Düsseldorf. Mit dem Schulbeginn am Mittwoch startet an den NRW-Schulen auch die genaue digitale Erfassung des ausgefallenen Unterrichts. Alle teilnehmenden Schulen sind nach Angaben von NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) mit einer entsprechenden Software ausgestattet worden. Um diese Aufgabe zu erfüllen, habe jede Schule eine Lehrerstunde zusätzlich erhalten. Hochgerechnet auf das Land macht das insgesamt 183 Lehrerstellen aus.
Erste Zahlen sollen im Frühjahr 2019, also noch im aktuellen Schuljahr, veröffentlicht werden. Ihre Vorgängerin Sylvia Löhrmann (Grüne) hatte stets behauptet, eine solche schulscharfe Erhebung von Unterrichtsausfall sei nicht möglich. „Statistik allein bekämpft keinen Ausfall, aber wir brauchen verlässliche Daten", sagte Gebauer und versuchte damit gleichzeitig, der Kritik der Lehrerverbände zu begegnen. Tatsächlich bezeichnete der Landesvorsitzende des VBE, Stefan Behlau, die schulscharfe Messung des Unterrichtsausfalls als nicht zielführend. „Frau Gebauer muss die Ursachen des Unterrichtsausfalls beheben und nicht Daten dazu erheben lassen."
In ihrer Pressekonferenz zum Schuljahresbeginn erläuterte die Schulministerin noch weitere neu anlaufende Projekte. Nach vielen Verzögerungen soll nun auch die Online-Plattform Logineo an den Schulen anlaufen – „endlich", wie Gebauer sagte. Die Freischaltung solle Zug um Zug beginnen, bis am Ende des Schuljahres alle Schulen angeschlossen sein sollen.
NRW sucht 60 Talentschulen
Bis Dezember können sich die Schulen beim Ministerium bewerben, die an dem Modellprojekt „Talentschulen" teilnehmen möchten. 60 dieser Schulen soll es in schwierigen sozialen Umfeldern geben. Sie würden mit mehr Ressourcen ausgestattet. Insgesamt 400 zusätzliche Lehrerstellen habe das Land dafür bereitgestellt. Eine Jury werde die 60 Kandidaten auswählen.
Auch den Wettbewerb der Talentschulen sieht der VBE kritisch. Kein Talent dürfe unentdeckt bleiben, deshalb muss jede Schule Talentschule werden, sagte Landeschef Behlau. „Gerade die Schulen, die vor besonderen Herausforderungen stehen, sollten nicht in einem Wettbewerb gehen müssen, um angemessene Bedingungen zu erhalten."
Zahlen hatte die Ministerin auch zum islamischen Religionsunterricht mitgebracht. In sechs Jahren sei Zahl von 1.800 Schülern an 33 Schulen auf rund 19.000 Schüler an 234 Schulen gestiegen. Insgesamt gebe es in NRW rund 400.000 muslimische Schüler. Die Zahl der Lehrkräfte, die an der Uni Münster ausgebildet werden, stieg von 40 auf mehr als 240. Personalmangel gebe es hier nicht, sagte Gebauer.
In OWL ist das Problem, offene Lehrerstellen zu besetzen nicht so groß wie in anderen Teilen des Landes. Während die Besetzungsquote im Landesdurchschnitt bei 61,6 Prozent liegt, beträgt sie in OWL bei 77,1 Prozent – ein Spitzenwert in ganz NRW. In die Berechnung eingeflossen sind auch 59 Lehrerstellen, die mit Seiteneinsteigern besetzt werden konnten, davon der überwiegende Teil übrigens an Berufskollegs (25) und Gesamtschulen (25). Mit 62,7 Prozent liegt die Besetzungsquote auch im problematischen Grundschulbereich in OWL deutlich höher als im Landesschnitt (52,9 Prozent).