Bewegend war auch die Vorführung der beiden Akrobaten von „Carré Curieux, Cirque Vivant“ aus Belgien, die auf dem Holzmindener Kirchplatz eine tänzerische Erzählung darboten. Auf einer runden Holzbühne präsentierten sie ein 360-Grad-Stück mit und an einem freien chinesischen Mast und bewiesen eine akrobatische Meisterleistung, die jedoch durch die präzise Körpersprache der Darsteller, die ausdrucksstarke Mimik und die perfekt aufeinander abgestimmten Bewegungsabläufe über die reine Zirkusdisziplin weit hinausreichte: Auf ihrer Bühne war das Risiko immer präsent – die Stange drohte beim Hinaufklettern zu kippen oder den anderen zu erschlagen. Immer wieder wurde scheinbar um Gleichgewicht gerungen und man misstraute sich anfangs. Das Misstrauen wurde ganz allmählich überwunden. Am Ende stand die Erkenntnis, dass man ohne den anderen nichts anfangen kann, dass man zusammen aber vieles erreichen kann. Was die beiden Schauspieler von Carré Curieux boten, war Akrobatik mit unglaublicher Leichtigkeit, durchwachsen von Ironie und vor allem war sie äußerst elegant und voller Poesie. Nicht umsonst wurde die Gruppe von den Zuschauern zum Sieger in der Kategorie „mobiles und flexibles Straßentheater“ gewählt.
Das Theater Anu aus Berlin, die Sieger in der Kategorie „großes Open-Air-Theater“, hat mit einer surrealen, mystisch-sinnlichen und leisen Inszenierung im Kaufmannsgarten überzeugt. Während der zweieinhalbstündigen Installation waren die Bäume des Parks in warmes Licht getaucht und brennende Schuhe wiesen den Besuchern den Weg durch den Park zu verschiedenen Stationen. An den Stationen gab es neben Ton- und Klangcollagen, Skulpturen und Projektionen auch ein Schattentheater, das mit zeitgenössischem Tanz und Bewegungskunst verbunden war. Zwischen den Bäumen waren Seile aufgespannt, die in ihrer Gesamtheit an ein neuronales Netz erinnerten. Aus den Knotenpunkten der Seile, den „Synapsen“, kamen verschiedene Klänge – auch ein riesiger Kokon schwebte über den Köpfen der Besucher. Die Inszenierung des Theaters heißt „Ovids Traum – Im Garten der Wandlungen“.
Das Theater Pikante aus Deutschland präsentierte „Geier auf Höhenflug“. In dem Stück – es war die Uraufführung des Theaterensembles – warten drei auf einem mobilen Sarg thronende Geier auf einen schmackhaften Leckerbissen. Überzeugt hat das Theater Pikante vor allem durch die aufwändige Kostümierung und die große Nähe zum Publikum.