Kreis Lippe/Hameln. Lange Staus auf den Straßen in Richtung der Städte, rappelvolle Parkplätze gleich am Vormittag - diese Bilder sind an Fronleichnam oder Allerheiligen in den niedersächsischen Nachbarstädten bekannt. Während die Lipper Nachbarn in Nordrhein-Westfalen ihren Feiertag genießen, wird dort gearbeitet. Werden die katholischen Feiertage noch immer zu „Lipper-Tagen“ mit großem Andrang in Hameln, Bad Pyrmont oder Rinteln? Die Redaktion hörte sich um. Die genaue Zahl der Feiertagspendler wird nicht erfasst, das Touristikzentrum Westliches Weserbergland stellt aber nicht fest, dass es über die letzten zehn Jahre weniger geworden sei. „Es hängt in erster Linie vom Wetter und der Lage des Feiertags ab – Stichwort langes Wochenende“, erklärt Matthias Gräbner. Wobei ihm Thomas Gieselmann, Vorsitzender des Einzelhandelsverbands Pro Rinteln, beipflichtet. Er stellt höchstens eine leichte Verschiebung des Umsatzes vom Shopping zum Erlebnistourismus fest – „die Gastronomie ist heute brechend voll“. Das sei wohl eher der gesamtgesellschaftlichen Tendenz zum Online-Shopping geschuldet. Hameln rechnet mit starkem Ergebnis Dennis Andres, Hamelns Stadtmanager, bestätigt, dass beim Werben für einen Besuch in Hameln das Motiv „Shopping” nicht mehr so stark in den Vordergrund gestellt werde, „sondern eher die Aufenthaltsqualität und die Erlebnisse im Allgemeinen“. Weil in der Fußgängerzone Passantenzähler eingesetzt werden, kann Andres die Entwicklung der Besucherströme gut nachvollziehen. „Insgesamt entwickelten sich die ,Lipper-Tage’ mit Blick auf die Frequenzen seit Corona positiv. Allerheiligen lag 2024 sogar leicht über dem Frequenzniveau von 2018/19.“ Fronleichnam habe 2024 noch deutlich hinter 2018/19 zurückgelegen, „allerdings bei 13 Grad und Dauerregen“. Er ist gespannt: „Dieses Jahr sollte sich zeigen, ob auch Fronleichnam so gefragt ist wie vor der Pandemie. Wir rechnen mit einem starken Ergebnis, auch am Freitag und Samstag.“ Stadt-Galerie Hameln mit „deutlich höheren Besucherzahlen“ Etwas verhaltender äußert sich mittags noch Holger Wellner, Vorsitzender des Hameln-Pyrmonter Einzelhandelsverbands. Er erinnert an lange Rückstaus auf der Pyrmonter Straße in Hameln und daran, dass schon früh kein Parkplatz mehr frei war - „das ist so nicht mehr“. Trotzdem würden für diese Tage mehr Mitarbeiter im Modehaus Wellner eingesetzt - und damit, dass es noch deutlich voller werden könnte, rechnen neben ihm auch die drei Verkäuferinnen hinter dem Tresen der Bäckerei Göing. Andrea Eichinger, Centermanagerin der Stadt-Galerie Hameln, spricht ebenfalls von „deutlich höheren Besucherzahlen“. An „mindestens einem der beiden Lippertage“ würden besondere Aktionen stattfinden. An Fronleichnam diesmal nicht, stattdessen „möchten wir die heutigen Besucher [...] gerne dazu animieren, auch am Samstag nach Hameln zu kommen“, unter anderem mit mobilen Modenschauen. Museum Hameln ist geschlossen Dass auch „Shoppen“ immer noch einen Stellenwert hat, macht eine Aussage des Tourismus-Fachmanns Gräbner deutlich. Mit Blick auf Gemeinden wie Aerzen und Emmerthal sagt er: Je mehr Shopping-Erlebnis eine Stadt gegenüber dem rein Lebensnotwendigen bieten kann, desto mehr profitiere man auch vom Lippertag. Das sieht auch Rintelns Stadtmarketing-Chef Daniel Jakschik so - die Bedeutung des Lippertags für Rinteln steige über die Jahre. Selber bewerbe man zwar – so wie die meisten anderen Städte – den Shopping-Aufenthalt nicht aktiv in NRW. „Allerdings wird der Tag von vielen Geschäftsinhabern bewusst genutzt, um mit eigenen Aktionen, Rabatten oder verlängerten Öffnungszeiten Besucher zu gewinnen“. Außerdem nutzten viele Besucher die kostenfreien Parkplätze direkt neben der Fußgängerzone. Überraschung: Parken auf dem Rathausplatz in Hameln Das Stichwort Parken ist für Helmut Fahle von der Werbegemeinschaft Bad Pyrmont dann doch eine kleine Werbekampagne wert, mit der über die extra für diesen Tag kostenfreien Parkplätze in der Kurstadt hingewiesen wird. Nicht kostenfrei, dafür diesmal aber legal, ist an diesem Donnerstag das Parken auf dem Hamelner Rathausplatz. In der Vergangenheit hatten Besucher dort verbotenerweise geparkt und Strafzettel kassiert, jetzt konnte dort geparkt werden - für 2,50 Euro den ganzen Tag, so wenig kostet es in Hameln sonst nur an der Ruthenstraße.