Busfahrer lässt in Enger Schulkind stehen

Einer 12-Jährigen wird Fahrt nach Hause verweigert

Benedikt Schülter

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Haltestelle: Ein Busfahrer ließ eine Schülerin stehen, weil sie ihr Busticket nicht vorweisen konnte. - © Andreas Sundermeier
Haltestelle: Ein Busfahrer ließ eine Schülerin stehen, weil sie ihr Busticket nicht vorweisen konnte. (© Andreas Sundermeier)

Nicole Zuhl aus Hücker-Aschen ist sauer. Die 32-jährige Spengerin ist wütend auf einen Busfahrer der Linie 464, der ihre Tochter Xenia-Alara in der letzten Woche einfach an der Bushaltestelle am Schulzentrum Enger stehen ließ.

Die Realschülerin konnte wohl auf die Schnelle ihren Fahrschein nicht rechtzeitig vorzeigen. „Ich wollte einfach nur nach Hause. Doch der Busfahrer hat gesagt, dass ich ohne Ticket nicht mitfahren darf", sagt die 12-Jährige.

Dabei hätte sie dem selben Fahrer am Morgen noch ihr Ticket vorgezeigt, sagt sie. Auch das Alter der Schülerin hätte den Fahrer wohl nicht interessiert. Danach habe er sie auch gar nicht gefragt, berichtet Xenia. Sie hätte ihre Mutter anrufen müssen, damit sie überhaupt nach Hause kommen konnte. „Meine Tochter hat mich völlig aufgelöst informiert. Sie hat bitterlich geweint", sagt Nicole Zuhl.

Busfahrer zur Rede gestellt

Auch ihr Mann Mario ärgert sich darüber, dass seine Stieftochter nicht mitgenommen wurde. „Das sind fünf Kilometer die Xenia zu Fuß hätte gehen müssen – und dann auch noch an einer viel befahrenen Straße entlang", sagt Zuhl. Er habe sich, nachdem sich seine Frau auf den Weg Richtung Enger gemacht habe, sofort an die Bushaltestelle gegenüber der Wohnung der Familie gestellt und auf den Busfahrer gewartet. Den habe er dann auch zur Rede stellen können. Doch der habe nur darauf verwiesen, dass er niemanden mitnehmen würde, der keine Karte dabei habe.

„Ihn hat anscheinend auch nicht interessiert, dass Xenia bereits am Morgen Richtung Schule gefahren ist. Und ansonsten auch immer diesen Bus nimmt – mit gültigen Ticket", sagt Mario Zuhl.

Grundsätzlich müssen Kinder unter 14 Jahren mittags von der Schule mit nach Hause genommen werden, sagt ein Sprecher der Deutschen Bahn, die zuständig für das Tochterunternehmen Busverkehr Ostwestfalen (BVO) ist. „Unabhängig davon, ob das Kind ein Ticket vorzeigen kann, oder nicht", so der Sprecher.

Missverständnis vermutet

Eigentlich müsse sich der Fahrer in solchen Fällen den Namen des Kindes notieren und mitteilen, dass der Fahrschein am nächsten Tag vorgezeigt werden muss. Die Fahrer würden auf ihre besondere Sorgfaltspflicht stets hingewiesen. Der Sprecher vermutet hinter der aktuellen Geschichte ein „kommunikatives Missverständnis".

Einige Kinder seien mittags so gestresst, dass sie, wenn sie ihr Ticket nicht direkt fänden, sofort und ohne direkte Aufforderung, den Bus verlassen würden.

Direkt zu diesem Fall könne er aber nichts sagen, da Xenias Busfahrer, der für ein Auftragsunternehmen der BVO arbeite, derzeit im Urlaub sei. Dass es sich um den selben Fahrer handele, der Xenia bereits am Morgen zur Schule befördert habe, könne er nach jedoch ausschließen.

Kommen solche Fälle, wie der von Xenia denn hier häufiger vor? Nachfrage in der Schule der Spengerin: Ein grundsätzliches Problem sei dort nicht bekannt. „Eigentlich höre ich davon das erste Mal", sagt die stellvertretende Leiterin der Realschule, Beatrix Diel. Außerdem würden an den beiden angrenzenden Haltestellen auch immer ein Lehrer zur Beaufsichtigung der Schüler eingeteilt.

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