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Notfälle vermeiden

Sicher Eisbaden: Das sind die 5 wichtigsten Regeln

Wer als Anfänger mit dem Eisbaden beginnt, hält sich am besten nur kurz im Wasser auf und steigert sich langsam. © Patrick Pleul/dpa/dpa-tmn

So wunderbar das Gefühl von Lebendigkeit ist oder auch der Stolz, dass man sich überwunden hat: Eisbaden kann richtig gefährlich sein.

Vor allem dann, wenn man riskante Aktionen wagt - wie zuletzt ein Eisbader in Wismar. Sein Plan: Vor laufender Kamera unter der Eisschicht von einem Loch zum nächsten schwimmen. Das ging schief, der Mann tauchte nicht wieder auf.

«Unter einer Eisschicht durchtauchen ist eigentlich eine Extremsportvariante, die man nur als sehr geübter Sportler ausführen sollte», sagt Matthias Stoll von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Erfahrene Winterschwimmer, die so etwas wagen wollen, müssen sich der Risiken bewusst sein - und Sicherheitsvorkehrungen treffen. Heißt: unbedingt jemanden dabeihaben, der sie im möglichen Notfall wieder an die Oberfläche ziehen kann.

Die Risiken des Winterbadens

Begeben wir uns in Wasser, das nur wenige Grad «warm» ist, macht das etwas mit unserem Körper. Gerade Ungeübte riskieren einen Kälteschock, der sich etwa durch einen unkontrollierten Atemimpuls bemerkbar macht. «So ein Kälteschock kann auch zu Herzrhythmusstörungen führen, das heißt: zu akuten Notfällen», sagt Matthias Stoll.

Dazu kommt die Gefahr einer Unterkühlung, also einem Absinken der Körperkerntemperatur. Dadurch kann es zu Bewegungseinschränkungen kommen, «bei denen Schwimmbewegungen irgendwann nicht mehr möglich sind», so der Experte. Hier kommen fünf Regeln für sicheres Eisbaden.

Regel 1: Nicht einfach so, sondern mit Vorbereitung

«Bei den aktuellen Temperaturen ins Wasser zu gehen und mehrere Minuten schwimmen zu wollen, ist nur etwas für geübte Personen», sagt Matthias Stoll, der den Bereich Ausbildung und Prävention in der DLRG-Bundesgeschäftsstelle leitet. Die klassische «Karriere» des Eisbadens beginnt damit, dass man seinen Körper mit kalten Duschen vorbereitet, über Wochen hinweg. Wer dann das erste Mal im See anbadet, tut das lieber im Herbst statt im klirrend kalten Winter.

Regel 2: Mindestens zu dritt unterwegs sein

In der Gruppe macht Eisbaden nicht nur oft mehr Spaß - es ist auch sicherer. Daher sollte man mindestens zu dritt sein, zwei Personen im Wasser, mindestens eine am Ufer. «Geht es einer Person im Wasser schlecht, kann die zweite direkt mithelfen - und die dritte kann das Telefon in die Hand nehmen und einen Notruf absetzen.»

Regel 3: Sich möglichst gut warm halten - insbesondere den Kopf

Wie vor dem Sport gilt auch vor dem Eisbaden: Aufwärmen bringt den Kreislauf in Schwung und die Muskeln auf Betriebstemperatur. Übertreiben muss man es aber nicht. Was man tun kann, um sich im Wasser möglichst gut warmzuhalten: «mit Mütze oder Neoprenhaube schwimmen», wie Stoll rät. Ist es besonders kalt, sind auch Neoprenhandschuhe oder -füßlinge sinnvoll.

Noch ein Tipp: Der Kopf bleibt so viel wie möglich über Wasser. Ist er nämlich erst einmal nass, beschleunigt das die Auskühlung, vor allem, wenn ein Luftzug über das Gewässer weht.

Regel 4: Maximal so viele Minuten wie die Temperatur drinbleiben

Wer neu einsteigt, hält sich am besten zunächst nur kurz im Wasser auf und steigert sich nach und nach. Grobe Orientierung gibt eine Faustregel: «Als Anfänger sollte man maximal so viele Minuten ins Wasser wie die Wassertemperatur beträgt», sagt Stoll. Beispiel: Ist das Wasser drei Grad kalt, ist allerspätestens nach drei Minuten Schluss.

Bei bestimmten Signalen des Körpers sollte man unbedingt früher das Gewässer verlassen. Zum Beispiel bei übermäßigem oder unkontrolliertem Zittern oder bei Schmerzen, etwa in Fingern und Füßen. Weitere Warnsignale sind plötzliche Kopfschmerzen, Schwindel und ein Absacken des Kreislaufs.

Regel 5: Danach sanft aufwärmen - Sauna ist tabu

Brrr! Mit nassem Körper in der Kälte zu stehen, ist ungemütlich - vor allem, wenn Wind im Spiel ist. Gut, wenn direkt ein großes Handtuch bereitliegt, in das man sich kurz kuscheln kann. Gründliches Abtrocknen ist nämlich Pflicht, ehe man in trockene und wärmende Kleidung schlüpft. Wohltuend ist jetzt auch ein Tee oder ein anderes alkoholfreies Heißgetränk.

Vor einer Sache warnt DLRG-Experte Stoll: den Körper direkt dem anderen Extrem, also der Hitze einer Sauna, auszusetzen. Das kann eine zu starke Belastung für das Herz-Kreislauf-System sein. «Man sollte dem Körper lieber die Möglichkeit geben, sich langsam wieder zu erwärmen.»

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