Deutlich intensiver als die öffentlichen betreiben private Hochschulen aktives Marketing. Abiturienten des Doppeljahrgangs etwa boten sie einen zusätzlichen Studienstart im Juli an. Motto: "Immer schneller, immer früher, immer besser qualifiziert sein." Die Abschaffung der Studiengebühren an den staatlichen Hochschulen hat das Geschäft der Privaten nicht befördert. "Sie stehen stark im Begründungszwang, warum ein kostenpflichtiges Studium bei ihnen gut angelegtes Geld ist", sagt CHE-Experte Müller.
Staatliche Hochschulen beobachten die private Konkurrenz nicht ohne Argwohn. Hinter vorgehaltener Hand wird schon mal die Qualifikation der Lehrenden angezweifelt oder darauf hingewiesen, dass bei den Privaten die Forschung eher unterentwickelt sei. Diese Vorwürfe kontern die Privaten mit dem Verweis darauf, dass sowohl ihre Hochschulen als auch jeder Studiengang ebenso wie bei den staatlichen Hochschulen eine Überprüfung durch die Stiftung für Akkreditierung durchlaufen müssten.
Die Herausforderung durch die privaten Mitbewerber haben die öffentlichen Einrichtungen erkannt. "Durch die privaten Hochschulen ist ein neues Wettbewerbselement im Hochschulbereich eingeführt, dem sich die staatlichen Hochschulen stellen müssen", heißt es in einem Grundsatzpapier der Fachhochschulen. Gefordert werden eine bessere Vermarktung der eigenen Leistungen und eine Optimierung der Organisation des Studiums, so dass es "in planbaren Zeiträumen abgeschlossen werden kann".
Die neu aufgeflammte Diskussion über die hohen Abbrecherquoten an staatlichen Hochschulen zeigt, dass man dabei kaum weitergekommen ist. "Studierende sind sensibel dafür, ob sie lediglich als Last empfunden oder mit offenen Armen empfangen werden", sagt Müller. An staatlichen Hochschulen gebe es immer noch Professoren, "die eher widerwillig ihrer Lehrverpflichtung nachkommen und sich durch Studierende von der geliebten Forschung" abgehalten sähen. Da die Privaten von den Studierenden lebten, setzten sie sich in der Regel auch für sie ein, sagt Müller.
"Durch unsere Kontakte zu den Betrieben in der Region kennen wir die Bedarfe der Wirtschaft. "Wir können natürlich unseren Studierenden kein Jobversprechen machen", sagt FHM-Rektorin Anne Dreier. Die letzte Absolventenstudie habe aber gezeigt, dass 95 Prozent der Absolventen nach durchschnittlich 2,8 Monaten "gute Jobs" gefunden hätten.