Bielefeld. Private Hochschulen sind im Aufwind – trotz hoher Studiengebühren. Sie werben mit ansprechenden Argumenten wie individueller Betreuung, moderner Ausstattung, geringen Abbrecherquoten, Berufs- und Praxisbezug sowie engem Kontakt zur Wirtschaft. Auch ein Berufseinstieg direkt nach dem Studium scheint meist kein Problem zu sein.
Mit Elitehochschulen wie Harvard, Princeton oder Yale in den USA haben die Privaten in Deutschland nichts zu tun. Das wollen sie auch nicht. Ihr Geschäftsmodell ist ein anderes. Sie bieten bessere Lernbedingungen als an öffentlichen Hochschulen und lassen sich das bezahlen. Viele junge Menschen in Ostwestfalen-Lippe finden das Angebot attraktiv. So studieren derzeit rund 2.500 junge Leute an der Bielefelder Fachhochschule des Mittelstands (FHM) mit ihren verschiedenen Standorten quer durch Deutschland.
Je nach Studiengang zahlen sie 295 bis 595 Euro Studiengebühr – pro Monat. Mit 210 Euro sind Fernstudienangebote, die Fortbildung parallel zur Berufsausübung ermöglichen, geringfügig preiswerter. "Wir bewegen uns damit bei den Gebühren im Mittelfeld der Privathochschulen", sagt FHM-Geschäftsführer Richard Merk. Angesichts hervorragender Jobinitiativen nähmen die Studierenden dies in Kauf. Wohl eher die Eltern, denn "90 Prozent studieren nach dem ostwestfälischen Modell bei uns", sagt Merk. Das heißt nichts anderes, als dass Eltern oder Großeltern das Studium bezahlen. Weitere 10 Prozent nehmen Studienkredite auf.
Geboten wird an der FHM eine "familiäre Atmosphäre" in kleinen Lerngruppen, die die staatlichen Hochschulen selbst vor Jahrzehnten nicht anbieten konnten. An den Unis beträgt die Relation Professor zu Student 1:70; auch an öffentlichen Fachhochschulen liegt sie mit 1:50 klar über der der Privatanbieter.
"Privathochschulen spezialisieren sich häufig auf Bereiche, die von staatlichen Hochschulen vernachlässigt werden", sagt Ulrich Müller vom Gütersloher Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Gezielt deckten sie Bedarfe ab, die diese nicht aufgriffen. "Private sind dann erfolgreich, wenn sie Nischen nutzen oder neue Angebote schaffen", so Müller.
Die Bielefelder FHM ist dafür ein hervorragendes Beispiel. Mit drei Studiengängen (BWL, Medienwirtschaft und Wirtschaftsinformatik auf Di-plom) war man 2000 gestartet. Aktuell werden 33 Studiengänge mit den Abschlüssen Bache-lor, Master oder Master of Business Administration angeboten. Seit Gründung der FHM liefen nur 4 aus oder floppten.