WM gucken am Arbeitsplatz? Was erlaubt ist – und was nicht

Celina Allard

Bald rollt der Ball in Katar. Darf ich das Spiel auch verfolgen, wenn ich arbeiten muss? - © dpa/Peter Steffen
Bald rollt der Ball in Katar. Darf ich das Spiel auch verfolgen, wenn ich arbeiten muss? (© dpa/Peter Steffen)

Arbeitszeit ist Arbeitszeit – aber gilt das auch für die Fußball-WM? Die Anstoßzeiten beim Turnier in Katar dürften vielen Fans Sorge bereiten. Das erste Spiel der deutschen Mannschaft gegen Japan startet beispielsweise schon um 14 Uhr, überschneidet sich also mit üblichen Arbeitszeiten. Vereinzelt beginnen Spiele gar um 11 Uhr deutscher Zeit. Aber: Ab und zu auf das Handy schielen oder das Radio nebenbei laufen lassen, da kann der Arbeitgeber doch nichts sagen – oder?

Ursula Gunkel, Bielefelder Anwältin für Arbeitsrecht von Gunkel, Kunzenbacher und Partner, sagt ganz klar: "Wenn der Arbeitgeber nichts Gegenteiliges sagt, hat man als Arbeitnehmer keinen Anspruch darauf, die Spiele zu verfolgen. Während der Arbeitszeit hat man kein Recht auf etwas anderes, außer zu arbeiten." Das Event sei nicht so besonders, dass der Arbeitgeber eine Ausnahme machen müsse. Der Mitarbeiter müsse bis zur Pause warten.

Arbeitgeber können es sogar verbieten, dass betriebsinterne und eigene Geräte während der Arbeitszeit für private Zwecke genutzt werden. Und zur privaten Nutzung zählt eben auch, auf dem eigenen Handy den Spielstand zu prüfen oder am Firmenrechner einen Liveticker laufen zu lassen. "Das dürfte man nur, wenn es grundsätzlich erlaubt ist", sagt Gunkel. Ist dies nicht erlaubt und der Arbeitnehmer fliegt auf, kann der Chef eine Abmahnung aussprechen.

WM im Homeoffice? Auch dort gelten Regeln

Gleiches gilt im Homeoffice. Laut der Bielefelder Anwältin haben Mitarbeiter in Gleitzeit jedoch bessere Chancen. "Wenn die Leute für acht Stunden Aufgaben haben, ihre Zeit aber selbst einteilen können, dann können sie während des Spiels eine Pause einlegen und die Arbeit danach fortsetzen. Wenn das so geregelt ist, müsste man das nicht einmal groß absprechen." Aber einfach so Fernsehen zu schauen ohne die Arbeitszeit offiziell zu unterbrechen, sei unzulässig und könnte als Arbeitszeit-Betrug durchgehen. "Man kann nur eins: Fußball gucken oder arbeiten", sagt Gunkel.

Auch die Gewerkschaft IG Metall hat "Spielregeln zur Fußball-WM während der Arbeit aufgestellt". "Nur wer üblicherweise einen Fernseher am Arbeitsplatz hat, kann davon ausgehen, dass er während der Arbeitszeit beim Fußball reinschauen darf", heißt es darin. Und: "Ist es Beschäftigten auch sonst erlaubt, am Arbeitsplatz Radio zu hören, dürfte es für den Chef keinen Grund geben, dies ausgerechnet während der Weltmeisterschaft zu verbieten."

Aber auch Spiele, die nicht in die Arbeitszeit fallen, können sich auf die Arbeit auswirken. Nämlich dann, wenn der Arbeitnehmer bis spät in die Nacht geguckt hat und mit zu wenig Schlaf auf der Arbeit erscheint. "Man muss sich bei der Arbeit in einem Zustand befinden, in dem man leistungsfähig ist. Wenn man sich in seiner Freizeit total verausgabt, dann wird man seinen Pflichten nicht gerecht", sagt Ursula Gunkel. "Es muss natürlich auffallen, dass es wirklich am Fußball liegt und der Mitarbeiter nicht einfach nur krank ist. Aber wenn er langsamer ist als sonst oder er mittendrin einschläft, und das tritt mehrfach auf, dann könnte der Chef ihn abmahnen", sagt die Anwältin.

WM kann auch das Arbeitsklima fördern

Schwieriger wird es, wenn Alkohol im Spiel ist. Kommt der Mitarbeiter noch immer angetrunken vom Public Viewing ins Büro, sei das definitiv ein Abmahnungsgrund. "Das ist beim ersten und vielleicht auch zweiten Mal noch zu tolerieren, aber danach droht sogar eine fristlose Kündigung", sagt Gunkel.

Damit das Betriebsklima nicht unter der WM leiden muss, empfiehlt Gunkel den Arbeitgebern Folgendes: "Man könnte am Anfang eine kurze Ansprache halten und mal abfragen, wen die WM interessiert. Dann kann man individuelle Regeln aufstellen." Es müsse jedoch darauf geachtet werden, dass es für jeden gerecht ist, also auch für diejenigen, die Fußball nicht interessiert. "Wir haben zu solchen Anlässen immer ein gemeinsames Gucken mit den Mitarbeitern angeboten, wenn das Spiel direkt nach der Arbeit stattfindet", sagt die Anwältin. Für das Arbeitsklima sei das förderlicher als ein bloßes Verbot.

Gleiches schreibt auch die IG Metall: "Eine Fußballparty im Betrieb kann die Gemeinschaft fördern", heißt es. Ob dabei Alkohol konsumiert werden darf, lege aber der Arbeitgeber fest.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2022
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.