Gütersloh. Unverhofft kommt oft – statt sinkender Schülerzahlen geht eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung nun von einem regelrechten Schüler-Boom bis zum Jahr 2030 aus. Das könnte massive Konsequenzen für das Bildungssystem haben. Denn mehr Schüler brauchen mehr Platz und mehr Lehrer und das braucht mehr Geld.
Etwa 8,3 Millionen Schüler werden voraussichtlich im Jahr 2025 in Deutschland zur Schule gehen. Das seien vier Prozent mehr Kinder und Jugendliche als heute. Im Jahr 2030 könnten es sogar acht Prozent mehr sein.
Die Kultusministerkonferenz (KMK) ging bisher für 2025 von 7,2 Millionen Schülern aus. Doch diese Berechnung basiert auf Zahlen von 2012. Seitdem stieg die Geburtenrate in Deutschland stetig. Dazu kommen Einwanderer aus europäischen Ländern und Flüchtlinge.
Laut Studie müssten Länder und Kommunen deshalb mit jährlich 4,7 Milliarden Euro höheren Bildungskosten rechnen. Mehr Lehrer müssten eingestellt werden. Bereits jetzt gebe es laut dem Verband Bildung und Erziehung (VBE) Nordrhein-Westfalen einen Lehrermangel in NRW. In Bezug auf die neue Studie geht der Verband davon aus, dass in NRW in den kommenden zehn Jahren mindestens 30.000 Lehrerstellen mehr als heute benötigt werden.
Für die Untersuchung haben die Autoren die aktuellsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes mit der „Milupa-Geburtenliste" aktualisiert. Das Unternehmen verfügt über die Zahlen aller deutschen Geburtsstationen der Krankenhäuser aus 2016.
In Teilen von OWL ist der Trend bereits jetzt erkennbar. „Mich hat Bertelsmann überhaupt nicht überrascht", sagt Georg Müller, Leiter des Schulamtes Bielefeld. Seit 2015 verzeichne die Stadt wachsende Schülerzahlen. Es werde bereits mit zusätzlichen Grundschulen geplant. Schlimmer sehe es beim Übergang von der vierten zur fünften Klasse aus. Hier fehlen Bielefeld in den nächsten zehn Jahren 21 Klassen.
Die Stadt Herford geht in ihrem aktuellen „Schulentwicklungsplan für Grundschulen" bis zum Jahr 2023 auch von steigenden Schülerzahlen aus. Heidi Pahmeyer, Abteilungsleiterin Bildung und Sport, sagt, dass die Grundschulen darauf vorbereitet werden und die Stadt die Entwicklung im Blick hat.
Ralf Peter von der Schulverwaltung in Detmold bestätigt, dass sich die Schülerzahlen an Grundschulen in den vergangenen zwei bis drei Jahren stabilisiert haben. Der Trend zu sinkenden Zahlen sei gestoppt.
Das Schulministerium des Landes NRW teilte mit, dass unvorhersehbare Entwicklungen, wie die gestiegene Zuwanderung erst mit Verzögerungen Niederschlag in die aktuellen Prognosen finden würden. Die Prioritätensetzungen der Landesregierung seien klar: Schulen sind der wichtigste Bildungsort.