Lippische Landes-Zeitung: Nachrichten aus Lippe, OWL und der Welt

Meinung

Kita-Krise in OWL: Bald wird die Not- zur offiziellen Dauerlösung

Es tut sich was beim Thema Kita-Krise. Und zwar Verheerendes. Die Einschläge kommen nicht näher, sie sind da. Erst vor kurzem verkündeten große Träger in OWL, dass sie ihr Personal auf absolute Mindestbesetzung runterfahren, um Personalkosten zu sparen. Nun kürzen Kommunen reihenweise das Angebot an U3-Plätzen. Vielerorts fallen Tagesmütter und -väter in besorgniserregendem Ausmaß weg.

Was aber vor allem alarmieren muss, ist, dass man Verzweiflungstaten wie Stundenreduzierung und Gruppenschließungen im Familienministerium plötzlich nicht mehr als Not- oder Übergangslösungen ansieht. Sondern als offizielles Betreuungsmodell der Zukunft handelt. Es werde nur geprüft, ob es künftig nur noch 35 Stunden Kernbetreuungszeit in NRW geben wird, um dem Fachkräftemangel zu begegnen, heißt es. Wer sich aber umhört im Landtag, erhält überall die gleiche Antwort: dass dieser Ausweg kommen wird.

Es wäre der elitärste und denkbar ungerechteste, denn damit würden die Chancen auf Kinderbetreuung und somit auch geregelter Berufstätigkeit künftig noch mehr zu einer Frage des Geldes als sie es jetzt schon sind. Ein wichtiger Bestandteil des Modells ist nämlich die Möglichkeit, sich zusätzliche Stunden über Extra-Beiträge dazubuchen zu können.

Es bleibt abzuwarten, wer davon dann überhaupt Gebrauch machen kann und soll. Denn für alle können diese Kontingente nicht ausreichen, sonst könnte man es ja gleich beim 45-Stunden-Modell belassen. Klar ist schon jetzt: Kinder aus armen Verhältnissen haben deutlich schlechtere Chancen auf einen Kitaplatz. Es scheint nicht sehr weit hergeholt, dass ihre Eltern im Fall der Fälle auch deutlich schlechtere Chancen auf bezahlbare Extra-Betreuungsstunden hätten.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2026
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.