnet.

In Internetforen wie www.speedsolving.com oder www.speedcubers.de wird eifrig aus dem Nähkästchen geplaudert. Kaum einer behält neue Erkenntnisse, Taktiken und Algorithmen für sich, die Szene ist eine sehr kameradschaftliche. Neben der Hilfsbereitschaft dominiert der gleiche Sinn für schrägen Humor.

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