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Holzminden

50.000 Besucher bei Straßentheaterfestival

Holzminden. Die Straßen und Plätze Holzmindens haben sich über das Pfingstwochenende in eine einzige große Theaterbühne verwandelt. 19 Theaterensembles oder Einzelkünstler aus Belgien, Frankreich, den Niederlanden und Deutschland präsentierten auf dem 13. Internationalen Straßentheaterfestival ihre Stücke. Insgesamt 56 Aufführungen gab es zu sehen, darunter waren vier Deutschlandpremieren und zwei Uraufführungen.

Das Programm setzte sich aus mobilem und flexiblem Straßentheater und spektakulären Inszenierungen großer Open-Air-Theaterstücke zusammen. Walk-Acts und Paraden sorgten wie immer für viel Bewegung der Zuschauermassen. Stolze 50.000 Besucher kamen nach Schätzungen des Organisationskomitees in diesem Jahr in die Stadt, um die Vielzahl der künstlerisch anspruchsvollen Produktionen zu erleben.

Die Besucher konnten für die besten Stücke ihre Stimmen abgeben – eine für die Künstler aus der Gruppe „mobiles und flexibles Straßentheater“ und eine für die Künstler aus der Gruppe „großes Open-Air-Theater“. Die Publikumspreise gingen an das Theater Anu mit dem Stück „Ovids Traum“ und an die Akrobaten von Carré Curieux mit „Entre nous“.

Deutschlandpremiere hatte unter anderem die „Cie. Du Petit Monsieur“ mit dem Stück „Deux Secondes“. Paul Durand als „Petit Monsieur“ bekam nach seiner Vorführung jubelnden Beifall. Das urkomische Stück des Franzosen beginnt mit einer harmlosen Kiste, auf der die warnenden Worte „Do not open“ zu lesen sind. Natürlich kommt, was kommen muss: Paul Durant, in viel zu engem schwarzen Anzug, mit roter Krawatte und roten Socken bekleidet, kann der Verlockung nicht widerstehen, die Kiste zu öffnen. Und was passiert, wenn man die Büchse der Pandora öffnet? Bei Durant jedenfalls springt ein Wurfzelt heraus. Wurfzelte sind bekannt für ihren sensationell einfachen und sekundenschnellen Aufbau. Was aber alles beim Versuch, ein solches Zelt wieder einzupacken, schief laufen kann, das zeigte Durand in einem eindrucksvollen Spiel mit ungeheurer Situationskomik, die maßgeblich durch seine grandiose Pantomime erzeugt wurde. Im Publikum flossen die Lachtränen in Strömen.

Tragisch und komisch zugleich war die Inszenierung „René Renait – Fable Urbaine“ des Künstlers Patrick Geslin, der mit der „Cie. Tout est son contraire“ sein erstes Solo präsentiert. In seinem Stück spielt er einen Obdachlosen, der neben einer öffentlichen Müllhalde in seiner ganz eigenen Welt lebt. Als eines Tages ein altes Radio inmitten des Abfalls auftaucht, verändert sich sein Leben: Das Radio bringt René Renait in die Außenwelt zurück und er erinnert sich langsam wieder an seine Träume, seine Wünsche und seine gescheiterten Liebesbeziehungen.

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