Bielefeld. "Wer Sperrmüll auf verwertbare Stoffe durchsucht oder Gegenstände entfernt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße bis zu 5.000 Euro geahndet werden kann." Immer mehr Kommunen verteilen vor Sperrmüllsammlungen solche oder ähnliche Aufkleber an die Haushalte mit der Bitte, die Aufkleber auf die an der Straße zur Abholung bereitgestellten Kühlschränke, Waschmaschinen oder andere Elektrogeräte anzubringen.
Die erfreuen sich nämlich bei fliegenden Händlern angesichts steigender Rohstoffpreise wachsender Beliebtheit - sie fahren die Sperrmüllrouten der städtischen Abfallbetriebe am Abend vorher ab und nehmen alles mit, was beim Wiederverkauf an Schrotthändler Geld verspricht. "Wir haben in Ennepetal innerhalb von einer Stunde am Abend vor dem Abholtermin in einer Straße 47 Durchfahrten von Müllsammlern registriert. Die hinterlassen ein Chaos auf den Bürgersteigen, schädigen die Umwelt und verursachen für die Kommunen auch einen finanziellen Schaden", sagt Abfallberaterin Elisabeth Henne.
Die Umwelt leidet unter dem illegalen Abtransport von Elektrogeräten, weil häufig die Kompressoren von Kühlschränken abgetrennt werden. Bei älteren Geräten wird dabei der Klimakiller FCKW in die Atmosphäre freigesetzt - pro Kühlschrank wird das Klima so geschädigt wie bei einer 20.000 Kilometer langen Fahrt eines Dieselautos.
Nach Schätzungen der Noex AG aus Grevenbroich, die zu den Stadtwerken Krefeld gehört, werden jährlich in Deutschland 2,4 Millionen FCKW-Geräte entsorgt, wobei in 480.000 Fällen der Kompressor umweltschädlich entfernt wird. Laut Noex-Mitarbeiter Axel Riemann stehen nur die Hälfte der von Bürgern angemeldeten Elektrogeräte bei der Abholung am Straßenrand.
Finanziell entsteht den Städten und Kreisen ein Schaden, weil sie immer häufiger selber Rohstoffe weiterverkaufen, um ihre Gebühren stabil zu halten. "Von 2009 auf 2010 hat sich der Anteil des Sperrmülls in unserem Kreis halbiert und er war dabei komplett metallfrei. Das hat natürlich negative Konsequenzen für den Preis, den wir vom Händler bekommen", sagt Henne.
Im Ennepe-Ruhr-Kreis hat man inzwischen den Sperrmüllanteil wieder deutlich steigern können, unter anderem durch regelmäßige sonntägliche Kontrollen von Kommunen und Polizei in den Sammelgebieten und Platzverweise für Sammler. "Wir machen Straßenkampf, nur so kann man etwas erreichen", sagt Henne.
Auch die Deutsche Bahn hat mit Metalldiebstahl zu tun. Im vergangenen Jahr wurden in 2.718 Fällen zum Beispiel Kabel und Leitungen geklaut, was zur Verspätung von 17.000 Zügen und einem Schaden von 17 Millionen Euro führte. Vor allem die Bahnkunden in Nordrhein-Westfalen mussten darunter leiden, gefolgt von Sachsen und Sachsen-Anhalt. "Wir setzen seitdem alternative Werkstoffe für Kupfer wie zum Beispiel Stahl und Aluminium ein und kennzeichnen die Materialien mit einer künstlichen DNA. Das hat im ersten Halbjahr 2013 schon zu einem Rückgang von 40 Prozent bei den Diebstählen geführt", sagt Sylvia Großmann, Beauftragte für Konzernsicherheit bei der Deutschen Bahn.
Die Deutsche Bahn arbeitet inzwischen mit der Deutschen Telekom, RWE, Tennet, Vattenfall, 50 Hertz, TransnetBW, ThyssenKrupp Steel, Amprion sowie dem Verband Deutscher Metallhändler und der Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen in einer Sicherheitspartnerschaft zusammen. Sie wollen zum Beispiel bei gemeinschaftlich genutzten Schachtanlagen und Kabelkanälen wirksame Vorkehrungen gegen den Diebstahl treffen.