Pünktlich um 11 Uhr heulten die Sirenen und Smartphones, teilweise sogar schon gute zwei Minuten vorher. Bundesweit testete am 14. September das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) wieder, wie im Katastrophenfall gewarnt wird.
Erste Entwarnungen wurden gegen 11.45 Uhr über die Warn-Apps "Nina" und "Katwarn" gemeldet. Bei der Warnung über das Cell Broadcast System war keine Entwarnung vorgesehen. Mehrere Minuten war in OWL das Heulen der Sirenen zu hören, auf den Handys erschienen Warnhinweise, die auf den Probe-Notfallalarm hinwiesen.
Verbreitet wurde der Probealarm ab etwa 10:58 Uhr auch über Radio- und Fernsehsender und auf Stadtinformationstafeln. Wer nach 11 Uhr beispielsweise die App des Deutschlandfunks öffnete, erhielt dort auch den schriftlichen Hinweis: "In Deutschland findet heute der Warntag 2023 mit einer bundesweiten Probewarnung statt. Es besteht keine Gefahr."
Ministerin spricht von "vollem Erfolg"
Wer Warn-Apps wie Nina oder Katwarn auf seinem Smartphone installiert hat, erhielt auf diesem Weg auch einen Hinweis auf die Probewarnung. Bei Cell Broadcast geht die Warnung an alle dafür vorbereiteten Handys in einer bestimmten Funkzelle. Damit wurden also auch Touristen und andere Menschen mit ausländischen Mobilfunknummern, die sich gerade in Deutschland aufhalten, erreicht. Wer mit seiner deutschen SIM-Karte ins Ausland gereist war, erhielt am Donnerstag dagegen nur dann eine laute Warnung, wenn er eine der deutschen Warn-Apps installiert hat.
Beim vergangenen Warntag im Dezember erreichten die Warnungen neun von zehn Menschen, heißt es beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Das sollte am 14. September übertroffen werden.
Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) meldete bereits um etwa 12:30 Uhr, dass der Warntag nach ersten Auswertungen ein "voller Erfolg" sei. Faeser sprach davon, dass man mit den verschiedenen Warnungen "fast alle Menschen in Deutschland" erreicht habe. Die Innenministerin weiter: "An welchen Stellen wir die Warnsysteme weiter verbessern können, wird jetzt sorgfältig ausgewertet." Auch das BBK fand nach dem Warntag ein positives Urteil. „Die Vielfalt unserer Warnmittel wurde gleichzeitig ausgelöst, hat die Bevölkerung erreicht und gewarnt“, teilte BBK-Präsident Ralph Tiesler mit. Der Kreis Paderborn zeigt sich zufrieden: "Die 111 Sirenen im Kreis Paderborn, welche angesteuert wurden, haben alle eine Warnung ausgesendet. Somit sind alle Sirenen im Kreisgebiet für den Ernstfall einsatzbereit und voll funktionsfähig." Auch der Leiter der Leitstelle des Kreises Höxter Daniel Wulf vermeldete gegenüber der Lokalredaktion Erfolg: „Der Sirenenalarm lief reibungslos. Auch die Warnmeldungen direkt auf das Handy via Cell-Broadcast und die Warn-App Nina sind reibungslos ausgelöst worden.“
Der Bund testet die Warnkanäle einmal pro Jahr, immer am zweiten Donnerstag im September. Wie schon beim Warntag im vergangenen Jahr, so zeigten sich auch diesmal wieder Menschen irritiert, in deren Umgebung keine Sirene zu hören war. Sirenen waren nach dem Ende des Kalten Krieges vielerorts abgebaut oder nicht erneuert worden. Inzwischen gibt es aber Bemühungen, die Zahl von aktuell mindestens rund 38 000 Sirenen bundesweit wieder zu erhöhen.
Für die Warnung der Bevölkerung in NRW gibt es verschiedene Förderprojekte, erklärt Steffen Adams, Pressesprecher der Bezirksregierung Detmold. "Im Bezirk Detmold wurden insgesamt 469 Förderanträge für den Aufbau von Sirenen mit einem Gesamtförderbetrag von rund 3,7 Millionen Euro genehmigt", sagt Adams.
Warnungen sollen optimiert werden
In OWL bereite man sich seit Jahren intensiv auf Katastrophen und Warnungen vor, erklärt Adams weiter. Wetterereignisse wie Starkregen und lang anhaltende Trockenheit, Stromausfall, Gasmangellage sowie der Ausfall von IT-Struktur sind mögliche Ereignisse, auf die sich der Katastrophenschutz vorbereitet.
Die Bedeutung von Warnsystemen wurde im Sommer 2021 bei der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen deutlich, als Menschen nicht rechtzeitig über die drohende Gefahr informiert wurden. Danach kam eine breite Debatte über Verbesserungen in Gang. Der Bund förderte unter anderem mit fast 90 Millionen Euro den Ausbau des Sirenennetzes. Zudem wurde ein bundesweites System für sogenanntes Cell Broadcasting aufgebaut.
Beim Cell Broadcast kann jeder Handynutzer funkzellengenau erreicht werden. Cell Broadcast funktioniert allerdings nur bei Handys, die aktuell in der entsprechenden Funkzelle eingebucht sind. "Eine besondere Bedeutung kommt hier dem Einsatz der Warn-Apps zu", sagt Adams. "Über die Apps kann regional gezielt gewarnt werden und es können ereignisbezogene Verhaltensregeln übermittelt werden. Ein effektiver Einsatz der Warnapps kann beispielsweise dann erreicht werden, wenn sich möglichst viele Menschen die Apps 'Katwarn' oder 'Nina' auf dem Smartphone installieren", betont Adams. Die unterschiedlichen Warnmittel würden weiter ausgebaut und optimiert.
Umfrage soll Wirksamkeit prüfen
Zeitgleich mit dem Warntag startete eine Umfrage. Bürger können auf der Webseite www.warntag-umfrage.de ihre Erfahrungen mit der Probewarnung teilen. Erfragt wird beispielsweise, ob der Betreffende die Probewarnung über Cell Broadcast empfangen, im Radio oder über einen anderen Kanal gehört hat. Die Umfrage endet am 21. September. Die Daten und die technische Analyse, deren Auswertung für das Frühjahr 2024 geplant ist, sind Basis für die Vorbereitungen zum nächsten Warntag am 12. September 2024.
(Mit Material von AFP und dpa.)