Bielefeld. Die Arbeitgeber wollen ihn so schnell wie möglich loswerden. Für Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) ist nicht daran zu rütteln. Um den Acht-Stunden-Regelarbeitstag ist eine Debatte entbrannt, die auch unter Wirtschaftsvertretern in der Region geführt wird.
Wegen des digitalen Wandels fordert die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) die Bundesregierung in einem Positionspapier auf, den Achtstundentag aus dem Arbeitszeitgesetz zu streichen. "Das Arbeitszeitgesetz sollte von einer täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit umgestellt werden, um mehr Spielräume zu schaffen und betriebliche Notwendigkeiten abzubilden", bekräftigt Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer die in dem Papier formulierten Forderungen. Denn Arbeitszeitkonzept und Arbeitswirklichkeit passen nach Ansicht der deutschen Wirtschaft nicht mehr zusammen.
- Der Achtstundentag war eines der ältesten Anliegen der Arbeiterbewegung.
- Die Degussa war 1884 das erste deutsche Unternehmen, das den Achtstundentag einführte. Seit 1918 ist er gesetzlich vorgeschrieben.
- Das Arbeitszeitgesetz von 1994 erlaubt eine Ausdehnung auf zehn Stunden, sofern der Achtstundentag langfristig eingehalten wird.
"Wir müssen den Betrieben und Beschäftigten mehr Gestaltungsfreiheit geben", sagt auch Carsten Linnemann. Der CDU-Bundestagsabgeordnete aus Paderborn und Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der Union ist sich sicher, dass nur so die Chancen der Digitalisierung genutzt werden können. Und das nicht zum Schaden der Arbeitnehmer: "Warum verbieten wir etwa dem jungen Familienvater, nachmittags zu Hause bei den Kindern zu sein, wenn er sich im Gegenzug dafür am Abend noch einmal an den Laptop setzt?", fragt er. Es brauche neue Regeln für Arbeits-, Pausen- und Bereitschaftszeiten.
Langfristig ein Auslaufmodell
Christoph von der Heiden, Geschäftsführer der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld, stimmt dem zu. Langfristig sei der Achtstundentag ein Auslaufmodell. Doch was stattdessen am sinnvollsten sei, müsse sich erst noch zeigen. "Im Moment ist noch nicht klar, wie sich die Digitalisierung im Detail auf die Arbeit auswirken wird."
Flexibilität bei der Abstimmung der Arbeitszeiten und den Formen der Beschäftigung sei schon jetzt gang und gäbe, sagt von der Heiden. Die Arbeitswelt werde immer individueller. "Das drückt sich auch in den vielen Minijobs aus, die sich mittlerweile entwickelt haben."
Die Bundesarbeitsministerin will trotz des Drucks aus der Wirtschaft das Arbeitszeitgesetz nicht überarbeiten. Oder zumindest nicht sofort. Ein "Weißbuch" sei jedoch in Arbeit, teilte ihr Ministerium mit. In dem sollen Ende 2016 die Ergebnisse einer Debatte über die Arbeitswelt im digitalen Zeitalter vorgestellt werden. Auf der Grundlage könne dann beraten werden, wo gesetzlicher Änderungsbedarf bestehe. Im Übrigen sei der Achtstundentag schon heute nicht mehr so ehern, hieß es. Ausnahmen sind längst Regel.