Corona: Warum Homeoffice mit Kleinkindern keine Lösung ist

Anneke Quasdorf

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Baby schläft, Mutti arbeitet: So läuft es eben nicht - oder nur ganz selten. - © picture alliance/United Archives
Baby schläft, Mutti arbeitet: So läuft es eben nicht - oder nur ganz selten. (© picture alliance/United Archives)

Bielefeld. Es war abzusehen: Sobald es um Vereinbarkeit von Job und Kind geht, preisen sie wieder alle das Homeoffice wie das Goldene Kalb. Und auch in der dramatischen Lage jetzt soll die Arbeit zu Hause den Karren aus dem Dreck ziehen. Für Eltern von Kleinkindern funktioniert das aber nicht. Und das muss berücksichtigt werden - dringend!

Es ist das Titelbild dieses Beitrages, das die meisten Menschen im Kopf haben, wenn das Wort Homeoffice fällt: Mama (oder Papa) arbeitet konzentriert, Kind schläft. Oder spielt. Und ab und an gibt's 'ne Pulle Milch. Nach fünf Jahren Kind und Job kann ich sagen: Das funktioniert nicht. Und es funktioniert nicht nur für mich nicht. Es ist schlicht unmöglich.

Ich habe gemessen: Mein Maximum konzentrierten Arbeitens liegt bei, na, sagen wir mal: vier Minuten. Dann ist es aber schon wirklich gut gelaufen. Und spätestens dann steht einer am Schreibtisch. Hat Durst. Will mal gucken. Will mal tippen. Findet seinen Flummi nicht. Muss Pipi. Ist gehauen worden. Fragt, ob wir rausgehen, weil: "Die Sonne scheint, Mama!"

Mutti arbeitet, Baby schläft - oder auch nicht

Das gleiche Szenario spielt sich in meinem gesamten, mit zahlreichen kleinen Kindern ausgestatteten Freundes- und Bekanntenkreis ab. Doch wenn es überall nicht klappt, woran liegt es dann, dass Homeoffice allerorten gepriesen wird? Weil es grundsätzlich wenig Alternativen gibt. Und weil man für die Lage jetzt gerade gar keine andere Lösung in petto hat.

Dabei war das Konzept so nie gedacht. "Homeoffice bedeutet nicht: Arbeit und Kinderbetreuung laufen parallel", weiß Cornelia Spachtholz vom Verband berufstätiger Mütter aus Köln. "Das kann in Notfällen so praktiziert werden, sollte aber nicht die Regel sein." Grundsätzlich sei die Arbeit zu Hause ein wichtiges Hilfsmittel, um Wege und Zeit zu sparen und Arbeitszeiten flexibler zu gestalten. "Das funktioniert aber nur, wenn die Wertschätzung dafür von Seiten des Arbeitgebers auch da ist. Und wenn der Arbeitnehmer sich gut abgrenzen kann - von der Familie, von den Kollegen und von den Auftraggebern."

Zeitlich flexibler ist nicht

In Fall von Müttern und Vätern mit Kleinkindern ist der Fehler damit auch schon gefunden: Wer kann sich denn von einem weinenden oder wütenden oder aufgedrehten Dreijährigen abgrenzen? Oder in meinem Fall: Von einem quicklebendigen Zweijährigen, der auf dem Schoß zappelt, mir ein Auge zuhält und fragt, ob ich jetzt noch genauso gut gucken kann wie eine Fledermaus. Während ich an einem Artikel über den aktuellen Wohnungsmarktbericht sitze.

Niemand weiß, wie lange Kitas und Kindertagespflegestellen geschlossen bleiben werden. Bund und Länder sollten die Zeit nutzen, um sich Lösungen und gesetzliche Hilfen für Eltern zu überlegen - und sich endgültig von der Idee verabschieden, dass Arbeiten mit Kleinkindern in einer Wohnung funktioniert. Das treibt die Wirtschaft nicht voran. Sondern höchstens alle Beteiligten in den Wahnsinn.

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