Bedroht das Coronavirus den Osterurlaub?

Sigrun Müller-Gerbes

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Das Coronavirus breitet sich rasch über Europa und seine Tourismusregionen aus. - © Symbolbild: Pixabay
Das Coronavirus breitet sich rasch über Europa und seine Tourismusregionen aus. (© Symbolbild: Pixabay)

Bielefeld. Norditalien, Toskana, Sizilien, Österreich, Kroatien, spanisches Festland oder Teneriffa: Das Coronavirus verbreitet sich rasant über Europa und seine Tourismusregionen. Zum Teil bereits mit erheblichen Folgen für Reisende: Auf Teneriffa sitzen 1.000 Hotelgäste – darunter wohl auch Deutsche – in einem abgeriegelten Hotelkomplex fest, in dem ein Gast positiv auf das neuartige Virus Sars-CoV-2 getestet worden ist. In Italien, wo elf Orte zu Sperrzonen erklärt worden sind, gibt es inzwischen über 280 bestätigte Infektionen. Das Virus scheint sich immer weiter Richtung Süden auszubreiten.

"Das Virus kennt keine Grenzen"

Die Tourismusbranche hierzulande beobachtet das Geschehen „wachsam", wie Kerstin Heinen, Sprecherin des Deutschen Reiseverbands zurückhaltend sagt. Noch seien die Auswirkungen für die Veranstalter „sehr sehr schwer einzuschätzen". Aber die Entwicklung zeige eben deutlich: „Das Virus kennt keine Grenzen."

Ob für das Ostergeschäft – die Ferien starten in NRW am 6. April – Einbrüche zu erwarten sind? Heinen wiegelt ab: Italien sei in dieser Reisezeit kein Hauptziel, Umbuchungs- oder Stornierungswellen seien nicht zu erkennen.

Auch in örtlichen Reisebüros bemüht man sich um Gelassenheit. Karola Krohnen, Geschäftsführerin des Bielefelder Reisebüros Kleine Fluchten, sagt zwar: „Wer jetzt bucht, der sucht sich eher nicht die Lombardei aus". Aber es werde weiter gebucht. Nur vereinzelt gebe es besorgte Nachfragen von Reisenden, die nach Asien fahren wollten.

"Echtes Problem für die Branche"

Tourismusexperte Karl Born, lange Manager beim Reiseunternehmen TUI und heute Honorarprofessor für Tourismus, sieht die Lage kritischer: „Wenn es einen ernsthaften Corona-Ausbruch auf Teneriffa gibt, hat die Branche ein echtes Problem". Die Kanaren seien „ohnehin zurzeit nicht sensationell gebucht", weitere Rückgänge seien schwer zu kompensieren. Bisher seien nur asiatische Gäste weggeblieben, schon das sei „sehr schmerzhaft" für die Tourismusindustrie. Nun aber sei eine neue Lage eingetreten.

Besorgten Reisenden rät Florian Calow, Anwalt für Reiserecht aus Bielefeld, sich an ihren Veranstalter zu wenden. Wer eine Pauschalreise gebucht habe, sei gut abgesichert und könne stornieren, wenn die Reise durch die Virus-Entwicklung „erheblich beeinträchtigt" sein sollte. Die bloße Angst, sich anzustecken, reiche dafür allerdings nicht. Wer auf eigene Faust ein Hotel in einer betroffenen Region gebucht hat, der hat wohl Pech: „Der Hotelier vor Ort kann ja auch nichts dafür, wenn eine Krankheit ausbricht." Reisende könnten dann allenfalls auf Kulanz hoffen.

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