Das Arbeiten im Homeoffice gehört gerade nach der Corona-Pandemie zum Alltag vieler Unternehmen. Das bewältigt jeder Mensch unterschiedlich, manche sind rundum zufrieden, andere hingegen fühlen sich überlastet. Stefan Gansweid, Facharzt für Arbeits- und Allgemeinmedizin in Bielefeld, erklärt: „Das Homeoffice ist nie alleine die Ursache für Überlastungen. Es braucht immer mehrere Faktoren, auch im Privatleben.“ Für viele Arbeitnehmer habe das Arbeiten im Homeoffice positive Effekte: Durch die heimelige Umgebung fühlen sich Menschen am Arbeitsplatz wohler, und außerdem kann das eigene Bett für einen Powernap genutzt werden. Auch eine Befragung des wissenschaftlichen Instituts der AOK zeigt, dass viele Befragte im Homeoffice von einer höheren Arbeitszufriedenheit und den Vorteilen flexibler Arbeit berichten. Mehr als zwei Drittel der Befragten empfinden es als positiv, dass sie im Homeoffice mehr Arbeit erledigen können und eine höhere Autonomie haben. Und sogar drei Viertel geben an, dass sie konzentrierter arbeiten können. Jens Kuschel, Pressesprecher der AOK NordWest, fügt hinzu: „Zu den großen Vorteilen des Homeoffice gehört, dass die Beschäftigten ihre Arbeit selbstständiger planen können und sie mehr Entscheidungsfreiheit sowie Mitspracherechte haben.“ Schattenseiten des Homeoffice Das Arbeiten im Homeoffice hat jedoch auch Schattenseiten für Arbeitnehmer. Gansweid erklärt, dass die sogenannte „entgrenzte Arbeit“ ein häufiges Phänomen ist, das durch die ständige Erreichbarkeit zu spüren ist. Das Privatleben verschmilzt mit der Arbeit – und Familie und Freizeit und damit die Regeneration leiden. Laut der Befragung der AOK verlegt jeder Dritte im Homeoffice die Arbeitszeit häufig auf den Abend oder das Wochenende. Bei Menschen ohne Familie und sozialen Netzen kann Homeoffice zu Vereinsamung führen, insbesondere wenn eine Angststörung im Hintergrund wirke, erklärt Gansweid. Tendenziell würden soziale Kontakte dann noch mehr gemieden. Im Gegenzug dazu spricht Gansweid auch über die ohnehin schwierige Doppelbelastung von Familie und Beruf, die im Homeoffice noch zunehmen könne. „Dies war in der Coronazeit besonders bei den jungen Eltern von Kita- und Grundschulkindern zu spüren, die versucht haben, die Hausarbeit neben Homeoffice und Kinderbetreuung zu schaffen“, erklärt der Mediziner. Viele arbeiten im Homeoffice, obwohl sie krank sind Gansweid spricht ein weiteres mögliches Problem an: den sogenannten Präsentismus. Zu Hause sei die Tendenz nämlich stärker, selbst dann noch zu arbeiten, wenn man krank ist. „Hierdurch steigt die Fehlerwahrscheinlichkeit, und durch fehlende Erholung werden Krankheiten eher verschleppt.“ Kuschel ergänzt: Trotz der höheren psychischen Belastungen haben Beschäftigte, die häufig im Homeoffice arbeiten, mit durchschnittlich 7,7 Tagen geringere Fehlzeiten. Im Vergleich haben die Beschäftigten, die im Unternehmenssitz tätig sind, durchschnittlich 11,9 Fehltage. Menschen, die im Homeoffice arbeiten, klagen jedoch häufig über das Gefühl der Überforderung, sagt Gansweid. Hinzu kommen Beschwerden wie starke Erschöpfung und Ermüdung mit fehlender Regenerationsmöglichkeit. Der Arzt warnt: „Eine psychische Belastungsreaktion beginnt meistens schleichend mit einer leichten Unzufriedenheit, Gereiztheit oder dem Gefühl, nicht mehr zur Ruhe zu kommen. Spätestens, wenn Schlafprobleme dazukommen, ist es Zeit, zum Arzt zu gehen. Besser ist es, früh zu reagieren.“ Der Mediziner ist zwar der Meinung, dass das Homeoffice nur einer von mehreren Faktoren von Überbelastung ist, aber er weist trotzdem auf verschiedene Methoden hin, um den Gefahren beim Arbeiten in den eigenen vier Wänden besser zu entgehen. Neun Tipps von Stefan Gansweid zum gesünderen Arbeiten im Homeoffice 1. 🏡 Klare Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben: Zeitlich, örtlich und situativ. Wenn es möglich ist, wird ein eigenes Arbeitszimmer empfohlen. 2. 🕑 Feste Arbeits- und Pausenzeiten 3. ?? Pausen richtig nutzen: Sport oder einen Spaziergang machen, online ein Entspannungstraining mitmachen oder sich zu einem maximal zwanzigminütigen Powernap hinlegen, um sich in den Pausen zu erholen. 4. 🔇 Ruhiges Arbeitsumfeld: Es sollten klare Regeln für die Familie etabliert werden, da Unterbrechungen die Konzentration beeinträchtigen. 5. ? Keine Ablenkung: Digitale Medien, die nichts mit der Arbeit zu tun haben, sollten während der Arbeitszeit vermieden werden. 6. 💡 Gutes Fehlermanagement und regelmäßige Kommunikation 7. 💬 Soziale Meetings: Eine gemeinsame Mittagspause kann den sozialen Zusammenhalt stärken. 8. 🪑 Ergonomisch ausgestatteter Tisch und Stuhl 9. 🍎 Gesunde Ernährung