Bielefeld. 330 öffentliche Ladepunkte für E-Autos gibt es aktuellen Zahlen zufolge in Bielefeld. 362 Ladestationen sind es sogar im Kreis Gütersloh, und der Kreis Paderborn zählt mit 433 öffentlichen Ladesäulen die meisten im Kreisvergleich in OWL. Mehrmals pro Jahr veröffentlicht die Bundesnetzagentur diese Zahlen. Doch bei genauer Betrachtung fällt auf, dass die Zahl der öffentlichen Ladepunkte in zwei Kreisen in OWL deutlich niedriger ausfällt. Denn im Kreis Herford, der flächenmäßig größere Kreis im Vergleich zur Stadt Bielefeld, gibt es lediglich 194 öffentlich zugängliche E-Ladestationen. Noch weniger sind es im Kreis Höxter, wo es gerade einmal 151 Ladepunkte gibt. Doch sind im Kreis Herford und im Kreis Höxter einfach weniger E-Autos unterwegs? Zumindest für den Kreis Höxter lässt sich das in der Theorie bestätigen. Insgesamt 4.170 rein elektrische Fahrzeuge seien dort derzeit angemeldet, teilt der Kreis auf Nachfrage dieser Redaktion mit. Rein rechnerisch kommen damit 27,6 Autos auf eine Ladestation. Zum Vergleich: In Bielefeld, wo der Stadt zufolge aktuell 10.656 angemeldete E-Autos auf den Straßen unterwegs sind, sind es 32,3 Fahrzeuge pro Ladestation. Doch ein Blick in den Kreis Herford, wo zum Stichtag 31. Oktober dieses Jahres 7.730 rein elektrische Fahrzeuge angemeldet waren, zeigt, dass dort mit 39,8 Fahrzeugen pro Ladesäule die Versorgung im Vergleich am schlechtesten ist. Keine Faustformel für die Ladeinfrastruktur Doch ganz so einfach ist es nicht. „Der Ladeinfrastrukturbedarf ist nicht per einfacher Faustformel zu erstellen, da sich die regionalen Gegebenheiten und demzufolge die regionalen Ladeinfrastrukturbedarfe unterscheiden“, erklärt Jessica Klahn von der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur (NOW), die im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums den Ausbau der Ladeinfrastruktur in Deutschland koordiniert. „Stattdessen orientieren sich die Ausbauaktivitäten an verschiedenen Faktoren wie Siedlungsstrukturen, Einwohner- und Beschäftigtenzahlen, dem aktuellen Bestand öffentlicher Ladeinfrastruktur sowie den aktuellen und prognostizierten Beständen von Elektrofahrzeugen.“ Dass es in ländlicheren Räumen, wie im Kreis Höxter oder auch in Teilen im Kreis Herford, weniger öffentliche Ladepunkte gibt, hänge aber auch mit der Platzverfügbarkeit zusammen, sagt Klahn. „In ländlichen Regionen gibt es allein aufgrund des größeren Platzangebots mehr private Lademöglichkeiten in Form von Wallboxen in der Garage als in städtischen Regionen.“ Für private Investoren, die den Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur in Deutschland größtenteils vorantreiben, sei es daher häufig attraktiver, zunächst in dichter besiedelten Gegenden Ladeinfrastruktur aufzubauen. Deutschlandnetz für flächendeckenden Ausbau Damit der Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur dennoch flächendeckend ist und die nächste Ladestation im Idealfall immer erreichbar ist, hat der Bund das sogenannte Deutschlandnetz auf den Weg gebracht. „Die mehr als 1.000 Standorte mit rund 9.000 Schnellladepunkten, die auf dem Land, in der Stadt und entlang der Autobahnen entstehen, stellen sicher, dass der nächste Schnellladepunkt überall in Deutschland in wenigen Minuten zu erreichen ist“, erklärt Klahn. .responsive23-EB9J7PjrRtxE1HrU-choro-anzahl-ladepunkte-nach-kreisen { width: 100%; padding-top: 100%; } @media (max-width: 600px) { .responsive23-EB9J7PjrRtxE1HrU-choro-anzahl-ladepunkte-nach-kreisen { padding-top: 100%; } } @media (max-width: 360px) { .responsive23-EB9J7PjrRtxE1HrU-choro-anzahl-ladepunkte-nach-kreisen { padding-top: 166.67%; } } Unterstützt werde die Planung vom NOW mit einem Standorttool und einem Ausbaumonitoring, die den aktuellen Bestand an Ladepunkten zeigt und zukünftigen Ausbaubedarf aufzeigt. „Diese Informationen sind auch für die Kreise und Kommunen einsehbar“, sagt Klahn. 550 weitere Ladestationen in Bielefeld Während sich die Kreise Höxter und Herford nicht zu den Ausbauplänen der Ladeinfrastruktur äußern, gibt die Stadt Bielefeld bekannt, dass der weitere Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur „in Bearbeitung“ sei. Im ersten Schritt seien 550 weitere Normalladepunkte in Planung, teilt die Stadt mit. Wie viele öffentlich zugängliche Ladestationen es tatsächlich geben muss, um eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten, darüber gibt es unterschiedliche Einschätzungen. Rund 180.000 Ladepunkte gibt es derzeit in Deutschland, eine Million sollen es 2030 sein, das hat sich die Bundesnetzagentur zum Ziel gemacht. Doch auch der Allgemeine Deutsche Autoclub (ADAC) bekräftigt, dass die öffentliche Ladeinfrastruktur in ländlichen Räumen wie im Kreis Höxter und im Kreis Herford genauso wie an Autobahnen und in den Städten vorangetrieben werden muss.