Steinheim. „Es ist jetzt ein Punkt erreicht, an dem es einfach nicht mehr geht“: Steinheims Kolpingsfamilie sagt offen, wie erschöpft sie ist. Dabei hat die Gemeinschaft des katholischen Sozialverbandes Kolpingwerk den Blick auf ihren Containerdienst in der Emmerstadt gelegt. „Das Müllaufkommen an den Standorten hat unglaubliche Dimensionen erreicht“, so Werner Günter vom Leitungsteam. Nach 28 Jahren gibt die Kolpingsfamilie also auf. Wer reinigt nun künftig Steinheims Containerstellplätze? Einst begann der Containerdienst der Steinheimer Kolpingsfamilie so: „Weil nach über 30 Jahren durch die Einführung der blauen Tonne keine Papiersammlungen mehr möglich waren, nahm die Kolpingsfamilie im Jahr 1997 das Angebot der Stadt an, die Stellplätze der Glascontainer in der Großgemeinde zu reinigen“, erinnert sich Günter. Im Laufe der Jahre haben über 50 Helfer ehrenamtlich mitgewirkt. „Früher waren es mal 12 bis 13 Teams, zuletzt noch 10“, so Günter weiter. Zuletzt führte sie der Containerdienst zu 17 Plätzen in Steinheim und den Ortschaften. Die Kolpingsfamilie nennt dazu noch eine beachtliche Zahl: „In den gut 28 Jahren wurden seither knapp 1.500 Einsätze gefahren“. Kolpingsfamilie reinigte 28 Jahre die Plätze Doch diese Einsätze wird es ab sofort nicht mehr geben: „Es war jetzt ein Punkt erreicht, an dem es wirklich nicht mehr ging – es gibt wohl nichts in einem Haushalt, was an den Containerplätzen in den vergangenen Jahren nicht entsorgt worden ist – von Kinderspielzeug über kleine und große Elektroteile, Schränke, Sofas, Waschmaschinen, Farbeimer, Spiegel bis hin zu Autoreifen und sogar Spritzen“, schildert das Leitungsteam der Kolpingsfamilie. Und so fand am 27. Dezember die letzte Aktion der Ehrenamtler der Gruppe des Kolpingwerkes statt. Frustriert resümieren sie: „In den letzten Monaten wurden auch immer mehr Hausmüll, faules Obst, schimmelige Lebensmittel sowie gebrauchte Windeln abgelagert – es ist für die Helfer teilweise sehr ekelig geworden“. Ein bekanntes Problem, das auch weit über Steinheims Stadtgrenzen hinaus zunimmt. Geld floss in das Begegnungszentrum in Steinheim Ein ganz ähnliches Problem sind parallel die Altkleidercontainer: „Obwohl sie regelmäßig geleert werden, sind sie trotzdem oft voll oder verstopft. Es finden sich immer mehr Kleidersäcke vor den Containern, vielfach aufgerissen und unbrauchbar“, so die Steinheimer Kolpingsfamilie. Und weiter: „Der Altkleidermarkt ist kaputt und lohnt sich nicht mehr. Die Ware wird immer schlechter, der Müll in den Containern nimmt zu“. In vielen Orten würden Kleidercontainer bereits abgezogen. „In den ersten zehn Jahren ist der Erlös der Containeraktionen größtenteils für soziale Kolpingprojekte in Mexiko, Indien und andere Zwecke gegangen“, erzählt Günter. Seit dem Bau des Begegnungszentrums sei ein Großteil in eben dieses Zentrum geflossen. Inzwischen aber überschatte der Müll-Frust die einstige Motivation der Helfer: Bei einem Dankesabend haben sich die Helferteams kürzlich deutlich dafür ausgesprochen, diese Aktionen nicht weiter durchzuführen. „Dieses Ehrenamt ist durch verantwortungslose Bürger unzumutbar geworden“, zeigt sich die Kolpingsfamilie enttäuscht. Steinheims Verwaltung sucht nach einer Lösung Am Tag der letzten Stellplatz-Reinigungsaktion durch die Steinheimer Kolpinger kamen die aktuellen Helfer zu einem Abschlusstreffen mit kleinem Imbiss zusammen. Bürgermeister Carsten Torke war ebenfalls da, um für die vielen Jahre der ehrenamtlichen Arbeit zu danken. Er zeigt für den Entschluss durchaus vollstes Verständnis: „Mir war es wichtig, mich beim Vorstand und den Mitgliedern herzlich für die jahrzehntelange tatkräftige Unterstützung der Stadt Steinheim zu bedanken. Gleichzeitig habe ich mein Verständnis für die Entscheidung zum Ausdruck gebracht, dieses Engagement aufzugeben“, so Torke. Bei aller Motivation sei es ein frustrierender Kampf gegen Windmühlen, diese Stellplätze zu reinigen und habe zudem hinsichtlich des Zumutbaren längst alle Grenzen überschritten. Das Stadtoberhaupt betont aber auch: „Die illegale Müllentsorgung ist kein alleiniges Steinheimer Problem, sondern beschäftigt Städte und Kreise landesweit“. Nur gibt es derzeit noch kein effektives System, um die illegale Müllentsorgung endlich einzudämmen. Steinheims Bürgermeister spricht von einer „Frechheit“ „Die Behörden haben noch keine wirkliche Lösung des Problems gefunden, Kameras sind wohl nicht erlaubt“, sinniert die Steinheimer Kolpingsfamilie. In zahlreichen Ausschüssen waren mögliche Konzepte in den vergangenen Jahren in der Emmerstadt bereits Thema. Auch auf kunstvolle Weise hat man 2022 schon versucht, die Übeltäter zu ermahnen: Dort, wo eigentlich Kleidung gespendet oder Altglas eingeworfen werden soll, sieht es nämlich auch nahe des Kulturzentrums regelmäßig nach einer großen Abladefläche für Sperrmüll und Unrat aus. Lokale Künstler wie Gerd Leifels mahnten dort vor drei Jahren mit (klaren) Botschaften auf großen Leinwänden, die Plätze nicht zu vermüllen. Doch stadtweiten Erfolg kann man in Steinheim dadurch nicht verzeichnen. Wie also geht es jetzt mit den Containerstellplätzen weiter? „Bis auf Weiteres wird die Reinigung der Plätze im wöchentlichen Turnus durch Mitarbeiter des städtischen Bauhofs ausgeführt“, sagt Torke auf Anfrage der NW, „ihnen gilt unser aller Dank dafür – denn, wenn es auch im Rahmen des Dienstes erfolgt, es ist eine Frechheit, was uns da von rücksichtslosen und uneinsichtigen Mitmenschen auferlegt wird“.