Kreis Lippe. Sie ist Diplom-Pädagogin und kennt den Bereich Kinderschutz eigentlich schon aus ihren beruflichen Anfängen, wie sich im Verlaufe des Gespräches herausstellt. Martina Fieseler, 44 Jahre, verheiratet, ist die neue Leiterin des Fachgebiets Kinderschutz, Beratung, Prävention. Nun ja, neu ist relativ: Seit 1. Mai dieses Jahres hat sie die Position inne, seit Februar 2023 ist sie bereits Teamleiterin der Familienberatung gewesen. Das Jugendamt - bei vielen ist es auch heute noch eher negativ behaftet. Auch wenn es um viel mehr geht, als „Kinder wegnehmen“. Denn das - und das betont Ulrike Glathe, Leiterin des Kreisjugendamts, deutlich - sei immer nur der allerletzte Schritt. Vielmehr geht es um Hilfen, Unterstützen, Beratung, sowohl für Kinder als auch Eltern. Jede Familie, deren Kind in einer Kita ist, bekommt regelmäßig Post vom Jugendamt: Elternbeiträge. Bereits vor der Geburt werden Eltern unterstützt, Familien mit Neugeborenen werden Angebote aufgezeigt, kleine Auszeiten für Alleinerziehende organisiert, lippische Unternehmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf beraten - auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels. Und es gibt noch so viel mehr, was in das Fachgebiet von Martina Fieseler fällt. „Und das macht die Arbeit so spannend“, sagt sie strahlend. Es sei der Bereich mit den meisten verschiedenen Themen. Lügde, Corona, Ukraine Die Verbrechen von Lügde, die Corona-Pandemie, der Ukraine-Krieg, in der Vergangenheit gab es einige Krisen, deren Auswirkungen auch heute noch zu spüren seien. „Seit Lügde sind wir sehr sensibilisiert“, sagt Ulrike Glathe, müssten genau hinschauen, sich weiter entwickeln und sich an die Lebensbedürfnisse anpassen. „Es ist ein ewiger Lernprozess.“ Dass es keinen Missbrauch gebe, diese Vorstellung sei utopisch, sagt sie genauso klar, wie sie auch die Herausforderungen der medialen Welt erkennt: „Die Probleme sind komplexer geworden.“ Und dass sich die Themen der Kinder und Jugendlichen ändern, das spürten als erstes die, die nah an ihnen dran sind: die Berater. Und da weiß Martina Fieseler genau, wovon sie spricht: Angefangen hat sie nämlich als Schulsozialarbeiterin, war damit selbst ganz nah an den Kindern und Jugendlichen und ihren Problemen dran. Und die änderten sich laufend, derzeit werde ihr häufig das Thema Einsamkeit gespiegelt. Zum Beispiel aus der kreativ-therapeutischen Mädchengruppe, eines der praktischen Angebote in ihrem Fachgebiet. „Hier kommen die Mädchen miteinander in Kontakt, spüren, sie sind mit ihren Problemen nicht allein, können Dinge verarbeiten.“ Und manchmal werde eben auch klar, dass es weitergehende psychotherapeutische Beratung brauche. So gebe es auch eine Kids-Gruppe aus dem Bereich Trennungs- und Scheidungsberatung sowie ein Angebot für Kinder psychisch kranker Eltern. Entstanden durch die Anregung der Berater vor Ort, weil es eben hierfür Bedarf gibt. Gerade im Bereich Prävention allerdings sei vieles eine sogenannte freiwillige Leistung, sprich, gehört zu den Bereichen, die immer wieder um finanzielle Mittel bangen müssen. Viele Projekte könnten mithilfe von Fördermitteln realisiert werden. Aber man müsse eben immer schauen, wo gibt es einen Bedarf, was könne angeboten werden - und was eben nicht. Und auch da helfe ein guter Kontakt zu den Beratern. „Ich habe in den beiden Teams tolle Leute, die mit Erfahrung und viel Herz dabei sind“, lobt sie und es kommt spürbar von Herzen. Die Teams sind „Familienfreundlicher Kreis“ und „Frühe Hilfen“ sowie die Familienberatungsstelle. Außerdem gibt es die Fachstellen Kinderschutz und Kinderrechte, die direkt bei Martina Fieseler liegen. Niemals Stillstand Und wie steht die 44-Jährige zum Thema Verbot von Social Media für Jugendliche? „Verbieten allein reicht nicht“, ist sie sich sicher. „Das verschiebt das Problem nur.“ Wichtig sei, dass Eltern ihre Kinder beim Umgang mit Sozialen Medien nicht allein lassen, es brauche frühzeitige Aufklärung bei Eltern und Kindern. Durch Corona sei vieles ad hoc digital eingeführt worden, ohne Konzept, ergänzt Ulrike Glathe. Eltern dienten als Vorbild, in den Schulen, die Medien nutzen, müsste es gute Konzepte dafür geben. „Bei uns im Bereich gibt es eben nie Stillstand“, sagt Martina Fieseler, und das mache es spannend und abwechslungsreich. Im Studium hatte Martina Fieseler bereits den Schwerpunkt Beratung, das hätte natürlich in verschiedene Richtungen gehen können. Doch sie kam zur Schulsozialarbeit, Themen wie Schule schwänzen oder Probleme in der Pubertät waren ihr Geschäft. „Genaugenommen war das bereits mein erster Berührungspunkt mit dem Kinderschutz“, sagt sie rückblickend.