Bielefeld. Die Nachwuchsstiftung des Vereins Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW), die ihre Wurzeln und ihr operatives Geschäft in Bielefeld hat, bekommt mächtigen Rückenwind. Der große Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA, gut 3.000 Mitgliedsunternehmen) beteiligt sich zu 50 Prozent an der Stiftung, um die Ausbildung von qualifizierten Nachwuchskräften weiter voranzutreiben.
Mit einem Festakt wird die neue Nachwuchsstiftung Maschinenbau am 9. Mai in Bielefeld gefeiert. „Wir reden nicht nur über berufliche Bildung, sondern wir tun auch etwas dafür", sagt Peter Bole, Leiter der VDW-Nachwuchsstiftung GmbH in Bielefeld. Der VDW (120 Mitgliedsunternehmen, 69.000 Beschäftigte) hatte die Nachwuchsstiftung 2009 in Frankfurt gegründet und das operative Geschäft in Bielefeld auf dem Gelände des Werkzeugmaschinenbauers DMG Mori (damals DMG) angesiedelt.
Initiator war Bole, der 36 Jahre bis Ende 2008 bei DMG (vormals Gildemeister) gearbeitet hat – anfangs als Ausbilder, zuletzt als Leiter der Personalentwicklung – und die DMG Mori Akademie aufgebaut hat. Berufsschullehrer hätten zehn Jahre lang nichts von der technologischen Weiterentwicklung der Branche gehört, begründet Bole (68) sein Engagement.
Der Nachwuchs habe an alten Maschinen in Berufsschulen gelernt. In ihrer achtjährigen Arbeit habe die Stiftung viel bewirkt und gemeinsam mit einem Team von Berufsschullehrern und Ausbildern viele Projekte mit berufsbildenden Schulen und Ausbildungswerkstätten auf den Weg gebracht. „290 der bundesweit 450 Berufsschulen, die in der rechnergestützten Fertigung ausbilden, haben in neueste Technologien investiert." Insgesamt zwölf Millionen Euro habe die Stiftung eingesammelt (je zur Hälfte vom VDW und von Fördermitgliedern).
Bis zum Jahresende hätten insgesamt 6.000 Ausbilder und Berufsschullehrer an Fortbildungen teilgenommen.
„Wir haben das große Glück, dass wir bei DMG Mori wissensmäßig in Schatztruhen greifen können", sagt Bole. In Bielefeld hat die Stiftung auch ihre eigene Entwicklungsabteilung für moderne Lehrmaterialien. Lehrer und Ausbilder bekämen zudem bei DMG Einblick in die Praxis.
„Wir müssen den Technologietransfers in die berufliche Bildung übertragen", fordert Bole. Dabei verweist er auch auf die Herausforderungen der Digitalisierung („Industrie 4.0"). Für die Fachkraft für digitale Fertigungsprozesse (eine Zusatzausbildung) seien neue Projekte für berufliche Bildung nötig. Dabei gehe es um die Frage: „Was muss diese Fachkraft können?" Seit Jahresanfang ist der VDMA an der VDW-Nachwuchsstiftung beteiligt, die derzeit zehn Fördermitglieder und 42 Projektpartner hat.
Boles guter Draht zu VDMA-Präsident Carl Martin Welcker, der damals VDW-Vorsitzender war, war auch für diesen Schritt der Grundstein. „Damit öffnen sich weitere Tore der Unterstützung", sagt Bole, der sich künftig nur noch um die strategische Entwicklung kümmern und weitere Partner ins Boot holen will.
Mit der neuen Trägerschaft wird neben Bielefeld ein zweiter operativer Standort bei Stuttgart aufgebaut. Nun gehe es verstärkt auch um die Qualifizierung von Beschäftigten von Kunden der Werkzeugmaschinenbauer. „Das sind oft kleinere Mittelständler." Bole fordert: „Wir müssen uns stärker auch um die Qualifizierung von ungelernten Beschäftigten kümmern."