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INTERVIEW

Wirtschaftsweise über die Eurokrise und ihre Heimat Paderborn

Die gebürtige Paderbornerin Claudia Buch ist die einzige Frau unter den fünf Wirtschaftsweisen, die der Bundesregierung jedes Jahr Prognosen über das Wirtschaftswachstum vorlegen. - © FOTO: MARC KÖPPELMANN
Die gebürtige Paderbornerin Claudia Buch ist die einzige Frau unter den fünf Wirtschaftsweisen, die der Bundesregierung jedes Jahr Prognosen über das Wirtschaftswachstum vorlegen. (© FOTO: MARC KÖPPELMANN)

Paderborn. Professor Dr. Claudia Buch ist die einzige Frau unter den fünf Wirtschaftsweisen, die der Bundesregierung jedes Jahr Prognosen über das Wirtschaftswachstum vorlegen. Annika Falk sprach mit der 46-jährigen Paderbornerin über Eurokrise, Finanztransaktionssteuer und ihre Liebe zur Domstadt.

Frau Buch, Sie hatten eigentlich vor, Journalistin zu werden, und haben zu Schulzeiten ein Praktikum bei dieser Zeitung gemacht. Warum haben Sie sich von diesem Wunsch abgewendet?
CLAUDIA BUCH: Während des Studiums habe ich bei verschiedenen Zeitungen und Nachrichtenagenturen gearbeitet, aber es ist ein kurzlebiges Geschäft. Mich hat dann eher das Langfristige an der Forschung gereizt. Aber das Grundinteresse, Wissen zu vermitteln und Zusammenhänge zu erklären, ist geblieben, und so hat mein Beruf etwas Ähnlichkeit mit dem Journalismus.

Sie haben Paderborn direkt nach dem Abitur verlassen. Was verbinden Sie heute mit der Domstadt?
BUCH: Es ist das Heimatgefühl. Ich habe in verschiedenen Städten gelebt. Letztlich fühle ich mich aber meiner alten Heimat besonders verbunden. Der Kontakt zur Familie ist mir sehr wichtig. Und ich kaufe in Paderborn auch gerne ein.

Überraschende und kurzfristige Berufung in den Sachverständigenrat

Vor einem Jahr wurden Sie in den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung berufen. War das für Sie überraschend?
BUCH: Klar, denn die Entscheidung wurde kurzfristig getroffen, und man kann nicht damit rechnen, als Nächstes in den Rat berufen zu werden. Aber ich habe sofort und gerne zugesagt. Die Themen, die ich jetzt im Rat bearbeite, habe ich vorher schon in der wirtschaftspolitischen Beratung betreut.

Wofür sind die Prognosen des Sachverständigenrates wichtig?
BUCH: Die Prognosen liefern der Politik wichtige Größen, auf denen viele wirtschaftspolitische Entscheidungen, zum Beispiel in der Finanzpolitik, aufbauen. Die Prognosen prägen zudem die Wahrnehmung der Öffentlichkeit darüber, was die Arbeit von Ökonomen ausmacht. Ein Vorwurf, der dem Fach häufig gemacht wird, lautet: "Ihr prognostiziert die ganze Zeit, aber die Krise habt ihr nicht vorhergesehen." Das stimmt so nicht. Unser Ziel ist es auch, andere Themen, die längerfristiger und struktureller angelegt sind, in die Öffentlichkeit zu tragen. In einem Sondergutachten haben wir uns ausführlich mit der Eurokrise beschäftigt, im aktuellen Jahresgutachten entwickeln wir ein Modell für den Übergang zu einer Bankenunion.

Information

Beeindruckender Lebenslauf

•Nach dem Abitur am Theodorianum studierte Claudia Buch Volkswirtschaftslehre in Bonn und Wisconsin.
•Danach forschte sie in New York und Michigan, promovierte in Kiel.
•2004 übernahm sie den Lehrstuhl für Wirtschaftstheorie an der Uni Tübingen.
•Buch ist im Wissenschaftlichen Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium. Sie hatte 2008 bis 2012 den Vorsitz inne.
•Vor einem Jahr wurde sie von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler in den Sachverständigenrat berufen als Nachfolgerin von Beatrice Weder di Mauro. (faa)
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