Bielefeld. Der Brief kam per Kurier. Vergangene Woche erhielten die Betreiber des „Süster Kiosk“ das mehrseitige Schreiben einer Anwaltskanzlei aus München, in dem die Juristen dezent darauf hinweisen, dass das knallbunte Logo des Kiosks mit den älteren Markenrechten ihres Mandanten kollidiere. Bei dem Mandanten handelt es sich um den milliardenschweren italienisch-niederländischen Süßwarenkonzern Perfetti Van Melle. Eine der 33 Marken des Hauses heißt „Center Shock“, und der Schriftzug des Kult-Kaugummis ähnelt durchaus dem Logo des Kiosks. Oder eben umgekehrt. „Wir haben das Logo als eine Hommage an die Kindheit verstanden“, erklärt Erdal Kolcu bei einer Tasse Mokka am Dienstagmorgen im mittlerweile stadtbekannten Laden an der Ritterstraße. Das war vor zwei Jahren. Schließlich habe jeder als Kind in die Kaugummis mit den markant-sauren Säften gebissen. Von den Wettbewerben auf Schulhöfen, die Mutproben gleichkamen, berichten auch die Anwälte des Herstellers: Wer traute sich, „gleichzeitig am meisten der Kaugummis verzehren und dem sauren Geschmackserlebnis standhalten“ zu können? In ihrem Schreiben verweisen die Spezialisten für Markenrechte auch auf sogenannte Challenges im Internet mit Promis wie der Sängerin Lena Meyer-Landrut und kommen dann zum Punkt: Selbstverständlich sei das angeführte Bildzeichen markenrechtlich für die Mandantin geschützt - und das seit 2008. Der Graffiti-Style der „Krispy Kebab“-Gründer hat vor zwei Jahren die triste Passage zwischen Süsterplatz und Oberntorwall maximal aufgewertet und das gezackte, in Neonfarben leuchtende Logo, vielen Nachtschwärmern den Weg gewiesen. Doch mit dem Logo sei jetzt leider Schluss, sagen die Macher. Vorwurf: Verletzung von Markenrechten und unlauterer Wettbewerb In dem sehr freundlich formulierten Schreiben hätten ihnen die Anwälte eine Frist von vier Wochen gesetzt, um keine Klage wegen der Verletzung von Markenrechten sowie eine Anzeige wegen unlauteren Wettbewerbs zu riskieren. Eine Sorge des Multis sei, die Kunden könnten irrtümlich annehmen, dass der Konzern und der Kiosk wirtschaftlich verbunden seien. „Das sind wir nur in der Form, dass wir natürlich auch ’Center Shock’ verkaufen - für 10 Cent pro Stück“, sagt Kolcu. Sechs der kleinen Boxen mit den Bonbons unterschiedlicher Geschmäcker stehen gleich auf Höhe der Kasse. Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von Süsterkiosk (@suesterkiosk) Von der Stirnwand der Passage ist das markante Logo bereits verschwunden, dort hat der Haus-Sprayer und Werbemaler Maik Enge bereits einen neuen Schriftzug platziert. Auch die alten Leuchtreklamen über den Eingängen müssen verschwinden und durch neue ersetzt werden. Das gleiche gelte für die Profilfotos auf den Social-Media-Kanälen wie Tiktok und Instagram. Auf Insta haben die Brüder das Dilemma mit dem mutmaßlichen Plagiat gleich öffentlich gemacht: „Mennnooo wir LIEBEN Center Shock! Ich schwöre, ein Kiosk hat mich früher immer an diesen sauren Kaugummi erinnert und genau deshalb dachten wir uns: Ey, lass mal ein bisschen Center Shock Vibe ins Logo bringen 😅“ und viel Zuspruch bekommen aus der Community: „Unglaublich, aber ist eben ihr Recht. Wäre eine gute Werbung für Center Shock“, kommentiert ein Follower. Tatsächlich taucht die Marke „Center Shock“ auf der Homepage des Konzerns Perfetti Van Melle gar nicht mehr direkt auf: Zu den weltweit vertriebenen Produkten zählen die Kaubonbons „Mentos“, die Lutscher von „Chupa Chups“ sowie Bonbons aus dem Sortiment „Alpenliebe“. Unter den regionalen Marken findet sich immerhin „Center Fruit“ - „Center Shock“ tritt erst auf der Seite des für den deutschen Markt verantwortlichen Tochterunternehmens CFP-Brands auf. Doch das nur am Rande. Denn abgesehen von der Kollision mit den älteren Markenrechten gibt es tatsächlich etwas, was die italienisch-niederländische Company und die Bielefelder verbindet: das Wachstum. Neue Kiosk-Marke „Prost Brudi!“ aus dem Hause „Krispy Kebab“ Während der Multi munter weiter weltweit Kaugummi-Marken aufkauft, stehen die Erfinder von „Krispy Kebab“ vor der Eröffnung weiterer Filialen in Bochum, Vechta und in Bielefeld an der Detmolder Straße. Mit dem Kiosk „Prost Brudi!“, ebenfalls an der Ritterstraße, startete das Duo gleich die nächste Eigenmarke und legte unmittelbar nach mit dem zweiten Standort an der Mielestraße, im Karree des Campus Nordpark.