Bielefeld. Die beiden Volksbanken "Bielefeld-Gütersloh" und "Herford-Mindener Land" fusionieren zu einem gemeinsamen Kreditinstitut für rund 290.000 Kunden und Kundinnen in der Region. Die zum 1. Januar 2024 entstehende "Volksbank in Ostwestfalen eG" werde mehr als 1.200 Beschäftigte und eine Bilanzsumme von mehr als 10,2 Milliarden Euro haben, teilten die beteiligten Häuser jetzt mit. In Bielefeld und den Kreisen Gütersloh, Herford und Minden-Lübbecke betreibt die Bank bisher insgesamt 47 Filialen. Inklusive der Selbstbedienungs-Filialen ohne Personal sind es gut 90 Standorte.
Der Zusammenschluss bringt einige Veränderungen mit sich, aber die Banken versprechen: "Alle geschlossenen Verträge behalten auch im Zuge der Fusion ihre Gültigkeit." Im Zusammenhang mit der Fusion seien keine Schließungen von Geschäftsstellen geplant, heißt es. Und fusionsbedingte Kündigungen werde es nicht geben. "Im Gegenteil, wir brauchen mehr Nachwuchskräfte, Spezialisten, Kundenberater", sagt Dennis Will, der Sprecher der Volksbank Bielefeld-Gütersloh. Allerdings müsse auch die neue Bank im Sinne von Mitgliedern, Kundinnen und Kunden betriebswirtschaftlich sinnvoll handeln, stellen die Kreditinstitute klar.
Die Vertreterversammlung der Volksbank Bielefeld-Gütersloh hat der angestrebten Fusion mit der Volksbank Herford-Mindener Land am Mittwochabend bei einer außerordentlichen Vertreterversammlung in der Stadthalle Bielefeld mit großer Mehrheit zugestimmt. Einen Tag zuvor hatte die Vertreterversammlung der Volksbank Herford-Mindener Land ebenfalls den Weg für den Zusammenschluss frei gemacht. Die Umfirmierung in Volksbank in Ostwestfalen soll nach den nächsten Vertreterversammlungen im Mai 2024 erfolgen. Die technische Fusion ist Ende August 2024 geplant.
Mehr Mitglieder als der genossenschaftliche Wettbewerber
Für die Kunden ändert sich vorerst wenig. Alle Konten bleiben erhalten, alle Girocards und Kreditkarten behalten ihre Gültigkeit. Kundinnen und Kunden der Volksbank Herford-Mindener Land erhalten allerdings aus technischen Gründen eine neue IBAN, wie die Bank mitteilte. Es werde dafür rechtzeitige Informationen und "ausreichende Übergangsfristen" geben. Daueraufträge sollen automatisch umgestellt werden.
Auch für die Mitglieder soll es keine Nachteile geben. Für je 500 Mitglieder wird ein Vertreter gewählt. Die Geschäftsguthaben der Mitglieder der Volksbank Herford-Mindener Land in Höhe von jeweils 50 Euro werden unverändert 1:1 übernommen. Und die Mitglieder der Volksbank Bielefeld-Gütersloh erhalten für jeden ihrer Geschäftsanteile im Wert von bisher 100 Euro zwei neue Anteile im Wert von 50 Euro.
Insgesamt zählt die Volksbank künftig mehr als 190.000 Mitglieder - rund 30.000 Mitglieder mehr als der regionale Rivale, die Verbund-Volksbank OWL mit Sitz in Paderborn. Die konkurrierende Verbund-Volksbank, die mit einer Bilanzsumme von ebenfalls mehr als 10 Milliarden Euro sowie gut 1.300 Mitarbeitern in 51 Filialen zu den 20 größten Genossenschaftsbanken Deutschlands gehört, ist in den Kreisen Paderborn, Höxter, Lippe, Minden und Gütersloh sowie mit dem Bankverein Werther in Bielefeld vertreten.
Dank erhöhter Finanzkraft werden größere Kredite möglich
Als Grund für die jetzt beschlossene Fusion wird der Wunsch genannt, ein leistungsstärkeres Institut zu bilden, das für die aktuellen Herausforderungen besser gerüstet ist - dabei gehe es etwa um den Umgang mit den wachsenden regulatorischen Anforderungen oder die Gewinnung von Fachkräften. Das Dienstleistungsangebot soll größer werden, und weil die Finanzkraft wächst, können zum Beispiel auch die Höchstkreditgrenzen steigen. Bestimmte Aufgaben können künftig gemeinsam erledigt werden, sagte ein Sprecher, dabei frei werdende Arbeitskräfte bleiben aber an Bord und werden anderweitig eingesetzt.
Der Sitz der neuen Bank soll Bielefeld sein, aber auch in Gütersloh, Herford und Minden werde es weiterhin Regionalzentren geben, heißt es. An der Spitze stehen mit Michael Deitert (Volksbank Bielefeld-Gütersloh) und Andreas Kämmerling (Volksbank Herford-Mindener Land) dann zwei Co-Vorstandschefs. Zum neuen fünfköpfigen Vorstand gehören auch Thomas Mühlhausen, Peter Scherf und Oliver Ohm.