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Bielefeld

Hooligan-Prozess: Gericht zeigt Polizeivideo vom Überfall

Angeklagter aus Leopoldshöhe auf Video identifiziert

Der zweite Haupttäter, ein 21-jähriger Hooligan aus Leopoldshöhe, stürmt gut sichtbar über die Jöllenbecker Straße. Er verfolgt einen anderen Bremen-Anhänger. Dass er zuschlägt, wie viele der Angeklagten bezeugt haben, ist nicht zu sehen.

Plötzlich stößt ein dritter Hooligan aus der Wittekindstraße ins Bild. Es ist der 23-jährige Bielefelder, der durch seinen Anwalt gestern seine Stellungnahme verlesen ließ ("Ich kann mir bis heute keine befriedigende Antwort geben, warum ich eingegriffen habe"). Er tritt mit Schwung gegen einen Werder-Fan, der offenbar versucht hatte, zu seinem schwerverletzten Freund zu gelangen. Der Tritt des 23-Jährigen streift den Werderaner am Rücken, er flüchtet, Philipp G. holt ihn ein und schlägt ihm ins Gesicht. "Verpisst Euch", brüllt er ihn an.

Die Attacken der Ultras sind damit beendet. Die meisten von ihnen haben die Anwesenheit der Polizei registriert und flüchten jetzt. Zuvor hatten sie noch mit Händen in den Hosentaschen vor dem Bewusstlosen gestanden. Getan haben sie nichts.

Die Kamera von Dirk Wüstenbecker, der inzwischen aus dem Auto gestiegen ist, schwenkt über die Kreuzung. Man sieht SKB Thoren Düsenberg, der aus dem Auto auf die linke Straßenseite gestürzt ist, bei einer Festnahme. Philipp G. leistet keinen Widerstand. Auf der rechten Seite fliehen die Ultras. Malte K. liegt unverändert auf dem Boden. Wüstenbecker alarmiert gut hörbar Notarzt und Rettungswagen. Erst jetzt eilt ein Mann, der sein Fahrrad auf den Radweg geworfen hat, dem Schwerstverletzten zu Hilfe. Eine Radlerin mit einer gelben Regenpellerine radelt an beiden vorbei. Der durch Schläge und Tritte in die Flucht geschlagene Werder-Fan kehrt ins Bild zurück und ruft verzweifelt in Richtung Wüstenbecker: "Einer ist fast tot und du filmst da."

Das Polizeivideo hat eine Länge von 78 Sekunden. Nach Übereinstimmen der Prozessbeteiligten hatte der eigentliche Überfall maximal eine Länge von 36 Sekunden. Alles ging rasend schnell. Für die Angegriffenen waren es offensichtlich die längsten Sekunden ihres Lebens. Für Malte K. (26) wären es fast seine letzten gewesen.

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