Enger. Ein Engeraner Unternehmer soll eine Auszubildende sexuell genötigt haben. Der Vorfall schlägt auch deshalb Wellen, weil sich inzwischen die Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwestfalen eingeschaltet hat.
Der Unternehmer, so lautet der Vorwurf, soll die Auszubildende aufgefordert haben, während eines Messebesuchs ein Hotelzimmer mit ihm zu teilen und sich bei Terminen mit Lieferanten freizügiger zu kleiden. Außerdem soll er ihr wiederholt an die Brust gefasst haben. Die Frau sagt auch, dass er ihr klargemacht habe, sie könne nur etwas werden, wenn sie sich privat mit ihm treffe.
Die junge Frau erstattete Anzeige bei der Polizei in Herford und wandte sich an die IHK. Die Kammer vermittelte die Abiturientin in einen anderen Ausbildungsbetrieb. Gleichzeitig untersagte sie dem Geschäftsführer des mittelständischen Familienbetriebs bis auf weiteres, neue Azubis einzustellen. „In unserem Internetportal", so IHK-Geschäftsführer Swen Binner, „ist der Ausbildungsbetrieb inzwischen als inaktiv gekennzeichnet." Das juristische Vorgehen werde geprüft.
Auch die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat den Fall inzwischen geprüft. Allerdings sah die zuständige Amtsanwältin von einer Anklage ab, weil der Beschuldigte „nicht vorbelastet und das Arbeitsverhältnis inzwischen aufgelöst gewesen" sei, bestätigte Staatsanwalt Christoph Mackel gegenüber dieser Zeitung. Sie habe stattdessen das Verfahren gegen die Auflage einer Zahlung von je 1.500 Euro an das Frauenhaus Bielefeld und die frühere Auszubildende eingestellt.
Für die Auszubildende ist der Ausgang des Verfahrens „sehr enttäuschend. Ich bin ja nicht die Erste, der so etwas in dem Betrieb passiert ist", sagt sie im Gespräch mit dieser Zeitung. Sie selbst wisse von mindestens zwei weiteren Betroffenen. Wie ernst die IHK die Vorwürfe nimmt, zeigt die Tatsache, dass der Betrieb regelmäßig vom Ausbildungsberater der Kammer kontrolliert wird – denn in dem Unternehmen arbeiten drei weitere weibliche Auszubildende.