Trotz Impfung: Corona-Ausbruch unter Bewohnern auf dem Wittekindshof

Dass sich einzelne Menschen mit sogenanntem "vollem Impfschutz" noch mit dem Coronavirus infizieren können, ist bekannt. Es gab bereits Fälle. Was Virologen nun beschäftigt: Warum so viele auf einmal?

Björn Vahle

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Ein älterer Mensch wird gegen das Coronavirus geimpft - infizieren können sich Geimpfte aber in seltenen Fällen noch immer. - © picture alliance / abaca
Ein älterer Mensch wird gegen das Coronavirus geimpft - infizieren können sich Geimpfte aber in seltenen Fällen noch immer. (© picture alliance / abaca)

Bad Oeynhausen. Auf dem Wittekindshof in Volmerdingsen hat es einen Corona-Ausbruch unter Bewohnern einer Wohngruppe auf dem Gründungsgelände gegeben. Ein Wohnhaus steht unter Quarantäne. 13 Bewohner und ein Mitarbeiter einer Wohngruppe haben sich mit dem Virus infiziert. Die Krankheitsverläufe sind nach Angaben von Pressesprecherin Jaqueline Patzer vergleichsweise milde. Es haben sich vor allem Geimpfte angesteckt.

Die Impfquote im Wittekindshof liegt bei 85 Prozent. „Alle Bewohner haben inzwischen ein Impfangebot bekommen", sagt Patzer. Jeder Bewohner, der in Abstimmung mit seiner gesetzlichen Betreuung geimpft werden wollte, ist geimpft. Bei den Mitarbeitern des Wittekindshofs im ganzen Kreis Minden-Lübbecke liegt die Impfquote bei 75 Prozent.

Der Ausbruch auf dem Wittekindshof macht am Donnerstag einen Großteil der Neuansteckungen in Bad Oeynhausen aus. Der Kreis Minden-Lübbecke meldete 27 neue Coronafälle allein für die Kurstadt. Die Wocheninzidenz in Bad Oeynhausen liegt deutlich über dem Wert von 200.

14 Geimpfte in Leichlingen infiziert

In einem Altenheim in Leichlingen im Rheinisch-Bergischen Kreis haben sich nach Angaben des Geschäftsführers 17 Bewohner und Beschäftigte mit Corona infiziert, obwohl 14 von ihnen bereits geimpft sind. Sie hätten glücklicherweise entweder gar keine oder nur schwache Symptome, sagte der Geschäftsführer des Heims, Joachim Noß.

Schnelltests hätten den positiven Befund in den 17 Fällen erbracht, sagte Noß. Daraufhin seien PCR-Tests gemacht worden, die die Befunde bestätigten. Die Impfungen waren bereits im Januar erfolgt. Das Gesundheitsamt und die Heimleitung wollen nun klären, auf welchem Weg das Virus ins Haus kam.

"Die Gretchenfrage, die sich nun ergibt, lautet: Haben sich die Menschen untereinander angesteckt oder ist die Infektion über Dritte ins Haus getragen worden?", sagte Noß gegenüber RP Online. Laut Uniklinik Düsseldorf gelte es vor allem zu klären, ob es sich bei dem übertragenen Virus um eine möglicherweise ansteckendere Variante gehandelt haben könnte. Mit der dafür nötigen Sequenzierung des Virus hat das Gesundheitsamt der Uniklinik zufolge bereits begonnen.

Nicht der erste größere Ausbruch unter Geimpften
Geimpfte übertragen das Coronavirus Studien aus den USA und Israel zufolge deutlich seltener als Nicht-Geimpfte, selbst wenn sie sich infizieren. Die Viruslast im Rachen ist in der Regel deutlich reduziert. Darum geht Geschäftsführer Noß davon aus, dass die Mitarbeiter oder Bewohner sich nicht untereinander angesteckt haben.

So soll es beispielsweise auch bei Ausbrüchen unter Geimpften in Pflegeheimen in Belm bei Osnabrück und Roding in Bayern gewesen sein. In Belm war der positive Befund bei einem Mitarbeiter eine Woche nach der Impfung mit Biontech festgestellt worden, insgesamt infizierten sich 14 Bewohner mit der ansteckenderen britischen Virusvariante.

Auch in Bielefeld infizierten sich Pflegeheimbewohner, offenbar weil sich nach der ersten Impfung vier Tage zuvor noch kein Impfschutz eingestellt hatte. Eine erste Schutzwirkung tritt laut Robert-Koch-Institut (RKI) nach etwa sieben bis zehn Tagen ein. In einer Einrichtung im Kreis Minden-Lübbecke wurden neuerliche Infektionen darauf zurückgeführt, dass "nicht alle Bewohner und Mitarbeitenden das Impfangebot angenommen" hatten. Unter den Infizierten waren auch Geimpfte.

Warum infizieren sich Menschen trotz Impfung?
In Roding infizierten sich Anfang März insgesamt 25 Bewohner eines Pflegeheims, 20 von ihnen hatten den vollen Impfschutz. Sie hatten laut Heimleiter "milde bis mittelschwere Krankheitsverläufe". Als vollständig geimpft gelten Personen, deren letzte Impfdosis mindestens 15 Tage zurückliegt.

Laut RKI hat der vor allem zu Beginn der Impfkampagne in vielen Pflegeheimen verwendete Biontech-Impfstoff zwar eine Wirksamkeit von 95 Prozent. Und schwere Krankheitsverläufe verhindern alle bisher zugelassenen Vakzine fast vollständig. Einen 100-prozentigen Schutz gegen eine Infektion bietet der Impfstoff aber nicht.

Mit Material der dpa.

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