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Gütersloh

Tatort Baustelle

Diebe stehlen immer häufiger Werkzeuge und Diesel / Die Kosten tragen die Unternehmen

Bauarbeiter sind für ihre Arbeit auf Werkzeuge angewiesen. Doch immer häufiger werden Baustellen von Dieben heimgesucht, die Werkzeuge oder Diesel entwenden. An der Baustelle Osnabrücker Landstraße /Ecke Avenwedder Straße stahlen unbekannte Täter sogar eine Benzin-Motorflex. - © FOTO: LENNART KRAUSE
Bauarbeiter sind für ihre Arbeit auf Werkzeuge angewiesen. Doch immer häufiger werden Baustellen von Dieben heimgesucht, die Werkzeuge oder Diesel entwenden. An der Baustelle Osnabrücker Landstraße /Ecke Avenwedder Straße stahlen unbekannte Täter sogar eine Benzin-Motorflex. (© FOTO: LENNART KRAUSE)

Gütersloh. Diebe haben es immer häufiger auf Baustellen abgesehen. Allein am Dienstag meldete die Polizei drei Fälle von Baustellendiebstahl. Neben teuren Werkzeugen stehlen die Täter auch Dieselkraftstoff. Für die Bauunternehmer bedeuten die Diebstähle gleich doppelten Ärger.

Gleich zweimal gingen unbekannte Täter auf der Baustelle an der Osnabrücker Landstraße/ Ecke Avenwedder Straße auf Beutezug. Dort, wo bald ein Discount-Supermarkt eröffnen soll, stehen Kräne, Bagger und Werkzeugcontainer. An letzterem fanden die Baustellendiebe offenbar besonderes Interesse.

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Kupferpreis verlockt die Langfinger

Neben Werkzeugen sind die Baustellendiebe vor allem an Kupfer interessiert. Sie entwenden laut Polizei nicht nur Kabel, sondern auch Kupfer-Armaturen aus leerstehenden Neubauten.

Grund für die Zunahme der Kupferdiebstähle dürfte der konstant hohe Weltmarktpreis für das Halbedelmetall sein. Dieser liegt bei über 8.000 US-Dollar pro Tonne. Umgerechnet sind das mehr als 6.200 Euro. Bei dem Diebstahl vom Wochenende, als Unbekannte von einer Baustelle an der Brockhäger Straße Kupferkabel mit einem Gesamtgewicht von rund 500 Kilogramm entwendeten, macht das zumindest theoretisch eine Beute im Wert von mehr als 3.000 Euro.

Mit Baustellen- und Kupferdiebstählen hat nicht nur Gütersloh zu kämpfen. Die Handwerkskammer zu Bielefeld bestätigt, dass Unternehmer der Region das Problem immer wieder ansprechen. Allerdings sei, so Sprecherin Ulrike Wittenbrink, die Handwerkskammer der falsche Ansprechpartner. Helfen könne nur die Polizei. (lek)

Sie brachen den Container auf und entwendeten laut Polizei diverse Werkzeuge. Darunter auch eine Benzin-Motorflex und die dazugehörigen Trennscheiben. Damit aber nicht genug. An der selben Baustelle zapften die Unbekannten rund 600 Liter Dieselkraftstoff von einem Autokran und einem Radlader ab.

"Die Diebstähle haben in jedem Fall zugenommen", sagt Ulrich de Carnée. Er leitet eine gleichnamige Baufirma in Gütersloh. Besonders ärgert de Carnée, dass die Diebstähle seine Firma in doppeltem Sinne treffen. "Ohne Werkzeug können wir nicht arbeiten, dieser Verzug kostet Geld", sagt der Bauunternehmer. Zudem müsse er die gestohlene Geräte erneut kaufen und auch dafür bezahlen. "Normale Werkzeuge kann man nicht versichern", sagt de Carnée.

Kabelklau in Rohbauten

Doch neben dem Werkzeug haben es Baustellendiebe immer wieder auch auf Baustoffe abgesehen. Kupferkabel etwa sind ein stetig beliebter werdendes Diebesgut. Auch in Gütersloh schlugen Kupferdiebe zu. Am Wochenende entwendeten sie Kabel mit einem Gewicht von rund 500 Kilogramm. "Teilweise werden sogar schon verlegte Kabel aus Rohbauten gestohlen", sagt der Gütersloher Polizeisprecher Karl-Heinz Stehrenberg. Er bestätigt, dass die Baustellendiebstähle zumindest "gefühlt ansteigen." Eine genaue Zahl könne er nicht nennen, da die Polizei die illegalen Baustellen-Beutezüge nicht separat erfasst. "In der Erfassung laufen sie unter der normalen Rubrik Diebstähle", sagt Stehrenberg.

Eine Erklärung, warum Baustellen immer wieder von Dieben heimgesucht werden, hat der Polizist aber parat. "Meist ist die Häufung saisonbedingt", sagt Stehrenberg. Seien die Marktpreise etwa für Kupfer hoch, steige das Interesse der Täter. "Dazu kommt, dass Baustellen immer draußen sind und die Täter sie daher sehr einfach und unerkannt erreichen können", sagt Stehrenberg. Dies bestätigt auch Bauunternehmer de Carnée.

Eine Lösung für das Diebes-Problem hat er derweil nicht. "Ein Sicherheitsdienst, der nachts die Baustelle bewacht, wäre viel zu teuer", sagt de Carnée. Er hofft daher auf den gesunden Menschenverstand. "Für das bisschen Geld, dass sich mit den Werkzeugen verdienen lässt, sollten die Diebe lieber zwei Stunden arbeiten gehen."

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