Missbrauch auf Campingplatz: Landrat räumt Fehler ein

Janet König

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Auf seiner zweiten Pressekonferenz zum Missbrauchsskandal musste der Hamelner Landrat Fehler einräumen. - © Jannik Stodiek
Auf seiner zweiten Pressekonferenz zum Missbrauchsskandal musste der Hamelner Landrat Fehler einräumen. (© Jannik Stodiek)

Lügde-Elbrinxen/Hameln-Pyrmont. Der Hamelner Landrat Tjark Bartels (SPD) hat am Dienstag auf einer weiteren Pressekonferenz zugeben müssen: Im Fall um den Missbrauchsskandal auf dem Campingplatz „Eichwald" ist in seiner Behörde nicht alles glatt gelaufen. Erst am vergangenen Freitag hatte ein Mitarbeiter des Hamelner Jugendamts eingeräumt, Akten nachträglich ergänzt zu haben. Details dazu wurden nun bekannt gegeben.

Der vorerst freigestellte Mitarbeiter in Führungsposition habe im Dezember nach Bekanntwerden des Missbrauchsskandals eine nachträgliche Zusammenfassung in die Akte eingefügt und auf den 20. Juni rückdatiert. Dabei ging es um den Wechsel des Dienstleisters, der sich um die wöchentlichen Kontrollbesuche bei dem Pflegevater und mutmaßlichen Kinderschänder auf dem Campingplatz kümmern sollte. Der alte Dienstleister sei mit der Art des Pflegevaters nicht klar gekommen und hätte dessen pädagogische Fähigkeiten angezweifelt.

Achtwöchige Betreuungslücke

Zu diesem Vorgang habe es keine Erklärung in der Akte gegeben. „Der Mitarbeiter wollte diese lesbarer machen", sagte Bartels. Zwar sei nichts Unwahres geschrieben worden, dennoch könnte ein „geschönter Eindruck" entstehen. Durch den Wechsel habe es eine achtwöchige Lücke im Betreuungsangebot gegeben. Diese hätte nicht entstehen dürfen, dennoch ist sich der Landrat sicher: „Auch ohne hätten wir den Missbrauch nicht aufgedeckt."

Bartels betonte daneben, dass eine lange, interne Debatte zu dem kompletten Fall geführt worden sei. Diese Debatte vollständig in den Akten zu notieren sei personell schwierig. Rund 60 Prozent der Arbeitszeit gingen ohnehin für Dokumentationen drauf. Dennoch sei das Verhalten des Mitarbeiters nicht zu entschuldigen. Schließlich leide daran nun auch die Glaubwürdigkeit des Hauses.

Polizei bei einer 360 Grad Aufnahme. - © Vera Gerstendorf-Welle
Polizei bei einer 360 Grad Aufnahme. (© Vera Gerstendorf-Welle)

Unterdessen laufen auf dem Campingplatz "Eichwald" die Ermittlungen weiter. Ein Ermittlungsteam nahm zum Wochenbeginn nochmals genau den Campingplatz sowie die Parzellen der Verdächtigen unter die Lupe. Dabei fertigte die Spurensicherung unter anderem 360-Grad-Aufnahmen an.

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