Rheda-Wiedenbrück (nw). Spezialisten der Bundespolizei haben am Dienstag aufgrund eines Gerichtsbeschlusses des Amtsgerichts Bielefeld die Wohnung eines 26-jährigen Türken aus Rheda-Wiedenbrück (Kreis Gütersloh) durchsucht und umfangreiches Beweismaterial sichergestellt. Der Beschuldigte soll in großem Stil illegalen Handel mit Bahnfahrscheinen getrieben und einen Schaden im sechsstelligen Bereich verursacht haben. Mit im Gepäck hatten die Beamten auch gleich einen Haftbefehl gegen den bereits einschlägig vorbestraften Mann.
Seref A. steht im dringenden Tatverdacht, über eineinhalb Jahre hinweg mittels geklauter Kreditkartendaten mehr als 1.000 hochwertige Online-Tickets der Deutschen Bahn ergaunert und gezielt an ahnungslose Kunden zum Schnäppchenpreis von durchschnittlich 40 Euro weiterverkauft zu haben. Nachdem er im Internet seine blauäugigen Interessenten für die Tickets akquiriert hatte, besorgte er sich über dubiose Internetforen von unbekannten Hackern im Netz ausgespähte Kreditkartendaten.
Mit diesen war er in der Lage, sofort online die gewünschten Fahrkarten im Wert von bis zu 280 Euro direkt für seine Abnehmer zu buchen und per E-Mail unmittelbar an diese weiterzuleiten.
Bezahlen ließ sich der Hartz-IV-Empfänger dabei stets über anonyme Online-Bezahldienste wie "UKash" oder "Paysafe". So blieb seine eigene Identität zunächst perfekt verschleiert. Im Zuge mehrmonatiger, umfangreicher Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bielefeld und der Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung München gelang es den Ermittlern jedoch relativ schnell, auf die Spur des gewieften Internetkriminellen zu kommen. Trotz aller Vorsicht, insbesondere beim Einsatz der erlangten Paysafe und UKash-Codes, hatte der Mann bei seinen Aktivitäten doch eindeutige Spuren im World-Wide-Web hinterlassen.
Nach ersten Schätzungen der ermittelnden Beamten hat Seref A. in den vergangenen zwölf Monaten mit seiner Masche etwa 40.000 Euro verdient. Ausgegeben hat er das Geld da, wo er es erlangt hatte: In diversen Online-Shops, auf Download-Plattformen und bei Online-Casinos löste er seine Cash-Codes wieder ein. Der von Seref A.
verursachte Gesamtschaden zum Nachteil der Deutschen Bahn AG, diverser Kreditkartenfirmen und Privatpersonen beläuft sich nach derzeitigem Stand der Ermittlungen auf etwa 130.000 Euro.
Seref A. wurde noch am Dienstag in die Justizvollzugsanstalt Bielefeld eingeliefert. Ihn erwartet nun ein Strafverfahren wegen gewerbsmäßigen Computerbetrugs, wofür das Gesetz auch Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren vorsieht. Zudem wird er sich wegen eines Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz zu verantworten haben. In seiner Wohnung fanden die Beamten geringe Mengen Marihuana und verbotene Cannabispflanzen.
Die Spezialermittler der Bundespolizei werten in der Zwischenzeit die bei der Durchsuchung sichergestellten Computer des Beschuldigten aus. Sie hoffen, anhand der darauf befindlichen Daten schlagkräftige Beweise und unter Umständen auch wertvolle Hinweise zu weiteren, bislang unbekannten Straftätern aus der einschlägigen Szene zu finden.
Die Bundespolizei warnt in diesem Zusammenhang eindringlich vor allzu verlockenden und zweifelhaften Schnäppchen im Internet. Gerade dann, wenn der Verkäufer auf ungewöhnliche Bezahldienste wie UKash oder Paysafe beharrt, sollte man vorsichtig sein und immer mit "gesundem Menschenverstand" handeln. Zu verschenken hat auch im Internet niemand etwas.