Tierpark Olderdissen: "Lasst die Tiere nachts in Ruhe"

Alexandra Buck

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Tagsüber ist im Tierpark zuweilen einiges los. Der Tierpark-Leiter möchte den Tieren nun zumindest nachts ihre Ruhe gönnen. - © Mike-Dennis Müller
Tagsüber ist im Tierpark zuweilen einiges los. Der Tierpark-Leiter möchte den Tieren nun zumindest nachts ihre Ruhe gönnen. (© Mike-Dennis Müller)

Bielefeld. Wer schon einmal den Tierpark Olderdissen besucht hat, weiß: Wer hier im Gehege sitzt, sollte starke Nerven haben. Quer übers Wolfsgehege marschieren die Besucher, Hunde schnuppern unverfroren am Zaun herum, wer großes Pech hat, wird auch schon mal mit Steinen beworfen - Gottlob eine Ausnahme.

Die meisten haben sich arrangiert, schauen stoisch auf das, was da mehr oder weniger lärmend am Gehege entlang wandelt oder versuchen, den ganzen Zirkus zu ignorieren. Tiere mit Freilauf haben naturgemäß den größten Spielraum und können sich zurückziehen. Für manchen Insassen im recht kleinen Maschendraht-Gehege sieht das schon beschränkter aus.

Die Bielefelder FDP fordert, dass der Zaun um den Tierpark entfernt werden soll - und setzt sich in die Nesseln. - © Andreas Zobe (Archiv)
Die Bielefelder FDP fordert, dass der Zaun um den Tierpark entfernt werden soll - und setzt sich in die Nesseln. (© Andreas Zobe (Archiv))

Wer nun schon tagsüber dauerhaft den Blicken und Geräuschen der Besucher ausgesetzt ist, der soll wenigstens in der Nacht ein wenig die Ruhe genießen dürfen, findet der Leiter des Tierparks und hat angeregt, den Zaun, der im Zuge der Corona-Pandemie rund um das Olderdissen-Gelände aufgebaut wurde, dauerhaft stehen zu lassen. Die Tiere seien in der Vergangenheit nachts oft gestört worden - durch Lampen, mit denen in die Gehege geleuchtet wird, durch Geräusche oder Hunde. Es fehle manchem der Respekt.

"Was wäre so schlimm an einem kleinen Eintrittspreis?"

Das Thema hat jetzt die Bielefelder FDP aufgegriffen und fordert, der Zaun möge zum Ende der Corona-Maßnahmen zeitnah wieder abgebaut werden, damit die Besucher den Tierpark wieder in vollem Umfang nutzen können. "Nachts mit Kindern durch Olderdissen gehen ist eine typisch Bielefelder Sache, die wir erhalten wollen. Im Übrigen ist es wenn ein Zaun erst mal steht nicht mehr weit bis zum Eintritt. Wir wollen, dass der Tierpark eintrittsfrei bleibt", sagt Bielefelds FDP-Chef Jan Maik Schlifter. "Die Mehrheit mag vernünftig sein - aber das nützt wenig, wenn bestimmte Individuen meinen, sie müssten zeigen, dass sie tun und lassen können, was, wann und wo sie wollen", kommentiert daraufhin eine Userin auf Facebook. Darauf erwidert Schlifter, dass die FDP "deswegen eine stärkere Bestreifung in der Nacht durch das Ordnungsamt" vorschlägt.

"Wenn wir den öffentlichen Raum immer weiter und immer höher einzäunen, leben wir bald in gated communities wie in Lateinamerika." Ordnungsamtsmitarbeiter seien im Zuge der Pandemie ja reichlich eingestellt worden, so Schlifter. Die könne man dafür gut nutzen.

"Was wäre denn so schlimm daran, wenn es irgendwann dort einen kleinen Eintrittspreis zu zahlen gäbe? 95 Prozent der jetzigen Besucher würden sich daran nicht stören. Diejenigen, die bei diesem Thema laut aufschreien, sind doch diejenigen, die aus Prinzip alles gratis haben wollen", vermutet eine weitere Kommentatorin. Die überwiegende Teil derer, die sich zu dem Thema äußern, sprechen sich für eine Ruhezeit für die Tiere aus. Warum man sich nicht einfach auf das Urteil der im Tierpark Verantwortlichen verlasse, fragen etliche der Kommentatoren, "die kennen sich schließlich am besten mit den Bedürfnissen der Tiere aus".

Natürlich gibt es aber auch (weit weniger) Befürworter des Zaun-Abbaus. Schließlich sei es das Markenzeichen und Alleinstellungsmerkmal des Tierparks, dass er seit Jahrzehnten Tag und Nacht von allen Seiten besucht werden können - ohne Eintritt.

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