Bielefeld. Polizist werden? Jannes schüttelt den Kopf. "Zu viel Arbeit", antwortet der Sechsjährige. Das ist dem Jungen bereits klar, bevor die Vorführungen zum Tag der offenen Tür im Präsidium beginnen. Tausende von Besuchern sind gekommen.
"Guck mal, Paula, wenn's blitzt, ist das Auto zu schnell", erklärt ein Vater seiner Tochter die Geschwindigkeitsmessung auf dem Parkplatz. Doch Blitze interessierten das Mädchen weniger. Pferde will es sehen. Große, starke Pferde, die Polizeistaffel aus Dortmund. Sie hören auf die Namen Belmore, Focus, Paul und Floriano und demonstrieren unter Anleitung ihrer Reiter, wie Einsätze bei Großdemonstrationen und Fußballspielen ablaufen.
Als später der Hubschrauber auf dem Gelände an der Kurt-Schuhmacher-Straße einschwebt, ändert der Besucherstrom die Richtung. In den Helikopter einsteigen und Platz nehmen - für viele Väter und ihre Söhne erfüllt sich ein Herzenswunsch.
Eine Gefängniszelle aufzusuchen, ohne befürchten zu müssen, dass die Tür von außen verriegelt wird - diese einmalige Gelegenheit nutzen viele Familien meist gemeinsam. Dort erfahren sie: Wer zur Ausnüchterung eingeliefert wird, kommt in einen gekachelten, leeren Raum mit WC. Zusätzlich mit einer plastikumspannten Liege ausgestattet sind sogenannte
K-Zellen, Kriminalpolizeizellen. Eingesperrt wird dort, wer bei einer Straftat ertappt und festgenommen wird.
Dabei kommen häufig Handschellen zum Einsatz. Wie sich die metallischen Ringe am Handgelenk anfühlen, können die Besucher im Selbstversuch testen.
Für Gänsehaut sorgt die Geiselbefreiung vor dem Haus. Ein vermummter Entführer gerät mit seinem Auto und der Geisel auf dem Nebensitz in die Falle der Polizei, wird von deren querstehenden Auto zum Stopp gezwungen. Gleichzeitig seilen sich Beamte des Sondereinsatzkommandos vom Dach des Präsidiums ab. Sie umstellen den Pkw und befreien die Frau unter dem Lärm explodierender Feuerwerkskörper.
Ausgleich zum Nervenkitzel bietet die Ausstellung unterschiedlicher Polizeifahrzeuge. Der mächtige, blaue Wasserwerfer hat beide Türen weit geöffnet, auch der grün gestrichene Sonderwagen zieht die Zuschauer an. Zwei Polizeiautos aus Connecticut mit eingeschaltetem Alarm erinnern an aus US-Krimiserien. Ihr Besitzer Christian Schluff und Sohn Nico tragen dazu stilecht die Uniformen der Cops. Schluff arbeitet in Lünen als Schreiner. Amerikanische Polizeiautos sind sein Hobby. Er importiert sie direkt aus den USA.
"Pommes oder Pferde?", fragt eine Mutter ihr Söhnchen wenige Schritte weiter. "Pferde", kräht der Kleine und zeigt auf Floriano, den Wallach. Die Reiterstaffel verweilt nach ihrer Schau noch eine Weile am Rand der Aktionsfläche - bereit, ein letztes Mal gestreichelt zu werden.