Bad Lippspringe. 39 Prozent - so viele Unternehmen in der Ostwestfälischen Tourismusbranche meinen, die Digitalisierung würde keinen Einfluss auf sie haben. Doch "wer im Internet heute nicht gefunden wird, dem bleiben die Kunden aus", sagt Referent Karsten Heinsohn von der dwif-Consulting Tourismusberatung. Heinsohn referiert auf dem 12. Teutoburger Wald Tourismustag der Ostwestfalen-Lippe GmbH in Bad Lippspringe. Der Geograf stellt in seinem Vortrag "Von digitaler DNA und neuen Spielregeln" Ergebnisse einer Umfrage der Sparkassen vor.
Im Kongresszentrum über der Quelle der Lippe haben sich 160 Menschen aus tourismusnahen Geschäftszweigen versammelt, um sich über Marketingstrategien und technische Möglichkeiten der Digitalisierung zu informieren.
Das Programm "Mein Teuto", für das mobile Telefon, zeigt Wanderrouten rund um den Teutoburger Wald an.
Der Nutzer kann eingeben, wo er wandern möchte. Darauf erhält er eine Liste mit Wegen.
Strecken-Länge, Schwierigkeitsgrad, Höhenprofil und Einkehrmöglichkeiten werden aufgezeigt. Nach diesen Kriterien kann der Nutzer eine Wanderkarte auswählen.
Falls unterwegs kein Internet verfügbar ist, lassen sich vorher alle Daten auf dem Telefon speichern.
Zusätzlich gibt es Informationen zu Fahrplänen und Fotos zur Voransicht.
Ein Nachrichten-Service dieser Zeitung und Veranstaltungshinweise sind eingebunden.
Die Smartphone-App lässt sich kostenlos herunterladen. (vit)
"Die Branche muss ihre Gäste genau kennen"
"33 Prozent der Unternehmen empfinden die Digitalisierung ihres Betriebs als ungenügend", so Heinsohn. Um sich zukunftsorientiert aufzustellen, sei mehr als eine Internetseite nötig: "Die Branche muss ihre Gäste genau kennen, um den Bedürfnissen gerecht zu werden." Das heißt zu wissen, welcher Kunde wert auf digitalisierte und automatisierte Buchungs- und Eincheckvorgänge legt und wer persönlichen Service wünscht.
In Teilen reagiert das Gewerbe schon auf solche Vorlieben: Es werden "Digital Detox"-Urlaube angeboten, bei denen es keinerlei Möglichkeit gibt, sich mit dem Internet zu verbinden. Auf der anderen Seite gibt es schon voll automatisierte Hotels - dort checkt der Reisende per Tablet-Computer ein und regelt alle elektrischen Geräte (beispielsweise Lampen und Klimaanlage) in seinem Zimmer ebenso über ein Tablet. Auch Essen und Getränke werden digital bestellt.
"Durch eine Anzeige auf einem Dienst-Tablet weiß zum Beispiel die Bedienung hinter der Bar, welches Getränk der Gast aus einem bestimmten Zimmer am liebsten trinkt und kann gezielt darauf eingehen", sagt Heinsohn. Eine völlige Technisierung des Tourismus wird es laut der Umfrage jedoch nicht geben: "Immer wenn es um den Bereich Service geht, wünschen sich Gäste Kontakt zu anderen Menschen." Beispielsweise bei Reklamationen oder Wellness-Anwendungen.
Wanderurlauber nutzen digitalisierte Angebote deutlich seltener: "Zwei Drittel buchen ihren Wanderurlaub per Telefonanruf", sagt Erik Neumeyer, stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Wanderverbands und Koordinator des Internet-Portals "Wanderbares Deutschland". "Das Letzte, was ein Wanderer will ist Digitalisierung", sagt Neumeyer. Es ginge um das Naturerlebnis. Doch weil die ersten Informationen für eine Wanderreise meist aus dem Internet kämen, liegt der Wandertourismus in einem Spannungsfeld zwischen realem Erlebnis und digitalen Abläufen. "Für Wanderer sind eine gute Beschilderung der Wege und gute Karten ausschlaggebend. Das ist sozusagen ihr "analoger Content".
Wander-Apps für das Smartphone spielten nur eine untergeordnete Rolle, da der Akku des Geräts oft schneller leer ist als die Strecke lang. Daher sei es vor allem das Marketing für Wanderrouten, das sich im Internet abspiele: "Wer für Wanderer attraktiv sein möchte, sollte gute Fotos der Wege und Sehenswürdigkeiten ins Netz stellen", sagt Neumeyer. Für Hoteliers sei eine Registrierung bei einem Bewertungsportal sinnvoll, da registrierte Anbieter im Schnitt von den Gästen besser bewertet würden als nicht registrierte. Die Erfahrungsberichte, die die Kunden dann ins Internet schreiben, seien zudem Werbung und Anreiz für neue Gäste. Einige Gefahren sieht Neumeyer darin allerdings auch: "Negative Bewertungen machen auf diese Weise schnell die Runde. Aber auch falsche Aussagen über einen Anbieter verbreiten sich weiter."