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Paderborn

Brüder betrieben Marihuana-Plantage in Paderborn

Angeklagte müssen mehrere Jahre hinter Gitter / Anleitung stammte aus dem Internet

Die Brüder scheuten weder Kosten noch Mühen, um für das Marihuana optimale Bedingungen zu schaffen. - © FOTO: POLIZEI
Die Brüder scheuten weder Kosten noch Mühen, um für das Marihuana optimale Bedingungen zu schaffen. (© FOTO: POLIZEI)

Paderborn (JS). Ansgar G. (29) besitzt einen grünen Daumen und großes handwerkliches Geschick, während seinem acht Jahre jüngeren Bruder Alfred (alle Namen geändert) kaufmännisches Treiben gar nicht fern liegt. Eine feine Konstellation, ganz genau passend für den Betrieb einer Marihuana-Plantage, dachte sich das Paderborner Brüderpaar und plante, mit einer solchen Einrichtung die, wie sie hofften, kurze berufliche Durststrecke zu überbrücken.

Doch bevor es wieder zurück ins bürgerliche Leben ging, klickten die Handschellen. Mittwoch mussten sich die beiden, die selbst mit Drogen nichts am Hut haben, vor dem Landgericht Paderborn verantworten.

Im Herbst 2011 hatten die Paderborner in Lichtenau-Atteln ein Wohnhaus angemietet. Doch statt dort zu leben, züchteten sie auf den 182 Quadratmetern Wohnfläche Marihuana. "Professionell aufgebaut" sei die Plantage gewesen, berichtete ein Kriminalbeamter. Ob Belüftung, Beleuchtung oder Bewässerung – den Pflanzen mangelte es an nichts. Mehr als 7.000 Euro hatten die Brüder in das notwendige Equipment investiert, aber auch viel handwerkliches Geschick in ihr Unternehmen eingebracht. Um ihr kriminelles Treiben vor der Außenwelt zu verbergen, gingen Ansgar und Alfred G. hinter eigens verklebten Fenstern auf Tauchstation.

Mit unerwünschten Folgen, denn so machte sich ihre Vermieterin nach beunruhigenden Nachrichten aus der Nachbarschaft Sorgen um ihre Immobilie. Nach vergeblichen Versuchen, mit ihren Mietern Kontakt aufzunehmen, rief sie die Polizei auf den Plan. Und die entdeckte in Atteln über 200 Marihuana-Pflanzen. Zwei Ernten hatten die Brüder bereits eingefahren und an einen Abnehmer abgegeben.

Trotz umfänglicher Geständnisse mochte das Gericht keine Milde walten lassen. Es schloss sich weitestgehend den Ausführungen von Staatsanwalt Fabian Klein an, der das Vorgehen der Angeklagten als sehr professionell charakterisiert hatte. Ansgar G. muss so für drei Jahre und acht Monate, sein Bruder für drei Jahre und vier Monate in Haft. Letzterer hatte den Hauptabnehmer namentlich benannt.

Den Fall hatten die Verteidiger Jost Ferlings und Peter Heeg aber ganz anders beurteilt. Zwar sei es dem bis dato völlig unbescholtenen Ansgar G. und seinem nur minimal vorbestrafter Bruder Alfred gelungen, mit Hilfe professioneller Anleitungen aus dem Internet eine Drogenplantage aufzubauen. Doch ihr kriminelles Handeln selbst hätten sie nicht verbergen können. "Es sind zwar gute Handwerker, aber keine begabten Kriminellen", so die Verteidiger.   

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