Senioren sollen in der Apotheke bald den Ausweis zeigen

Tim Szent-Ivanyi

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Viele Schlafmittel sind frei verkäuflich. Doch Senioren brauchen dafür wohl bald Rezepte. - © picture alliance
Viele Schlafmittel sind frei verkäuflich. Doch Senioren brauchen dafür wohl bald Rezepte. (© picture alliance)

Berlin. „Zeigen Sie mir bitte Ihren Ausweis" – was heute für Jugendliche beim Kauf von Zigaretten oder Alkohol gilt, wird bald auch für Senioren Realität: Künftig müssen Apotheker von älteren Menschen einen Altersnachweis verlangen, wenn sie bestimmte Schlafmittel kaufen wollen.

Denn über 65-Jährige sollen derartige Präparate, die eigentlich frei verkäuflich sind, nur noch auf Rezept bekommen. Das hat der zuständige Sachverständigenausschuss für Verschreibungspflicht (SVA) empfohlen. Damit gäbe es erstmals eine derartige Begrenzung für Senioren. Begründet wird die Entscheidung mit dem Gesundheitsschutz. Das letzte Wort haben zwar das Bundesgesundheitsministerium und der Bundesrat, doch Ministerium und Länderkammer folgen den Beschlüssen des Expertengremiums in der Regel.

Sturzgefahr erhöht

Konkret geht es um bestimmte Schlafmittel mit den Wirkstoffen Doxylamin oder Diphenhydramin. Ein bekanntes Arzneimittel ist beispielsweise Hoggar Night. Die Wirkstoffe können nicht nur Müdigkeit auslösen, sondern auch Verwirrtheit, Schwindel und Koordinierungsschwierigkeiten. Sie erhöhen damit zum Beispiel die Sturzgefahr, was bei älteren Menschen besonders dramatische Folgen haben kann.

Unter anderem deshalb stehen die Wirkstoffe auf der sogenannten Priscus-Liste, in der für Senioren ungeeignete Mittel aufgeführt sind.

Über 65-Jährige müssen ihren Arzt konsultieren

Wollen über 65-Jährige derartige Medikamente weiter einnehmen, müssen sie künftig einen Arzt konsultieren und sich ein Rezept geben lassen. Einen Vorteil hat die Regelung dennoch: Rezeptpflichtige Medikamente werden grundsätzlich von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Der Hoggar-Hersteller Stada kritisierte jedoch die Entscheidung des Ausschusses. „Selbstverständlich hat die Sicherheit der Patienten für uns oberste Priorität", erklärte Deutschlandchef Eelco Ockers. Die Empfehlung für die Rezeptpflicht sei aber absolut nicht nachvollziehbar. Das Präparat sei ein sicheres und wirksames Schlafmittel.

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