Unregelmäßige Menstruation: Lösen Corona-Impfstoffe Zyklusstörungen aus?

Katharina Thiel

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Ändern Teile des Impfstoffes den weiblichen Zyklus? - © Pixabay
Ändern Teile des Impfstoffes den weiblichen Zyklus? (© Pixabay)

Schmerzen an der Einstichstelle, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen - das sind die häufigsten Reaktionen auf die Corona-Impfung. Sie sind vollkommen normal und können auch bei jeder anderen Impfung auftreten, so das Robert-Koch-Institut. In sozialen Netzwerken häufen sich jedoch derzeit Berichte über eine veränderte Menstruation nach der Impfung mit den mRNA-Impfstoffen. Offiziell keine Nebenwirkung. Gibt es einen Zusammenhang?

Bereits im Februar berichtete die israelische Tageszeitung Haaretz von mehreren Frauen, deren Regelblutung zum falschen Zeitpunkt und deutlich stärker auftrat als sonst. Dem israelischen Gesundheitsministerium sollen laut dem Bericht bereits früh 13 Fälle vorgelegen haben - es konnte jedoch keinen Zusammenhang mit der Impfung erkennen. Es sei schwer zu sagen, weil es so viele andere Faktoren gebe, die eine Regelblutung beeinflussen können, "dazu gehören Stress, Ernährung und mehr", so das Ministerium.

Twitter-Aufruf führt zu hunderten Berichten

Kurze Zeit später schaltete sich die US-amerikanische Professorin Kathryn Clanchy in die Diskussion ein. Sie rief bei Twitter dazu auf, Erfahrungen auszutauschen und brachte ihre eigene gleich mit: "Eine Kollegin hat mir von starken Regelblutungen nach der Impfung erzählt. Ich bin neugierig ob andere Menstruierende auch Veränderungen bemerkt haben. Ich habe vor eineinhalb Woche meine erste Impfung mit Moderna bekommen. Meine Periode kam etwa einen Tag eher und ich sprudle, als wäre ich wieder in meinen 20ern", schreibt sie.

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Mehrere hundert Antworten hat sie unter ihrem Tweet erhalten. Darunter zahlreiche junge Frauen, die ihre Periode zu früh, deutlich länger als sonst und verbunden mit starken Schmerzen bekommen hatten. Eine Frau berichtete von einer 18-Jährigen, deren Regelblutung ganze dreimal innerhalb eines Monats kam. Doch auch Frauen, die eigentlich schon seit Jahren in der Menopause waren, erzählten von plötzlich einsetzenden Perioden. Über ähnliche Erfahrungen haben sich auch die Nutzer des Netzwerks Reddit ausgetauscht.

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Edva Lotan, die zum israelischen Impf-Kommittee gehört, sagte der Haaretz, dass es sehr wichtig sei, diese Reaktionen zu überwachen. "Selbst wenn herauskommt, dass es eine Verbindung gibt, heißt es nicht, dass es ein Problem gibt", sagt sie. Denn auch Kopfschmerzen halten die Menschen nicht davon ab, sich impfen zu lassen. "Aber so oder so muss man aufmerksam sein und solche Reaktionen ernsthaft ansprechen."

Annahme: Körper reagiert auf Lipidnanopartikel im Impfstoff

Die amerikanische Forscherin Clanchy hat mittlerweile einen Fragebogen entwickelt, um einer möglichen Impfreaktion wissenschaftlich näherzukommen. Sie hält es für möglich, dass der Körper mit einer Entzündung auf die Impfung reagiert, ausgelöst durch durch die in mRNA-Impfstoffen enthaltenen Lipidnanopartikel. Sie stehen bereits in Verdacht, allergische Reaktionen auszulösen. Das Paul-Ehrlich-Institut schreibt dazu: "Nach Gabe von Comirnaty und COVID-19-Impfstoff Moderna kommen als auslösende Agenzien für Hypersensitivitätsreaktionen die im Impfstoff enthaltenen Lipidnanopartikel, besonders das darin in gebundener Form enthaltene Polyethylenglycol (PEG), in Betracht."

Auch die Hämatologin Akshat Jain von der Loma Linda University School of Medicine hält eine Entzündungsreaktion für den Auslöser, erklärt sie bei ABC-News. "Diese Entzündung kann möglicherweise die Östrogenreaktion anpassen, was der Zusammenhang zwischen bestimmten Frauen mit starken Perioden nach der Impfung sein könnte." Deshalb auf die Impfe zu verzichten hält sie nicht für ratsam: "Wenn - und das ist ein großes wenn. Aber wenn diese Zyklusstörungen in Zusammenhang mit der Reaktion des Immunsystems [nach einer Impfung] stehen, würde ich es wie einen wunden Arm sehen - [...] ohne bleibenden Schaden."

Veränderter Zyklus auch ohne Impfung?

Doch auch unabhängig von der Impfung scheint es mögliche Verbindungen zwischen dem Coronavirus und der Regelblutung zu geben. Die britische Doktorandin Gabriella Kountourides und ihre Kolleginnen haben die wenige Forschung zum Thema gesichtet und ihre eigenen Schlüsse daraus gezogen. Anfang Juni haben sie den Vordruck ihrer Studie veröffentlicht.

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Darin schreiben sie, dass Erfahrungsberichte und Forschung darauf hinweisen, dass viele Frauen Veränderungen ihres Zyklus erlebt haben. Das könne am Stress oder Verhaltensänderungen bedingt durch die Pandemie liegen und/oder an einer Corona-Erkrankung selbst. Sie fordern mehr Forschung auf dem Gebiet.

Frauen werden nicht ernst genommen

Ganz unabhängig von Corona gibt es auch noch andere Impfungen, bei denen unregelmäßige Blutungen vorkommen können. Die Medizinerin Lior Shahar nennt die HPV-Impfung (Gebärmutterhalskrebs) in der israelischen Haaretz als Beispiel. Doch auch dies sei eine normale Reaktion des Körpers.

Was sie dagegen gar nicht verstehe, sei die Art und Weise wie Mediziner mit diesen Nebenwirkungen umgehen: "Die medizinischen Einrichtungen behandeln diese Frage mit Spott. Das Auftreten von vaginalen Blutungen oder Störungen der Menstruation sind für sie Routineerscheinungen, die hin und wieder auftreten, daher gebe es keinen Grund, sie als Nebenwirkung zu behandeln", sagt sie und ergänzt: "Das ist klare Diskriminierung."

Sie fordert eine feministische statt einer genderspezifischen Medizin. Nur dann würden Frauen nicht nur als Körper, sondern als Gesamtheit von Erfahrungen, sozialen Rollen, Erwartungen und sexueller Belästigung in Verbindung mit physischer und psychischer Gesundheit gesehen. "Bis es ein tiefgehendes Verständnis für diese Verbindung gibt wird es keine gute und gleiche Medizin für Frauen - oder jede andere benachteiligte Gruppe - geben."

Information

Die mRNA-Impfstoffe BioNTech/Pfizer und Moderna waren die ersten Corona-Impfstoffe, die eine Zulassung in der EU erhielten. Bundesweit sind insgesamt mehr als 30 Millionen Dosen der beiden Vakzine verimpft worden (Stand: 16. Juni).

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