Urteil nach Moscheebränden in Bielefeld

Täter muss wegen schweren Diebstahls und Sachbeschädigung 18 Monate in Haft

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Vor verbrannten Koranbüchern: Der Vorsitzender des Islamrates, Ali
Kizilkaya, erläuterte den Medien im August die Folgen des Anschlags. - © Wolfgang Rudolf
Vor verbrannten Koranbüchern: Der Vorsitzender des Islamrates, Ali Kizilkaya, erläuterte den Medien im August die Folgen des Anschlags. (© Wolfgang Rudolf)

Bielefeld. Als am 11. und 19. August in zwei Bielefelder Moscheen innerhalb von wenigen Tagen Feuer gelegt wurde und Koranschriften verbrannten, da befürchteten Muslime in ganz Deutschland eine neue Welle politisch motivierter Anschläge auf ihre Gebetshäuser. Der Mann, der ihnen Angst und Schrecken eingejagt hatte, stand am Mittwoch vor dem Bielefelder Amtsgericht.

Die Verhandlung war kurz. Es waren auch nur drei Zeugen, eine Bewährungshelferin, zwei Sicherheitsbeamte und ein Pressevertreter im Zuhörerraum, als die Amtsrichterin Ingrid Kohls ihr Urteil gegen Manuel L. (33) verkündete: Anderthalb Jahre Freiheitsstrafe wegen schweren Diebstahls in Tateinheit mit Sachbeschädigung durch Feuer. So hatte es auch die Vertreterin der Staatsanwaltschaft beantragt. Wie die Verteidigung verzichtete sie auf Rechtsmittel. Das Urteil, mit dem auch ein Haftbefehl verkündet wurde, ist damit bereits rechtskräftig.

Es sei "ein hoher immaterieller Schaden entstanden", weil die religiösen Gefühle vieler Menschen verletzt wurden, sagte die Richterin. Der Angeklagte sagte in seinem Schlusswort, es tue ihm leid, was er den Muslimen angetan habe, es sei ihm bei der Tatbegehung aber "nicht bewusst" gewesen. Ansonsten sagte Manuel L. nicht viel. Er ließ lieber seinen Anwalt, Lutz Klose, sprechen.
DNA-Spuren überführten den Täter

Manuel L. ist ein großer Mann mit breiten Schultern und schwarzen Haaren. Er ist drogenabhängig, arbeitslos, vorbestraft und lebt von Hartz IV. Seit dem 15. September saß Manuel L. in Untersuchungshaft. An diesem Tag war er erwischt worden, nachdem er in eine Bielefelder Tankstelle eingebrochen war und dort Zigaretten im Wert von 165 Euro gestohlen hatte. L. stand unter Bewährung. Zuletzt war er wegen Diebstahls mit Waffen und wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden.

Weil in den beiden Moscheen DNA-Spuren sichergestellt worden waren, kam die Polizei Manuel L. auch in Bezug auf die dort begangenen Straftaten auf die Schliche. Er legte ein aus Sicht des Gerichtes glaubhaftes Geständnis ab. Danach ist Manuel L. in den frühen Morgenstunden des 11. August in die Räume des Türkischen Kulturvereins an der Detmolder Straße eingedrungen, um etwas zu stehlen. Er fand allerdings nur fünf Euro Bargeld in einer Kassette.

Aus Verärgerung über die geringe Beute nahm er im Gebetsraum mehrere Korane aus einem Regal und zündete sie an. Das Feuer breitete sich im Raum aus und richtete etwa 10.000 Euro Schaden an. Ähnlich ging der Täter am 19. August in einer anderen Moschee an der Herforder Straße vor - hier erbeutete er nichts und steckte ebenfalls einen Bücherstapel an. Es entstand 5.000 Euro Sachschaden. Das Gericht schenkte der Einlassung des Angeklagten Glauben, wonach er "die Gebäude an sich nicht zerstören" und mit dem Feuer auch keine Menschen gefährden wollte. Die Straftaten wurden deshalb als Sachbeschädigung und nicht als schwere Brandstiftung gewertet.

"Liegt bei solchen Taten nicht ein radikaler Hintergrund nahe?" Das fragte die Richterin. L. schüttelte den Kopf. "Nee", sagte er. Sein Mandant habe an Tagen der offenen Tür Moscheen besucht und sich dort Beute versprochen, sagte Verteidiger Klose. Die Polizei hatte in der Wohnung des Täters bei einer Durchsuchung in einer alten Kiste auf verstaubten Zetteln "Kritzeleien von Hakenkreuzen" gefunden.

Der Beschuldigte trug den Thorshammer als Amulett. Nach Angaben seiner Bewährungshelferin ist er auch einmal auf einer Veranstaltung der rechtspopulistischen Partei "Pro NRW" gewesen. Trotzdem gingen alle Prozessbeteiligten am Ende fest davon aus, dass hier eine "Persönlichkeit der allgemeinen Kriminalität" am Werk war. Belege dafür, dass Manuel L. Freunde im rechtsradikalen Milieu besitzt, hätten sich "in seiner gesamten Biografie nicht gefunden", sagte ein Polizist im Zeugenstand.

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