Hüllhorster bietet unbefristete Vollzeitstelle an - und niemand greift zu

Frank Hartmann

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Andreas Weiser sucht einen Mitarbeiter für Hausmeister- und Gartenarbeiten mit Fahrerlaubnis B für Pkw und Kleinbusse. - © Symbolfoto: Pixabay
Andreas Weiser sucht einen Mitarbeiter für Hausmeister- und Gartenarbeiten mit Fahrerlaubnis B für Pkw und Kleinbusse. (© Symbolfoto: Pixabay)

Hüllhorst. 10000-1173274188-S - das ist die Referenznummer, unter der Andreas Weiser aus Hüllhorst auf der Internetseite der Agentur für Arbeit einen Job anbietet. Er sucht einen Mitarbeiter für Hausmeister- und Gartenarbeiten mit Fahrerlaubnis B für Pkw und Kleinbusse.

Der 54-Jährige verlangt nicht besonders viel von den Bewerbern, außer dass sie Deutsch sprechen, technisches Verständnis aufbringen, flexibel sind und selbstständig arbeiten. Dafür bietet er eine unbefristete Vollzeitstelle und zahlt zwölf Euro pro Stunde. Weisers Problem: "Ich suche seit drei Jahren jemanden." Vergeblich. Von den wenigen Bewerbern, die sich in der Zeit überhaupt bei ihm vorgestellt haben, war keiner interessiert.

"Ich habe mich überall beworben"

Inzwischen ist Weiser richtig sauer. Vor allem auf die Arbeitsagentur, die sich nur einmal telefonisch bei ihm gemeldet habe: "Danach nie wieder." Der Anruf kam von einem Sachbearbeiter, der bis Anfang 2016 auch für Weiser zuständig war. Der gelernte Kfz-Mechaniker und Betriebsschlosser hatte aufgrund eines Arbeitsunfalls seinen festen Job verloren und erhielt Arbeitslosengeld I. "Ich habe mich überall beworben", erinnert Weiser sich, "nur Zeitarbeit war nichts für mich". Zwei Monate, bevor er "in Hartz IV gefallen wäre", wie Weiser es ausdrückt, machte er sich mit dem Hausmeisterservice selbstständig. Und sucht verzweifelt nach Unterstützung. Denn obwohl seine Lebensgefährtin, die hauptberuflich als Altenpflegerin arbeitet, ihn unterstützt, muss er täglich 12 bis 16 Stunden ran: Rasen mähen, Hecken schneiden, Winterdienst, streichen, entrümpeln - was so anliegt bei seinen oft älteren Kunden.

"Ich habe jedes Jahr eine Umsatzsteigerung. Darauf bin ich stolz", sagt Weiser, der als weitere Dienstleistung gern das Entfernen von Kaugummiflecken anbieten würde. Aber wer soll das machen? "Ich habe Arbeit für 350 Stunden im Monat", berichtet der Hüllhorster, der als Einzelkämpfer kaum noch Privatleben hat und sich sehr darüber ärgert, dass sich von 50 angekündigten Arbeitslosen nur 20 bei ihm vorgestellt haben. Geblieben ist keiner. Dem einen sei der Anfahrtsweg zu lang gewesen, dem anderen hätten die unterschiedlichen Arbeitszeiten nicht gepasst, der Dritte habe ihm erzählt, dass er mit Hartz und Schwarzarbeit mehr Geld in der Tasche habe. Und so weiter und so weiter. "Ich erwarte, dass Empfängern von Arbeitslosengeld auf die Füße getreten wird", betont Weiser und verlangt: "Wer sich auf Anweisung nicht vorstellt, muss mit Sanktionen rechnen."

Sanktionen bei Ablehnung ohne Grund

Das ist offenbar auch so, teilen Sarah Golcher von der Kreisverwaltung für das Jobcenter Minden-Lübbecke und Tanja Liebke für die Arbeitsagentur auf Anfrage übereinstimmend mit. Golcher: "In der Praxis wird seitens derjenigen, die zumutbare Arbeit ablehnen, das Vorliegen von wichtigen Gründen angeführt. Zum Beispiel Erkrankungen, welche der Annahme der Tätigkeit entgegenstehen. Ob diese Gründe durchgreifen, wird seitens des Jobcenters im Einzelfall geprüft." Werde eine zumutbare Arbeit ohne wichtigen Grund abgelehnt, erfolge durch das Jobcenters eine Sanktion: "Diese beträgt aktuell bei ab 25-Jährigen 30 Prozent und bei unter 25-Jährigen 100 Prozent der Regelleistung." Bei wiederholter Pflichtverletzung erhöhe sich der Sanktionsbetrag.

Ähnliches schildert Tanja Liebke für die Agentur für Arbeit, die wie Golcher großes Verständnis für Weisers Ärger und Enttäuschung äußert. Vermittlungsvorschläge werden ihr zufolge "in jedem Kundengespräch durch den Vermittler nachgehalten". Obwohl Arbeitslosengeld I eine Versicherungsleistung sei, könnten unter bestimmten Umständen Sperrzeiten verhängt werden: Etwa, wenn ein Kunde sich auf eine "unter Berücksichtigung der persönlichen Umstände definitiv zumutbaren Stelle ohne Angaben von Gründen nicht bewirbt".

Besonders schwierige Vermittlungsarbeit

Hat Andreas Weiser mit den Personen, die ihm geschickt wurden, also einfach Pech gehabt? Aus der Arbeitsagentur heißt es: "Fast alle Kunden sind zuverlässig und halten sich an die Vereinbarungen." Und das Jobcenter teilt mit: "Die Personen, die aktuell trotz des robusten Arbeitsmarktes arbeitslos sind, weisen in der Regel Vermittlungshemmnisse auf, seien es gesundheitliche Beeinträchtigungen, Sprachbarrieren oder unzureichende berufliche Fertigkeiten." Dieses gestalte die erfolgreiche Vermittlungsarbeit "besonders schwierig".

Das könnte erklären, warum Weiser so manchem Interessenten ergebnislos hinterhertelefoniert hat und warum so viele seiner E-Mails an Bewerber unbeantwortet blieben. Die Folgen für den Hüllhorster Ein-Mann-Betrieb sind gravierend: Abgesehen von der eigenen Überlastung sind Andreas Weiser wegen des fehlenden Personals schon einige "Aufträge durch die Lappen gegangen". Die Hoffnung aufzugeben kommt für ihn aber nicht in Frage - er sucht weiter.

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