Bad Oeynhausen/Bielefeld. Handyfoto statt Hilfe: Gaffer behindern immer öfter bei schweren Unfällen die Einsatzkräfte. So war es auch diese Woche in Bad Oeynhausen. Auf der Werrebrücke kollidierte ein 15-jähriger Radfahrer beim Überqueren der Straße mit einen Wagen. Er prallte mit dem Kopf erst auf die Windschutzscheibe und dann an den Bordstein.
Die Polizei musste Dutzende Gaffer dazu bringen, Platz für den landenden Rettungshubschrauber zu machen.
Wer einen Unfall begafft, muss mit einem Ordnungsgeld zwischen 20 und 1.000 Euro rechnen.
Behindern der Einsatzkräfte durch Befahren oder Parken auf dem Seitenstreifen kostet 25 Euro.
Das Handy beim Autofahren in die Hand zu nehmen ist 60 Euro teuer – plus einen Punkt ins Flensburg.
Keine Rettungsgasse bilden: 20 Euro.
Rettungskräfte durch Nötigung behindern ist eine Straftat. Diese kann mit 5.000 Euro oder einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren geahndet werden.
Filmaufnahmen und Fotos sind ebenfalls Straftaten. Sie können bis zu zwei Jahre Haft nach sich ziehen.
Ob höhere Strafen auf Gaffer abschreckend wirken, ist nicht absehbar.
Viele derer, die am Straßenrand stehen, wissen nicht, dass ihr schnell geknipstes Handyfoto eine Gefängnisstrafe nach sich ziehen kann. „Vor allem Aufklärung ist wichtig", sagt Ralf Collatz, Sprecher des ADAC Ostwestfalen-Lippe.Höhere Ordnungs- und Bußgelder brächten zudem wenig, wenn die Polizei vor Ort weder die Zeit noch das Personal hat, die Gaffer namentlich zu erfassen: „Die Einsatzkräfte helfen bei einem Unfall den Verletzten und haben nicht die Kapazitäten, Personalien von Schaulustigen zu erfassen."
Schon jetzt sind je nach Schwere der Behinderung des Rettungseinsatzes Strafen von 20 Euro Ordnungsgeld bis hin zu zwei Jahren Halft vorgesehen.
In Bad Oeynhausen stand trotz der vorhandenen Strafen eine Menschengruppe den Einsatzkräften im Weg. Laut einem Polizeisprecher des Kreises Minden-Lübbecke sei ein solches Verhalten bis jetzt im Kreis nicht bekannt gewesen. Auf Platzverweise regierte die Gruppe kaum, jemand ließ sich auf einem Gartenstuhl nieder, um die Rettung zu beobachten. Mit Smartphones wurde der Helikopter gefilmt.
„Neugier ist für Menschen ganz normal, sagt der Verkehrspsychologe des ADAC", so Ralf Collatz. „Doch durch die neuen Medien, sinkt die Hemmschwelle, sich neben einen Unfall zu stellen." Das liege am Rückmeldungssystem im Internet: Wer auf Facebook Unfallbilder oder -videos einstellt, bekommt Reaktionen anderer Facebook-Nutzer. Oft sind diese Reaktionen positiv, was den Drang verstärke, mehr solcher Fotos im Netz zu teilen.
Der Trend zum Starren und Knipsen ginge nach oben.
„Dass Videos von Verkehrsunfällen per Handy auf Facebook eingestellt werden, ist heutzutage etwas, mit dem wir leben müssen", sagt Lars Ridderbusch, Sprecher der Kreispolizei Lippe. Diese Straftat sei aber im Lipper Land recht selten. Meistens würden Gaffer dort nach einem Platzverweis gehen.Als es vor Kurzem auf der A 33 zu einem Unfall kam, musste die Polizei gegen Schaulustige vorgehen. Weil sich die Unfallstelle in einem Baustellenbereich befand, sei es es schwer möglich gewesen eine Rettungsgasse zu bilden. Schaulustige hätten zudem gar nicht versucht zur Seite zu fahren, um Platz zu machen. Die Beamten notierten hier die entsprechenden Kennzeichen, der Blockierer und Gucker, so Collatz. Durch das Smartphone sei es einfach, etwas ins Netz zu stellen. Das dauere nur ein, zwei Klicks. „Schade, dass einige erst die Bilder ins Internet stellen und danach ihr Gehirn einschalten."