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Eier-Skandal weitet sich aus: Fünf deutsche Betriebe betroffen

Bielefeld/Düsseldorf. Vom Skandal um verseuchte Eier sind nicht länger nur niederländische Betriebe betroffen. Auch in mindestens fünf deutschen Betrieben wurde das gesundheitsgefährdende Insektenvernichtungsmittel Fipronil benutzt. Zudem steigt die Zahl der betroffenen niederländischen Betriebe und Codes weiter. Am Sonntag waren in NRW fast 900.000 Eier zurückgerufen worden. Sie enthalten eine zu hohe Dosis des gesundheitsschädigenden Läusebekämpfungsmittels Fipronil.

In 17 weiteren niederländischen Geflügelbetrieben wurde inzwischen Fipronil nachgewiesen, wie die niederländische Behörde in Utrecht mitteilte. Die Zahl der Codes, anhand derer belastete Eier erkannt werden können, stieg auf 27. Experten gehen davon aus, dass die Zahlen in den kommenden Tagen noch weiter steigen werden, da noch nicht alle Testergebnisse der 180 gesperrten niederländischen Geflügelbetriebe vorliegen.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt vor einem potenziell akuten Gesundheitsrisiko für Kinder beim Verzehr der belasteten Eier. Für andere Menschen werde ein Gesundheitsrisiko ausgeschlossen. Andere Experten warnen dagegen vor Leber-, Nieren- und Schilddrüsenschäden. Der Wirkstoff könne zudem Haut und Augen reizen, sowie Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen verursachen. Der niedersächsische Agrarminister Christian Meyer (Grüne) fand klare Worte: „Das Insektizid hat in Lebensmitteln nichts zu suchen. Punkt."

In Deutschland darf das Mittel nicht verwendet werden. „Das Pflanzenschutzmittel Fipronil ist bereits seit 2013 verboten", sagt Ferdi Stamm, Pflanzenbauexperte der Landwirtschaftskammer OWL.

Dennoch sind auch in einem Betrieb in der niedersächsischen Grafschaft Bentheim Rückstände des Mittels nachgewiesen worden. Vier weitere Betriebe wurden gesperrt. Nach einer Mitgliederabfrage des Eier-Zertifizierers KAT haben sich neben 100 niederländischen auch „weniger als zehn Betriebe aus Deutschland gemeldet", so der KAT-Vereinsvorsitzende Friedrich-Otto Ripke. Von illegalen Machenschaften ist dennoch keine Rede.

Denn als Ursache gilt das Desinfektionsmittel Dega-16, mit dem Blutläuse bei Geflügel bekämpft werden sollen. Die betroffenen Betriebe waren Kunden des niederländischen Herstellers. Das auf ätherischen Ölen basierende Mittel war mit Fipronil vermischt worden.

Die belgische Staatsanwaltschaft vermutet, dass ein belgischer Händler das Mittel Fipronil beigemischt hatte. Unklar ist, ob der niederländische Reinigungsbetrieb davon wusste. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dauern an. Das Unternehmen in Barneveld reagierte bislang nicht.

Die niederländische Lebensmittelaufsichtsbehörde NVWA untersucht nun auch Nahrungsmittel, die Eier enthalten, auf Spuren des Mittels und auch Ostwestfalens Märkte haben auf die Nachricht der verseuchten Eier aus den Niederlanden reagiert.

So hat Aldi-Nord vorsorglich Eier aus den gesperrten niederländischen Betrieben aus dem Verkauf genommen. Eine Sprecherin erklärte, zurzeit gebe es keinen Rückruf von Eiern. Ebenso handeln der Lebensmittelhändler Rewe und seine Discounttochter Penny. Kunden können die betroffenen Eier zurückgeben.

Bei der Edeka Minden-Hannover gebe es derzeit keine belasteten Eier, so Sprecherin Alexandra Antonatus. Verkauft würden „Eier (Bio, Freiland, Bodenhaltung) von Erzeugern, die aus dem jeweiligen Bundesland in unserem Geschäftsgebiet stammen." Einzig die „Demeter-Eier" stammten aus den Niederlanden: „Aber wir haben von dem Lieferanten eine Unbedenklichkeitserklärung bekommen", sagt Antonatus.

Entwarnung gibt es auch für Kunden der WEZ-Filialen in den Kreisen Minden-Lübbecke und Herford. „Wir können vollständig entwarnen, da wir keine holländischen Eier führen. Auch unsere regional bezogenen Eier haben wir diesbezüglich prüfen lassen", so Karl Stefan Preuß, geschäftsführender Gesellschafter der WEZ-Gruppe.

Christoph Prang, Sprecher der Bünting Unternehmensgruppe, teilte mit, dass die Kunden von Combi-Märkten sich keine Sorgen zu machen bräuchten und darüber auch in Aushängen im Markt informiert würden. Der Betreiber der Lidl-Märkte gab keine Informationen preis.

Diese Eier sind belastet

  • 27 der Codes gelten derzeit als gesundheitsschädlich.
  • Sie sind als Aufdruck auf jedem Ei zu finden und beginnen meist mit einer Zahl, die das Haltungssystem kennzeichnet. Darauf folgt die Kennung des Herkunftslandes, zum Beispiel NL für die Niederlande, sowie eine mehrstellige Nummer.
  • Die bislang bekannten Chargen tragen in NRW die Stempelaufdrucke 1-NL 4128604 und 1-NL 4286001. Die Legedaten liegen zwischen dem 9. und dem 21. Juli.
  • Informationen über die weiteren Codes gibt es beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit unter: www.lebensmittelwarnung.de oder telefonisch unter: 02 11 -  45 66 0.
Information
Das bedeutet die Eier-Kennzeichnung

Jedes Ei muss laut ARAG Experten einen EU-weit einheitlichen Stempel tragen. Aber was bedeuten die Zahlen und Buchstaben auf unserem Frühstücksei genau? Der sogenannte Erzeugercode beginnt mit einer Ziffer zwischen 0 und 3, dann folgen das Länderkürzel und eine längere Nummer.

Die erste Ziffer steht für die Art der Legehennenhaltung:
- 0 für ökologische Erzeugung
- 1 für Freilandhaltung
- 2 für Bodenhaltung
- 3 für Käfighaltung

Darauf folgt das Länderkürzel des Erzeugerlandes:
- DE für Deutschland
- AT für Österreich
- BE für Belgien
- FR für Frankreich
- NL für Niederlande
- PL für Polen

Die längere Nummer am Ende der Kennzeichnung ist die individuelle Betriebsnummer. Im Bedarfsfall kann das Ei dadurch genauestens bis zum Stall zurückverfolgt werden.

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