Ärzte fordern Strafgebühr von Patienten, die Termine schwänzen

Carina Schmihing

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Viele Mediziner sind verärgert: Zwischen fünf und 20 Prozent der Patienten erschienen laut Aussage von Ärzten ohne Abmeldung nicht zum Termin. Deshalb fordern Verbände nun eine Strafgebühr. - © Pixabay
Viele Mediziner sind verärgert: Zwischen fünf und 20 Prozent der Patienten erschienen laut Aussage von Ärzten ohne Abmeldung nicht zum Termin. Deshalb fordern Verbände nun eine Strafgebühr. (© Pixabay)

Wer eine Verabredung nicht einhält, sorgt für Unmut. Zuletzt haben sich Gastronomen in OWL dafür starkgemacht, dass Gäste für verpasste Reservierungen eine Gebühr zahlen. Nun fordern auch Ärzte einen Ausgleich, wenn Patienten Termine versäumen. Patienten, die einen Termin schwänzen, sollen nach dem Willen von Medizinerverbänden künftig zur Kasse gebeten werden. Denn immer mehr Praxen machen sie zunehmend zu schaffen. Laut kassenärztlicher Vereinigungen werden bis zu 20 Prozent der Termine versäumt.

"Lernerfolg bei Patienten"

„Mit dem Signal einer Gebühr setzen wir auf den Lernerfolg bei Patienten", erklärt der Vorsitzende des Verbands der niedergelassenen Ärzte Deutschlands, Dirk Heinrich.

Krankenkassen, Verbraucherschützer und auch Westfalen-Lippes Ärztekammerpräsident Theo Windhorst lehnen die Forderung nach Ausfallgebühren hingegen strikt ab. Windhorst befürchtet, dass eine Strafgebühr das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient gefährdet. „Ärzte müssen ihre Patienten nicht oberschullehrerhaft erziehen", sagt Windhorst.

Eine "Goldgrube" für findige Ärzte?

Auch die gesetzlichen Krankenversicherungen sehen keinen Grund für eine Strafgebühr. In den Vergütungen der Mediziner seien die Ausfälle bereits berücksichtigt.

„Ärzte, die Patienten mit einer Strafgebühr zusätzlich zur Kasse bitten, verdienen also doppelt", sagt der stellvertretende Vorstandschef des GKV-Spitzenverbands, Johann-Magnus von Stackelberg. Obwohl Windhorst bezweifelt, dass die Ausfallquoten eingerechnet sind, sieht auch er die Gefahr, dass einige Ärzte in den Strafgebühren eine Goldgrube sähen.

Bei teuren Eingriffen sei eine Schutzgebühr denkbar

Die deutsche Stiftung Patientenschutz bezeichnet die Forderung nach Ausfallgebühren absurd. „Schließlich erhalten Patienten, die trotz Termin lange warten, auch keine Entschädigung", erklärt Vorstand Eugen Brysch. Termintreue sei wichtig. „Aber sie muss für Ärzte genauso gelten wie für Patienten." Ohne belastbare Zahlen werde beim Thema versäumte Termine aus einer „Mücke ein Elefant gemacht". Ob Ärzte einen rechtlichen Anspruch auf die Gebühr haben, ist unklar. In Deutschland gab es dazu bereits verschiedene Urteile von Gerichten.

Anders sieht Windhorst die Gebühren allerdings bei geplanten Eingriffen, zu denen weitere Ärzte und Pfleger benötigt werden. Die Kosten für das Personal und Operationsräume beliefen sich dann schnell auf 6.000 Euro. Hier schlägt Windhorst eine Schutzgebühr vor. Die soll jedoch sehr gering ausfallen, vorab mit dem Patienten besprochen und vertraglich festgehalten werden.

Kommentar

Keine Frage: Es ist immer ärgerlich, wenn sich Kunden oder Patienten nicht an Absprachen halten. Besonders ärgerlich wird es, wenn es sich dabei um Termine bei Fachärzten handelt, auf die Patienten oftmals lange warten müssen. Wer dann einfach nicht kommt, nimmt vielen Kranken die Gelegenheit, einen Spezialisten zu konsultieren. Denn die Wartezeiten sind lang.

Genau das ist jedoch das Argument von Verbraucherschützern gegen die Strafgebühr für verpasste Termine. Sie sagen, dass Patienten bei vereinbarten Terminen dann genauso verlangen dürften, pünktlich behandelt zu werden und nicht stundenlang im Wartezimmer zu verharren. Und damit haben sie recht.
Denn viel häufiger hängen wir bei der telefonischen Terminvereinbarung in Warteschleifen fest, um uns auf einen Termin im übernächsten Monat vertrösten zu lassen, ehe wir im überfüllten Wartezimmer Platz nehmen, um dann im Viertelstundentakt genervt auf die Uhr zu schauen.

Wenn dann ein Patient pro Tag die Verabredung mit seinem Arzt verschwitzt, wird dieser sicherlich nicht däumchendrehend im Behandlungsraum sitzen. Schließlich gibt es in Zeiten des Ärztemangels genug Kranke, um die er sich dann kümmern kann.

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